-->

BRANDHEISS

Test ViewSonic M2: Mobiler Projektor mit hoher Konnektivität
6/8

LED-Projektor mit Full-HD-Auflösung (1920 x 1080) in einem pflegeleichten und schmucken Design, der sogar einen USB-C-Anschluss besitzt und zudem ein tolles Preis-Leistungsverhältnis aufweist

Graustufen und Farbverläufe

Auf den ersten Blick macht die Graustufen-Darstellung einen sehr guten Eindruck. Die Graubalance liegt eher etwas auf der kühleren Seite, wirkt aber sehr neutral. Die hellsten Stufen lassen sich vollständig differenzieren.

Die Schwächen werden aber in den dunklen Bereichen augenfällig. Ab Stufe 8 lassen sich Details kaum noch differenzieren, sie verschwimmen zu einem einheitlichen Dunkelgrau. Im Beschnitt aller Testaufnahmen haben wir in der Regel den Leinwandrahmen mit hineingenommen. So kann man am besten abschätzen, wie Schwarz wirklich aussehen müsste.

Farbschimmer sind in der ersten Testgrafik nur schwer zu erkennen. Trotz 12-bbc-Zuspielung und der Herstellerangabe von 1,07 Mrd. Farben werden in feinen Grauverläufen Banding- und Abstufungseffekte sehr deutlich (siehe letzte Abbildung).

Graustufen, Modus "Film"
Graustufen, Modus „Film“

Der Bildmodus „Am hellsten“ mag verlockend sein, bekommt man doch tatsächlich eine höhere Lichtleistung bei gleichem Stromverbrauch. Mit 6177 K liegt sogar die Farbtemperatur näher beim D65-Soll als der Modus „Film“.

Der Vergleich mit der unten stehenden Graustufen-Aufnahme dürfte aber deutlich machen, wieso wir ihn nicht empfehlen können. Die Rosafärbung ist insbesondere in den hellsten Bereichen nicht zu übersehen.

Graustufen, Modus „Am hellsten“
Graustufen, Modus „Am hellsten“

Graustufen-Testbild 2
Graustufen-Testbild 2
Graustufen-Testbild 3
Graustufen-Testbild 3
Banding-Effekte und Farbschimmer in feinen Grauverläufen trotz 12 bbc
Banding-Effekte und Farbschimmer in feinen Grauverläufen trotz 12 bbc

Farbwiedergabe

Schwächen sind auch bei den Farbverläufen sichtbar. Die farbigen Streifen zeigen die drei Grundfarben in gleichmäßigen Helligkeitsabstufungen von Schwarz nach Weiß. In der Mitte ist die Farbsättigung am höchsten. Vor allem bei Grün geht in der Bildmitte die Differenzierung längere Zeit völlig verloren. Bei Rot und Blau ist das Problem auch vorhanden, aber nicht ganz so ausgeprägt. Das heißt, dass hier Bildinformationen in stärker gesättigten Bereichen verloren gehen und diese Bereiche dann unter Umständen wie eine gleichmäßige Fläche aussehen.

Natürliche Hauttöne, Schwächen auch bei Farbverläufen
Natürliche Hauttöne, Schwächen auch bei Farbverläufen

Eine weitere Auffälligkeit ist am linken Rand zu erkennen. Der eigentlich rundum gelbe Rahmen wird dort plötzlich grün dargestellt.

Die Farbraumgrafik offenbart, was subjektive Testbilder bereits vermuten ließen: Der Farbraum des ViewSonic M2 geht zwar schon merklich über die HDTV-Norm hinaus, ist aber nicht so deutlich erweitert wie wir das von anderen LED-Beamern kennen. Die Herstellerangabe (125 % Rec. 709) erscheint uns durchaus realistisch. Die Erweiterung ist vor allem in Richtung Rot und Blau zu erkennen.

Diagramm: Farbraum Modus "Kino" (volle Lichtleistung)
Farbraum Modus „Kino“ (volle Lichtleistung)

Das Gamma messen wir im Durchschnitt mit 2,14. Das ist etwas zu niedrig. Dafür entspricht der Helligkeitsverlauf sehr gut der Norm, und die Einzelkurven der Primärfarben verlaufen nahezu deckungsgleich.

Diagramm Modus "Kino": Helligkeitsanstieg
Modus „Kino“: Helligkeitsanstieg
Diagramm Modus "Kino": Gammaverlauf
Modus „Kino“: Gammaverlauf

Auch die Farbtemperatur bleibt über alle Helligkeitsbereiche weitgehend konstant. Im Werksmodus ermitteln wir sie mit 7381 K. Das ist merklich kühler als die HDTV-Norm, die im OSD mit 6500 K eigentlich auch richtig voreingestellt ist. Gestört hat uns das subjektiv beim Anschauen von Filmen nicht. Auf Wunsch kann man die Farbtemperatur natürlich im OSD auch wärmer regeln.

