Test Projektoren & Beamer BenQ W1060
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Graustufen

Der Grauverlauf zeigt in allen Bildmodi ein leichtes Banding (streifenartig abgesetzter Grauverlauf), teilweise auch mit rötlichen oder grünlichen Farbschimmern. Das erinnert eher an 6 Bit Dithering als an die angekündigte 10 Bit Farbsteuerung.

Benq W1060 Beamer Grau
Leichtes Banding im Grauverlauf, sehr gute Differenzierung der Graustufen.

Bei der Graustufenuntersuchung in der Standardeinstellung fehlt am oberen Ende der Skala nur die hellste Stufe, am unteren Ende vermissen wir dagegen gleich die 5 dunkelsten. Trotz sichtlicher Unterschiede bei der Farbwiedergabe liefern alle Bildeinstellungen hier ähnliche Resultate.

Farbwiedergabe

Für die Farbwiedergabe sorgt beim W1060 das DLP-typische Farbrad. Verbindliche Unterlagen liegen uns nicht vor, vermutlich handelt es sich um RGBCYW-Farbrad mit 6 Segmenten und dreifacher Drehzahl. Der Regenbogeneffekt ist damit leider nicht auszuschließen.

Die Erläuterungen zu den folgenden Charts haben wir hier zusammengefasst: DeltaE Abweichung für Farbwerte und Weißpunkt, DeltaC Abweichung für Grauwerte, und Gradation. Der Bezugsfarbraum ist dabei sRGB bzw. Rec.709.

Benq W1060 Beamer Profil 1
Bildmodus Hell: Farbabweichungen, Farbanteile und Gammaverlauf.

Die Einstellung Dynamik liefert das meiste Licht, dennoch ist die Farbwiedergabe schon gar nicht so schlecht. Sicherlich sind die Farbabweichungen so hoch dass sie den Chartbereich sprengen, doch Graustufen und Gammaverlauf sind wirklich passabel. Auch die Farbtemperatur liegt mit 6800K schon nahe beim Zielwert 6500K.

Benq W1060 Beamer Profil 2
Werkseinstellung Wohnzimmer: Farbabweichungen, Farbanteile und Gammaverlauf.

Die Werkseinstellung Wohnzimmer liefert sichtbar weniger Licht und eine rötlichere Farbstimmung. Hier liegt die Farbtemperatur niedriger bei 6000K, die übrigen Messwerte sehen dem Hell-Modus recht ähnlich.

Benq W1060 Beamer Profil 3
Bildmodus Spiele: Farbabweichungen, Farbanteile und Gammaverlauf.

Auch die dritte Einstellung Spiele fällt nicht aus dem Rahmen. Mit 7200K geht sie sichtlich kühler zu Werke, die übrigen Abweichungen bleiben in engen Grenzen.

Benq W1060 Beamer Profil 4
Bildmodus Kino: Farbabweichungen, Farbanteile und Gammaverlauf.

Die vierte und interessanteste Einstellung Kino ist auch nur eine weitere Variation. Mit 6000K ähnlich warm wie die Wohnzimmereinstellung hält sie die Graustufen am besten ein, auch das Gamma ist in Ordnung.

Aus Sicht der Farbtreue erweist sich der Kino-Modus als beste Einstellung, auch wenn die Farbabweichungen von der Video-Norm noch ziemlich groß sind. Für den Business- und Schulungsbereich ist die gebotene Farbqualität sehr gut, und auch dem Genuss von Fotos und Videos steht nichts entgegen. Der engagierte Heimkinoliebhaber würde die Farbabweichungen sicherlich mit einer Kalibrierung beseitigen.

Die vier Einstellungen sind bis auf die etwas abweichende Farbstimmung so ähnlich, dass es erstaunt wie unterschiedlich die Lichtausbeute ausfällt.

Farbabstimmung

Im Benutzermodus kann eine Feinabstimmung der Farbwiedergabe vorgenommen werden. Angeboten werden die Optionen Farbtemperatur, Weißabgleich, RGB-Werte mit Verstärkung und Tendenz, sowie Gamma. Die Option 3D Color Management bietet zudem eine 6-Achsen-Einstellung für RGBCMY.

