BenQ RD280UG im Test: Lohnt sich das 3:2-Format?
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OSD

Das Hauptmenü des BenQ RD280UG gliedert sich in sieben übersichtliche Ebenen, was grundsätzlich eine solide Struktur ergibt. Allerdings sorgen Marketing-Begriffe wie „Coding Booster“ und vereinzelte Schwächen in der deutschen Übersetzung dafür, dass manch eine Funktion nicht sofort dort zu finden ist, wo man sie erwarten würde.

Ein bekanntes Problem aus dem Vorgängermodell BenQ RD280U wurde teilweise behoben. Die Eingangsquellenwahl, die im deutschen Menü bisher irreführend als „Eingabe“ bezeichnet wurde, heißt im Menüpunkt „Anzeige“ nun korrekt „Signaleingang“. In den Auswahlmöglichkeiten der rechten Schnelltaste taucht die alte Bezeichnung „Eingabe“ jedoch weiterhin auf.

OSD: Wahl des Eingangssignals (Bild: BenQ-Handbuch)
OSD: Wahl des Eingangssignals (Bild: BenQ-Handbuch)

Unter dem Sammelbegriff „Coding Booster“ sind zahlreiche Funktionen gebündelt, darunter auch solche, die eigentlich eher dem Bereich „Eye Care“ zuzuordnen wären. Auf diesen Bereich und auf MoonHalo gehen wir in einem eigenen Kapitel ausführlicher ein. Weitere Funktionen wie die MST für Daisy-Chaining und die KVM-Switch-Konfiguration sind hingegen unter separaten Menüpunkten oder in den Systemeinstellungen zu finden.

Das Farbmodus-Menü bietet das gewohnte Spektrum an Einstellungen für einen Büromonitor. Zwei besondere Modi stechen dabei heraus: Sie optimieren Helligkeit, Schärfe und Kontrast gezielt für das Programmieren – unabhängig davon, ob die Entwicklungsumgebung hell oder dunkel gestaltet ist. Mit der kostenlosen Software „Display Pilot 2“ ist es sogar möglich, einzelne Anwendungen fest mit einem bestimmten Farbmodus zu verknüpfen. Das Ergebnis sind mehr Kontrast beim Coden sowie präzisere Farben beim Arbeiten mit Bild- und Grafikmaterial.

Für eine manuelle Kalibrierung empfiehlt sich der Benutzermodus, da er alle Anpassungsoptionen freischaltet. Zwar lassen sich konkrete Zahlenwerte für Farbtemperatur und Gamma – wie man sie von Grafikmonitoren kennt – nicht direkt eingeben, jedoch steht ein RGB-Regler zur Verfügung. Unsere Messungen zeigen zudem, dass die Gamma-Stufe 3 dem Windows-Standardwert von 2,2 sehr genau entspricht.

Insgesamt punktet der BenQ RD280UG mit einer hohen Konfigurierbarkeit: Das Schnellmenü und die Funktionstaste lassen sich über einen eigenen Menüpunkt individuell belegen, und sogar die Beleuchtung der Funktionsleiste ist unter dem Menüpunkt „Coding Booster“ anpassbar.

MoonHalo, Umgebungslicht- und Abwesenheitssensor

BenQ stattet seine RD-Serie mit einer exklusiven MoonHalo-Bias-Beleuchtung aus. Das Unternehmen begründet diesen Schritt damit, dass nächtliche Programmiersitzungen oft besonders produktiv seien. Die ringförmige Hintergrundbeleuchtung soll die Augen entlasten und für eine angenehme Arbeitsatmosphäre in dunkler Umgebung sorgen. Intensität und Farbtemperatur lassen sich individuell anpassen. Der ausgeleuchtete Bereich kann wahlweise auf 270° oder 360° eingestellt werden.

MoonHalo, Umgebungslicht- und Abwesenheitssensor (Bild: BenQ)
MoonHalo, Umgebungslicht- und Abwesenheitssensor (Bild: BenQ)

Die Helligkeit der Bias-Beleuchtung kann entweder manuell geregelt oder automatisch an die Bildschirmhelligkeit und das Umgebungslicht angepasst werden. Möglich wird dies durch einen Lichtsensor, der zusammen mit einem Näherungssensor in der „Codier-Box” unterhalb des Rahmens verbaut ist. Er arbeitet mit der sogenannten Visual-Optimizer-Technologie (V. O.) zusammen und passt die Bildschirmeinstellungen selbsttätig an die Lichtverhältnisse an. Dabei lässt sich wählen, ob nur die Helligkeit oder zusätzlich auch die Farbtemperatur automatisch geregelt werden soll. Für die Bildbearbeitung ist Letzteres wenig empfehlenswert, im allgemeinen Bürobetrieb hingegen durchaus praktisch.

