Test LG 27UK850-W – attraktives Gesamtpaket!
6/9

8
80569

Farbraum-Emulationen

Farbraum-Emulationen dienen dazu, den Farbraum des Monitors auf einen gewünschten Zielfarbraum zu begrenzen. Das ist immer dann notwendig, wenn eine genaue Farbwiedergabe gefordert ist, aber die verwendeten Anwendungen bzw. Signalquellen kein Farbmanagement unterstützen. Das wären zum Beispiel Office-Anwendungen, die meisten Internetbrowser und externe Signalquellen wie BD-Player.

Eine Farbraum-Emulation ab Werk (sRGB-Modus) bietet der LG 27UK850-W nicht. Wir haben im Folgenden getestet, ob sich der leicht erweiterte Farbraum des Gerätes mittels Hardware-Kalibrierung vernünftig auf den sRGB-Farbraum begrenzen lässt.

Die nachfolgenden Grafiken zeigen die Farbraumabdeckung nach der Hardware-Kalibration auf den sRGB-Farbraum:

Abdeckung des sRGB-Farbraums, 3D-Schnitt 1
Abdeckung des sRGB-Farbraums, 3D-Schnitt 1
Abdeckung des sRGB-Farbraums, 3D-Schnitt 2
Abdeckung des sRGB-Farbraums, 3D-Schnitt 2

Wie man an den beiden Grafiken im Vergleich zu den eingangs gezeigten Ergebnissen bei der Kalibrierung auf den nativen Farbraum sehr gut erkennen kann, gelingt es mittels der Hardware-Kalibrierung sehr gut, den Farbraum auf den sRGB-Farbraum zu begrenzen. Die verbleibende Überdeckung ist nur noch minimal.

Vergleich der sRGB-Emulation mit sRGB

Diagramm: Vergleich der sRGB-Emulation mit sRGB
Vergleich der sRGB-Emulation mit sRGB

Die Abweichungen bei den Buntfarben fallen zwar etwas höher aus, liefern aber immer noch ein sehr gutes Ergebnis. Das Gleiche gilt für die Farbraumabdeckung, die sich von 99 % auf 98 % nur minimal verschlechtert hat. Die Graubalance ist ebenfalls gut. Wenig begeistern kann dagegen der Verlauf der Gammakurve. Für das Gamma lässt sich in TCP auch nur ein Durchschnittswert als Ziel festlegen – der sRGB-Normverlauf dagegen nicht.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Fazit zur Hardware-Kalibrierung

Der LG 27UK850-W ist ein ohnehin bereits als Preisbrecher positionierter Allrounder. Hier auch noch das Feature „Hardware-Kalibrierung“ hineinzuquetschen, mag unter Marketing-Gesichtspunkten bei weniger versierten Käufern zu dem einen oder anderen Erfolg führen. Aus unserer Sicht ist das aber eher kontraproduktiv, da es uns dazu zwingt, einen Teilaspekt des Gerätes überdurchschnittlich genau und im Vergleich mit dedizierten Grafikmonitoren unter die Lupe zu nehmen.

Den ersten Hinweis darauf, dass man zu diesem Aspekt besser die Erwartungshaltung nach unten schrauben sollte, bekommt man schon beim Blick auf die technischen Daten. Selbst sehr günstige Geräte mit Hardware-Kalibrierung wie der ViewSonic VP2768 arbeiten intern mindestens mit einer 10-Bit-LUT. Das ViewSonic-Modell verwendet zur Berechnung sogar eine 14-Bit-3D-LUT mit einer Farbpalette von 4,3 Milliarden Farben. Der LG 27UK850-W erzeugt dagegen nur 1,073 Mrd. Farbabstufungen mittels 8 Bit+FRC.

Die Ergebnisse der Hardware-Kalibrierung fielen in unserem Test signifikant schlechter aus, als mit einer ganz banalen Software-Kalibrierung. Und einer der Hauptvorteile der Hardware-Kalibrierung kam gar nicht erst zum Tragen. Nach einer Software-Kalibrierung sind in feinen Grau- und Farbverläufen praktisch immer Banding-Effekte sichtbar. Wir erwähnen das nicht in jedem Test, da das Ausmaß auch von der verwendeten Grafikkarte abhängt. AMD-Grafikkarten sollen hier gerüchteweise besser abschneiden.

Mit einer Hardware-Kalibrierung wird dieses Problem normalerweise vollständig vermieden. Beim LG 27UK850-W sind die Banding-Effekte aber auch nach der Hardware-Kalibrierung mindestens so deutlich sichtbar wie nach der Software-Kalibrierung.

Den einzigen Vorteil hat man deshalb dann, wenn man das Gerät auf den sRGB-Farbraum begrenzen will, um zum Beispiel beim Onlineshopping im Browser eine möglichst exakte Farbwiedergabe zu haben (siehe Farbraum-Emulation). Ansonsten fährt man mit einer gewöhnlichen Software-Kalibration sogar besser.

Reaktionsverhalten

Den LG 27UK850-W haben wir in nativer Auflösung bei 60 Hz am DisplayPort untersucht. Der Monitor wurde für die Messung auf die Werkseinstellung zurückgesetzt.

Bildaufbauzeit und Beschleunigungsverhalten

Die Bildaufbauzeit ermitteln wir für den Schwarz-Weiß-Wechsel und den besten Grau-zu-Grau-Wechsel. Zusätzlich nennen wir den Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte.

