Test Monitor Eizo CG303W
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Overdrive

Jeder Helligkeitsstufe eines Bildpunktes ist eine bestimmte Steuerspannung zugeordnet, mit der die Zielhelligkeit exakt erreicht wird. Die Umschaltgeschwindigkeit der Bildpunkte kann daher erhöht werden, indem man beim Bildwechsel zunächst eine höhere Spannungsdifferenz anlegt als es dem Helligkeitsunterschied eigentlich entsprechen würde. Bei den nachfolgenden Bildern wird die tatsächliche Helligkeit dann mehr oder weniger zügig auf den Zielwert korrigiert. Dieses Verfahren wird als Overdrive bezeichnet.

Dedizierte Einstellungsoptionen für das Overdrive-Verhalten bietet der CG303W nicht an. Das Signalverhalten zeigt sich erwartungsgemäß vollkommen unauffällig. Während viele aktuelle TN-Panels die Zielhelligkeit bei einem Wechsel von Schwarz zu den mittleren Graustufen erst nach zwei bis drei Frames erreichen, benötigt der CG303W hierfür ziemlich konstant nur einen Frame.

Eizo Cg303w Monitor Overdrive 100
Eizo Cg303w Monitor Overdrive 070
Gleichmäßige Graubildwechsel ohne Überschwinger; links: 0 zu 100 %; rechts: 0 zu 70 %.

Dieses betont neutrale Verhalten kostet vor allem einige Millisekunden Anstiegszeit. Angesichts dessen sind die etwas langsameren Reaktionszeiten also dennoch ein ordentlicher Wert – vor allem, weil dieser Monitor sicherlich nicht primär für Videos und Spiele geschaffen wurde.

Latenzzeit

Neben kurzen Schaltzeiten, die für den schnellen Bildaufbau notwendig sind, ist vor allem die Latenzzeit (Verzögerung) eines Monitors von Bedeutung für das Reaktionsempfinden. Dies gilt besonders für Spiele mit schnellen Bewegungen, wie sie bei Rennsimulationen oder Shootern vorkommen. Wenn zwischen der Eingabe und der Bildausgabe zu viel Zeit vergeht, wird die Steuerung zu indirekt und der Spielspaß wird beeinträchtigt. Dieser Effekt wird als Inputlag bezeichnet.

Eine Normvorgabe für die Bestimmung der Latenzzeit bei Monitoren gibt es nicht (siehe hierzu auch unser Special „Untersuchung des Input Lag Testverfahrens“). Wir ermitteln die Gesamtlatenz daher, indem wir zunächst die Verzögerungszeit bis zum eindeutigen Beginn des Aufleuchtens (10 Prozent der Endhelligkeit) messen. Da der Bildpunkt dann erst noch seine Endhelligkeit erreichen muss, addieren wir zu diesem Wert noch die Hälfte der mittleren Bildaufbauzeit (hin und zurück) hinzu.

Erläuterung der Darstellung: Die rote Kurve zeigt die Helligkeit eines LCD-Pixels über der Zeit, während der Bildschirm mit einer definierten Folge von Bildern mit abnehmender Helligkeit angesteuert wird. Die grüne Linie zeigt das dazugehörige Steuersignal, wie man es z.B. auf einem verzögerungsfreien Röhrenmonitor sehen würde. Die Verzögerungszeit des LCD ergibt sich, indem man die Zeitdifferenz zwischen dem Steuersignal und dem Aufleuchten des Pixels ausmisst. Verzögerungen von mehr als einem Frame werden durch die unterschiedlich hohen Signale erkennbar.

Eizo Cg303w Monitor Latenz
Das Inputlag des CG303W beträgt fast 20 Millisekunden.

Wir messen eine Verzögerungszeit von 9,2 Millisekunden, eine Bildzwischenspeicherung findet also nicht statt. Hinzu kommt noch die halbe mittlere Bildaufbauzeit von 10,6 Millisekunden, womit sich die mittlere Gesamtlatenz zu 19,8 Millisekunden ergibt. Auch wenn dies für aktuelle Monitore schon ein erhöhter Wert ist, dürfte dies für die Anwenderzielgruppe dieses Monitors keine Rolle spielen.

Subjektive Bewertung

Die Bewegtbilddarstellung des Eizo CG303W zeigt keinerlei Overdrive-Artefakte. Corona- bzw. Ghosting-Effekte bleiben also aus. Das Reaktionsverhalten ist subjektiv minimal besser als beim zuletzt getesteten Eizo CG245W. Für die meisten Anwender wird das völlig ausreichend sein. Als reines Wiedergabegerät für Spiele wäre der Bildschirm ohnehin ziemlich überdimensioniert.

Eizo Cg303w Monitor Game1
Bild aus dem Spiel „Counter Strike Source“ mit Auflösung 2.560 x 1.600.

Trotzdem machen Spiele auf dem 30-Zoll Boliden natürlich mächtig Spaß, zumal die Bildqualität über jeden Zweifel erhaben ist: Die sehr guten Messwerte bestätigen sich hier in der Praxis. In düsteren Spielen können, trotz der guten Ausleuchtung, höchstens die blickwinkelbedingten Aufhellungen etwas stören. Die Farbraumemulation ist für die Wiedergabe von Spielen ein echtes Plus. Mit dem sRGB Arbeitsfarbraumprofil als Emulationsziel bleiben die vielzitierten „Bonbonfarben“ von Bildschirmen mit erweitertem Farbraum aus. Die sRGB-Gradation sorgt darüberhinaus für eine verbesserte Detailzeichnung in dunklen Bereichen. Nach Abschluss des Spiels kann dann mit einem Klick wieder auf ein Profil mit nativem Gerätefarbraum als Grundlage gewechselt werden.

Weiterer Vorteil der Hardwarekalibrierung: Alle in ihrem Rahmen vorgenommen Änderungen bzw. Optimierungen bleiben persistent in der Monitor-LUT. Änderungen der Grafikkarten-LUT würden dagegen bei Spielstart verworfen.

Eizo Cg303w Monitor Game2
Bild aus dem Spiel „Battlefield 2“ mit Auflösung 2.560 x 1.600.

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