Damit verfügt der W1060 über genügend Einstellmöglichkeiten, um auch hohe Ansprüche an eine natürliche Farbwiedergabe zu erfüllen. Dies setzt jedoch zwingend eine angemessene Ausstattung mit Colorimeter und Software voraus, durch Probieren mit bloßem Auge wird man kaum ein wirklich zufriedenstellendes Ergebnis erreichen können.

Angesichts der zuvor aufgedeckten Bildartefakte können wir den W1060 als preiswerte Alternative für engagierte Heimkinofans leider nicht empfehlen, den Aufwand für eine Kalibrierung haben wir daher nicht getrieben. Für andere Einsatzzwecke im Entertainmentbereich ist die Farbwiedergabe von Fotos und Filmen auch in der Werkseinstellung bereits hinreichend gut.

Reaktionsverhalten

Das Reaktionsverhalten eines Projektors wird wie beim Monitor durch die Bildaufbauzeit, das Beschleunigungsverhalten und die Latenzzeit bestimmt. Den W1060 haben wir in nativer Auflösung bei 60 Hz am HDMI-Anschluss vermessen.

Bildaufbauzeit und Beschleunigungsverhalten

Bei DLP-Projektoren reagieren die Mikrospiegel auf dem Chip in weniger als 100 Mikrosekunden auf das Steuersignal. Eine derart kurze Bildaufbauzeit spielt für das menschliche Auge keine Rolle. Ein Overdrive, der die zögerlichen Helligkeitswechsel bei LCD- und LCoS-Chips beschleunigen kann, erübrigt sich.

Latenzzeit

Die Latenz ermitteln wir als Summe der Signalverzögerungszeit und der halben mittleren Bildwechselzeit. Beim W1060 messen wir eine Signalverzögerung von 14,9 Millisekunden, das ist für Gamer ein durchaus akzeptabler Wert. Wegen der DLP-Technik entfällt der Bildwechselanteil.

Subjektive Beurteilung

Im Praxistest waren bei Spielen und Videos keine auffälligen Nachzieheffekte oder Bewegungsunschärfen zu beobachten. Obwohl keine Zwischenbildberechnung stattfindet, konnten wir auch keine unangenehmen Bildruckler feststellen. Die Gesamtlatenz ist selbst für ambitionierte Computerspieler noch kurz genug.

Sound

Der Einbaulautsprecher befindet sich hinter dem Gitter an der rechten Gehäuseseite, mit geschätzten 60 Millimetern ist er schon ein wenig größer und kräftiger geraten. Den Stereo-Ton gibt er als gemischtes Mono mit maximal 10 Watt Ausgangsleistung wieder. Die Lautstärke wird mit Direkttasten auf der Fernbedienung und am Projektor eingestellt. Die Mute-Taste auf der Fernbedienung schaltet den Ton vorübergehend aus und an.

Ansprüche an den Klang sollte man besser nicht haben, dafür ist in jedem Fall ein externer Stereoverstärker nötig. Für Systemklänge z.B. während einer Präsentation reicht die Leistung aber allemal aus. Ehrlicherweise weist BenQ darauf im Handbuch ausdrücklich hin.

3D

In frühen Datenblättern wurde der W1060 noch als 3D-ready bezeichnet, was später korrigiert wurde. Tatsächlich konnten wir an unserem Testgerät keine 3D Fähigkeiten feststellen. Beide HDMI-Eingänge sind nur als Version 1.3 klassifiziert, die 3D Merkmale der neueren Version 1.4a wurden nicht implementiert. Für den Betrieb mit nVidias 3D Vision fehlt die 120Hz-Fähigkeit, obwohl dies bei einem DLP-Gerät kein großes Problem darstellen sollte.

Einen Teil der detaillierten Farbverwaltung bezeichnet BenQ merkwürdigerweise als 3D Color Management. Mit der Wiedergabe von räumlichem Bildmaterial hat dies aber nichts zu tun.

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