Der Messwert CtC (Color to Color) geht über die herkömmlichen Messungen von reinen Helligkeitssprüngen hinaus – schließlich sieht man am Bildschirm auch in aller Regel ein farbiges Bild. Bei dieser Messung wird deshalb die längste Zeitspanne gemessen, die der Monitor benötigt, um von einer Mischfarbe auf die andere zu wechseln und seine Helligkeit zu stabilisieren. Verwendet werden die Mischfarben Cyan, Magenta und Gelb – jeweils mit 50 % Signalhelligkeit. Beim CtC-Farbwechsel schalten also nicht alle drei Subpixel eines Bildpunktes gleich, sondern es werden unterschiedliche Anstiegs- und Ausschwingzeiten miteinander kombiniert.

Im Datenblatt wird eine Reaktionszeit von 5 ms für GtG genannt. Eine Beschleunigungsoption (Overdrive) ist vorhanden. Hier gibt es die Stellungen „Aus“, „Normal“, „Schnell“ und „Schneller“. Als Standardwert ist „Schnell“ voreingestellt.

8 KOMMENTARE

  1. Hallo Michael,
    ich hatte die Anschlussprobleme LG an MacBook Pro 2017 auch. Es lag letztendlich am Kabel, nicht am Monitor. Es lohnt sich ein gutes DP-taugliches Kabel aus dem Zubehör zu probieren. Die Macs scheinen aus irgendeinem Grund empfindlicher zu sein als die PC-Kollegen. Ich habe mit Choetech gute Erfahrungen gemacht. Sowohl bei USB-C als auch beim Adapter USB-C zu HDMI.

  2. Sehr geehrtes PRAD Team,
    erstmal herzlichen Dank für diesen und alle anderen sehr ausführlichen Tests! Zum LG 27UK850: Wie realistisch ist es, dass es bei Ihrem Modell bzgl. Ausleuchtung und Farbreinheit um ein Montagsmodell handelt? Ich habe den Monitor kürzlich zusammen mit dem LG 27UD88 bestellt und ich habe das subjektive Gefühl (Messequipment ist leider nicht vorhanden), dass der 27UK850 einen wenig besser ausgeleuchtet ist. Auch kann ich keinen Farbreinheitsfehler über die Breite des Monitors erkennen.

  3. Wie sieht es aus mit freesync wird freesync 1 oder 2 unterstützt.und was ist der freesync Regelbereich von 40 bis 60 fps oder ein anderer?

  4. Ich habe mir den Monitor (UK650) aufgrund dieses Test-Berichts in der Buch geholt und gestern Abend leider massives Edge-Bleeding/IPS-Glowing feststellen müssen im dunklen Zimmer. Retournieren kann ich das nicht und via Einstellungen werde ich das sicher nicht minimieren können? Laut Amazon-Bewertungen kommt das bei dem Modell wohl häufiger vor.

    • Was denn nun, Bleeding oder Glow? Und was heißt bei dir massiv? Wir haben das ja im Video festgehalten (https://youtu.be/Lg7-IQczdfw?t=112) und wo es durchaus Unterschiede geben kann ist beim Bleeding. Der Glow sollte eigentlich ähnlich sein, denn Panel und Panelbeschichtung sind ja identisch. OK sehe gerade, du hast ja ein anderes Modell gekauft. Insofern frage ich mich weshalb Du deine Probleme zu einem anderen Modell schreibst. Ob dieser LG Monitor ein identische Panel einsetzt, was durchaus im Bereich des möglichen sein kann, weiß ich nicht.

  5. Vielen Dank für das nette Feedback, das freut mich natürlich!

    Zu den Wünschen: wir haben das in der Redaktion noch einmal besprochen. Den Wunsch nach den Umschaltzeiten kann ich schon verstehen, das dürfte auch andere interessieren. Das Problem ist, solche Messungen objektivierbar zu machen, da dabei sicherlich auch Grafikkarte und andere Komponenten eine Rolle spielen. Wir haben das Thema aber in der Redaktion noch einmal besprochen und werden es bei den nächsten drei Tests (EIZO EV3285, LG 34WK95U, ViewSonic VP2768-4K) probeweise in die Tests mit aufnehmen.

  6. Ich lese die Reviews von Herr Findeis wirklich sehr gerne – toller Schreibstil und lehrreich. Chapeau & Danke!

    Was ich mir in dieser (und anderen) Reviews noch (regelmäßig) gewünscht hätte:
    – umschalten zwischen Signalquellen (Zeit und Einfachheit; oft ein „Pain“ bei vielen Herstellern; Beispiel: Mein Alltags-SetUp PC Laptop, PC Desktop, Macbook an einem Dell Ultrasharp U2713h [ein Pain])
    – Besonderheiten beim Anschluss eines MacBooks Pro (funktioniert das an USB-C; DP)? Anscheinend hat LG derzeit Probleme mit Apple-Produkten (nicht nur mit Nvidia). Beispiele: selbst der Apple/LG 5K Ultrafine läuft nicht mit neuem MacMini. Der 38WK950 funktioniert anscheinend nicht am MacBook Pro 2018. Und auch der 32UD950 hatte seine Probleme mit USB-C =>> alles Gründe, den Anschluss eines Macs ebenfalls zu testen.

    • Ich kann den Wunsch nach Apple Produkten verstehen, das ist in unserem Fall leider nicht praktikabel. Jeder Redakteur müsste sich ein Macbook nur zu Testzwecken zulegen, da unserer Redakteure an Windows PCs testen und das ist leider nicht realisierbar. Es sein denn Apple stiftet uns für jeden Redakteur ein solches Macbook. Und das wird sicher nicht passieren 😉

Diskussion: Neuen Beitrag verfassen