Bei den RD-Monitoren greift der Visual Optimizer noch tiefer: Er verzahnt die automatische Bildschirmhelligkeit nahtlos mit der MoonHalo-Dimmfunktion. Der Hersteller beruft sich dabei auf Studien, denen zufolge die angenehmste Umgebungsbeleuchtung etwa einem Drittel der Bildschirmhelligkeit entspreche. Auf Wunsch stimmt der V. O. beide Parameter automatisch aufeinander ab und gleicht sie obendrein ans Umgebungslicht an. Ergänzt wird dies durch einen „Nachtstunden-Schutz“, der bei schwierigen Lichtverhältnissen besonders niedrige Helligkeitswerte auswählt, um die Augen zu schonen.

Wer den Arbeitsplatz kurz verlässt, kann den Monitor per Näherungssensor automatisch abschalten lassen. Die entsprechende Option findet sich unter „Coding Booster → EcoPrivacy“. Am Rande sei jedoch erwähnt, dass ein schwarz geschalteter, aber nicht gesperrter Bildschirm primär Strom spart und keinen echten Datenschutz bietet.

Ein Wermutstropfen bleibt: Die relevanten Einstellungen sind im OSD zwischen „Coding Booster“ und „Eye Care“ verteilt und teilweise mit wenig selbsterklärenden Marketing-Begriffen versehen. Wer das Zusammenspiel aller Funktionen wirklich durchdringen möchte, sollte etwas Zeit mitbringen.

Das 3:2-Bildformat: Mehr Höhe, mehr Inhalt

Der Großteil moderner Monitore setzt auf das 16:9-Format. Mit seinem breiten Bildausschnitt passt es gut zum menschlichen Sehfeld, das evolutionär auf das Abtasten des Horizonts ausgerichtet ist. Wer jedoch viel liest, schreibt oder programmiert, stößt mit diesem Format schnell an Grenzen, da sich relevante Inhalte häufig in die Höhe und nicht in die Breite erstrecken.

Genau hier setzt der BenQ RD280UG an. Im Kern ist er ein 27 Zoll großer 4K-Monitor im klassischen 16:9-Format, ergänzt um rund 6 cm zusätzliche Bildhöhe, was 400 Pixel mehr in der Vertikalen bedeutet. Die Pixeldichte bleibt mit 164 ppi dabei identisch, sodass sich die wahrgenommene Schärfe nicht verändert. Was sich ändert, ist der verfügbare Inhaltsbereich – und das spürbar.

Vergleich 3:2- mit 16:9-Format (Bild: BenQ)
Vergleich 3:2- mit 16:9-Format (Bild: BenQ)

Für Programmierer ist der Gewinn unmittelbar greifbar. Mehr sichtbare Codezeilen bedeuten weniger Scrollen, einen besseren Überblick und somit ein flüssigeres Arbeiten. Wer kennt sie nicht, die Situation, in der man beim Debuggen zwischen zwei Funktionen hin und her springt, die auf einem 16:9-Monitor nie gleichzeitig auf dem Bildschirm Platz finden? Das 3:2-Format löst genau dieses Problem. Auch bei der Arbeit mit verschachtelten Strukturen, langen Konfigurationsdateien oder umfangreichen Logs macht sich die Extrahöhe positiv bemerkbar.

Doch auch abseits des Codings zahlt sich das Format aus. PDF-Dokumente werden im Hochformat deutlich größer und damit lesbarer dargestellt, ohne dass man zoomen oder scrollen muss. Tabellenkalkulationen mit vielen Zeilen, lange E-Mail-Verläufe oder mehrseitige Dokumente profitieren gleichermaßen davon. Das 3:2-Format schlägt somit eine Brücke zwischen klassischem Büromonitor und speziellem Entwicklerwerkzeug.

Auch Fotografen, die mit professionellen Kameras im nativen 3:2-Format arbeiten, profitieren: Bilder können bei vergleichbarer Monitorgröße ohne schwarze Balken deutlich größer dargestellt werden. Das ist ein entscheidender Vorteil bei der Bildbeurteilung und -nachbearbeitung.

Wer noch mehr vertikalen Überblick benötigt, kann den Monitor zudem ins Hochformat drehen. Das kann insbesondere für Entwickler interessant sein, die mit sehr langen Dateien arbeiten oder mehrere Fenster übereinander anordnen.

Das Format hat allerdings auch eine Kehrseite: Im direkten Vergleich mit 16:9-Bildschirmen gleicher Diagonale wirkt das Bild im Querformat subjektiv schmaler, und der Blick muss öfter in die Vertikale wandern. Das kann aus normalem Arbeitsabstand auf Dauer zu merklich häufigeren Kopfbewegungen führen – ein Aspekt, den man nicht ignorieren sollte, auch wenn er im Alltag meist schnell zur Gewohnheit wird.

Unterm Strich hat BenQ mit dem 3:2-Format eine kluge Entscheidung für seine Entwicklermonitore getroffen. Wer hingegen im Bereich Webdesign oder Frontend-Entwicklung tätig ist und Wert auf eine originalgetreue Vorschau im 16:9-Format legt, findet in der RD-Serie von BenQ auch passende Modelle mit klassischem Seitenverhältnis.

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