Beim RGB-Niveau zeigt sich das Optimierungspotenzial für eine Kalibrierung. Die Kurven verlaufen aufgrund der abweichenden Farbtemperatur zwangsläufig nicht deckungsgleich, aber weitgehend linear. Für eine Kalibrierung bietet der M2 zahlreiche Einstellmöglichkeiten. Der Anspruch auf absolute Farbgenauigkeit und die Erfordernis einer Kalibrierung dürften aber bei der Zielgruppe des M2 wohl eher selten bestehen.

Diagramm Modus "Kino": Verlauf Farbtemperatur
Modus „Kino“: Verlauf Farbtemperatur
Diagramm Modus "Kino": Verlauf RGB-Niveau
Modus „Kino“: Verlauf RGB-Niveau

Subjektive Beurteilung

Punkten kann der ViewSonic M2 auf jeden Fall erst einmal mit einer sehr natürlichen Farbdarstellung ab Werk im Filmmodus. Die HDTV-Norm wird sehr gut abgedeckt.

Die beiden Aufnahmen unten zeigen links das Original-Testbild, das wir projiziert haben, und rechts ein Foto der Leinwand davon. Solche Vergleiche sind natürlich gerade bei Geräten mit erweitertem Farbraum mit Vorsicht zu genießen. Bei der Ausgabe müssen wir die Bilder für die Web-Anzeige zwangsläufig in sRGB konvertieren. Außerdem entstehen bei der Aufnahme einer Projektion Unterschiede im Dynamikumfang, die sich ebenfalls auf die Farben auswirken.

Originalfoto
Originalfoto
Foto von der Leinwand
Foto von der Leinwand

Wir selbst haben die Bilder an einem kalibrierten Monitor und natürlich im direkten Abgleich mit dem Projektor begutachtet. Entscheidend ist also die Schilderung des subjektiven Eindrucks. Im Fall des ViewSonic M2 kann dieser aber nahezu perfekt im oben gezeigten Vergleich wiedergegeben werden.

Großes Kino nur mit Leinwand!
Großes Kino nur mit Leinwand!

Naturgegeben stellt der ViewSonic M2 stark gesättigte Bereiche noch etwas kräftiger dar als eigentlich im Quellmaterial vorhanden. Im Zusammenhang mit seinen Helligkeits- und Kontrastwerten fällt das aber in der Praxis kaum auf.

Auch natürliche Szenen mit viel Vegetation werden überwiegend sehr glaubwürdig dargestellt. In der Farbraumgrafik oben sieht man, dass Grün an den Farbraumgrenzen aber nicht nur etwas kräftiger, sondern auch etwas in Richtung Blau verschoben ist. Vereinzelt kann sich das in bestimmten Szenen mit einer sehr frisch oder fast schon etwas giftig wirkenden Vegetation äußern.

Natürliche Grüntöne werden überwiegend sehr glaubwürdig dargestellt
Natürliche Grüntöne werden überwiegend sehr glaubwürdig dargestellt
Schwarzwert und Detailzeichnung in dunklen Szenen könnten besser sein
Schwarzwert und Detailzeichnung in dunklen Szenen könnten besser sein

Über generell überzogen wirkende Farben kann man sich beim ViewSonic M2 aber ansonsten sicher nicht beschweren. Gerade bei den Hauttönen und in den mittleren Sättigungsbereichen gelingt die Darstellung ausgesprochen natürlich.

Weniger positiv formuliert: Der M2 ist insgesamt ziemlich unauffällig. Die Farbbrillanz, die uns bei LED-Beamern schon so oft begeistert hat, haben wir weitgehend vermisst. Die Lichtleistung mag für eine 90-Zoll-Leinwand noch ohne Weiteres ausreichen, aber dafür ist das auf Portabilität getrimmte Gerät eigentlich nicht gemacht. Was von Lichtleistung, Kontrast und Schärfe noch übrig bleibt, wenn man das Bild einfach an eine übliche Wohnzimmer-Wand projiziert, haben wir im Test des LG HU85LS (Kapitel „Aufstellung“) schon einmal ausführlich gezeigt.

Doch auch auf der Leinwand kann das mäßige Kontrastverhältnis nicht richtig begeistern. Das gilt erst recht, wenn man von einem OLED-TV kommt, aber auch im Vergleich mit anderen Projektoren. Am besten gefallen hat uns der M2 in hellen Szenen. In dunklen Szenen gehen dagegen viele Details verloren, und das Bild wirkt flau.

Sehr gute Darstellung von Hauttönen
Sehr gute Darstellung von Hauttönen
Wenig Power beim Im-Bild-Kontrast
Wenig Power beim Im-Bild-Kontrast
Manuel Findeis

... beschäftigt sich beruflich wie privat seit über 20 Jahren intensiv mit den Themen und Entwicklungen in der IT-Branche. Als freiberuflicher Autor, Testredakteur und Fotograf, kennt er die Anforderungen an ein gutes Display. Für PRAD ist er seit 2013 tätig.

Interessante Themen

8 Gedanken zu „Test ViewSonic M2: Mobiler Projektor mit hoher Konnektivität“

  1. Hallo,

    hier steht das der Beamer mit einem Abstand 3,7 Meter auf eine 2 Meter Leinwand projeziert wurde. Ich habe gelesen, dass es keinen optischen Zoom gibt und das Verhältnis 1:1.2 ist. Gibt es also doch eine Möglichkeit zum Zoomen. Weil bei 3,7 und Verhältnis 1:1.2 ergibt sich ja eine Bildfläche von 3,083 Metern. Ich frage weil meine Wand tatsächlich 3,8 Meter entfernt ist und daher die Möglichkeit des Zooms (digital oder optisch) essentiell wäre.

    Danke für die Antwort,
    Christian

    Antworten
    • Das ist ein Fehler im Text, den wir korrigieren. Im Test steht, dass kein Zoom vorhanden ist und wir haben die Tabelle des Herstellers eingefügt, die Daten stimmen. Wir ändern das noch ab.

      Antworten
  2. Habe mich nun mit dem Beamer fast zwei Wochen lang beschäftigt. Kurz gesagt sobald die trapezkorrektur ausgeschaltet ist, ist das Bild 1A mit sauberen 60fps sichtbar( ohne stottern)

    Antworten
  3. Liebes Prad-Team,

    ich habe den M2 nun ein halbes Jahr. Ausschließlich für Spielfilme. Bislang nutzte ich hochwertige Heimkino Beamer z. B. von Mitsubishi.

    Das größte Problem sehe ich in dem extrem stotternden Bild. Ihr schreibt, dass durch eine ‚zuschaltbare Zwischenbildberechnung‘ alles flüssiger wird.

    Nach meinem bisherigen Wissen, gibt es hier nichts zuschaltbares. Das Stottern wird auch in den internationalen Foren als negativ dargestellt. Auf deutschen Seiten habe ich darüber noch nichts gelesen.

    Wo ist denn diese Einstellung (versteckt)? Bei welcher Firmware?

    Viele Grüße
    Matthias

    Antworten
    • Hallo Matthias,

      schau mal im Testbericht unter „Bedienung und OSD“ auf die Abbildung „OSD: Erweiterte Einstellungen im laufenden Betrieb“. Dort siehst Du auch den Schalter „Frame interpolation“. Wie der Name sagt, sind diese Einstellungen nur im laufenden Betrieb zugänglich und abhängig von der Signalquelle.
      Dass man einen auf Portabilität getrimmten Beamer für 633 EUR nicht mit ausgewachsenen Heimkino-Projektoren für 2.000 EUR und mehr vergleichen kann, sollte sich eingentlich auch ohne die Erwähnungen im Fazit von selbst verstehen.

      Antworten
      • Hallo Manuel,

        Danke für die flotte Antwort. Meine Anfrage war ungenau. Bei der ‚Zuschaltung‘ ging es mir eigentlich um die komplette Abschaltung der Frame Interpolation.

        Eine kurze Recherche hat ergeben, dass es seit der Firmware v0.57 nun endlich auszuschalten ist. Aber zu speichern scheint der M2 das nicht. Wenn ich wieder ins Menü gehe, erscheint ‚Hoch‘ als Einstellung.

        Ich hoffe, dass an der Firmware noch weiter gearbeitet wird. Die Spezifikationen des Beamers passen für mich nach wie vor.

        Antworten
  4. Könnt ihr etwas vergleichbar teures oder günstigeres empfehlen, dass aber grade im Bereich feiner Details wirklich erwähnenswert ist? Ich suche noch so einen kleinen, handlichen und bezahlbaren Beamer für Vorzeichnungen schnell und effizient auf Leinwand übertragen zu können.

    Antworten
    • Wir haben bei der Bilddarstellung ja einen Vergleich mit dem ASUS F1 gemacht, hast Du das Bild gesehen? Der ist aber deutlich teurer. Das Preis-Leistungsverhältnis des ViewSonic M2 ist richtig gut.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

* Sie müssen das Kästchen aktivieren, ansonsten können Sie keinen Kommentar erstellen. Sollten Sie dennoch versuchen Ihren Kommentar zu posten, ohne akzeptiert zu haben, wird eine neue Seite geöffnet und Sie erhalten einen Hinweis. Alle eingetragenen Daten, inklusive des Kommentars, gehen dabei verloren!