Test ViewSonic VP2776: 165-Hz-Monitor mit ColorPro-Wheel
3/9

Hardware-kalibrierbarer Grafikmonitor, der mit dem ColorPro-Wheel ausgestattet ist, das die Bedienung des OSDs ermöglicht und als Kolorimeter dient

Anschlüsse

Bei den Anschlüssen ist der ViewSonic VP2776 gut ausgestattet. Bildsignale können über 2 x HDMI 2.0, 1 x DisplayPort und 1 x USB-C entgegengenommen werden. Der USB-C-Eingang dient dabei zugleich als Daten-Upstream und kann angeschlossene Geräte mit bis zu 90 Watt mit Strom versorgen. Ein zweiter Upstream-Port vom Typ B ist ebenfalls vorhanden.

KVM-Switch-Funktionalität (Screenshot: ViewSonic-Handbuch)
KVM-Switch-Funktionalität (Screenshot: ViewSonic-Handbuch)

Dadurch ist die gleichzeitige Verbindung mit zwei Rechnern möglich. Dank der integrierten KVM-Switch-Funktionalität können dann beim Wechsel des Eingangssignals zum Beispiel auch Maus und Tastatur von einem Rechner zum anderen umgeschaltet werden.

Das Problem ist beim ViewSonic VP2776 dabei aber die geringe Anzahl an USB-Downstream-Ports. Insgesamt gibt es drei (2 x Typ A, 1 x Typ C). Alle drei sind auf der Rückseite angebracht, allerdings schlecht zugänglich und daher nur für eine dauerhafte Installation geeignet. Ein Anschluss vom Typ A wird dabei ferner bereits vom Kolorimeter des ColorPro Wheel beansprucht. Um es auch als Bediengerät benutzen zu können, muss es zudem doppelt angesteckt werden. Dazu dient der ganz in der Ecke liegende Micro-USB-Port.

Anschlüsse des ViewSonic VP2776
Anschlüsse

Bedienung

Die Bedienung des ViewSonic VP2776 erfolgt zunächst über eine Joystick-Taste und eine Power-Taste. Beides ist rechts hinter dem Rahmen auf der Rückseite zu finden. Mit der Joystick-Taste lässt sich im OSD aber recht flott und intuitiv navigieren. Problematisch ist in diesem Zusammenhang jedoch die bereits erwähnte nicht optimale Stabilität der Monitor-Aufhängung. Jeder Tastendruck führt zu einem Nachwackeln des ganzen Displays.

Tasten und Bedienung des ViewSonic VP2776
Tasten und Bedienung

Der veraltete Micro-USB-Standard ist beim Anstecken nicht sehr nutzerfreundlich, und die Positionierung auf dem Anschluss-Panel ist auch nicht optimal gewählt. Obwohl wir den Stecker richtig herum hielten, brauchten wir mehrere Anläufe, bis er endlich eingesteckt war.

Man kann das ColorPro Wheel in einer dafür vorgesehenen Mulde auf der Bodenplatte des Standbeins ablegen, die allerdings etwas weiter hinten positioniert ist. Eine Bedienung ist dort unmöglich.

Bei der Formulierung „Farbsteuerung durch Fingertipp“ und „intuitives Touchpoint-Design“ der Produkt-Website denkt man eigentlich an eine Touchbedienung. Die ist aber nicht vorhanden. Beim ColorPro Wheel handelt es sich schlicht um ein Drehrad mit zwei Knöpfen.

Überblick über die Kontrollmöglichkeiten des ColorPro Wheel (Screenshot: ViewSonic-Handbuch)
Überblick über die Kontrollmöglichkeiten des ColorPro Wheel (Screenshot: ViewSonic-Handbuch)

Das Drehrad hat dabei keinerlei Rasterung für eine präzise Bedienung. Vielmehr arbeitet man beim Drehen gegen einen leichten Widerstand an. Lässt man das Rad los, dreht es sich wieder etwas zurück und verändert damit auch wieder die bereits getätigte Auswahl. Um den Helligkeitsregler von 0 auf 100 zu verstellen, benötigt man acht Umdrehungen des Drehrades – ungewollte Rücksprünge nicht mitgerechnet. Eine Beschleunigungsfunktion gibt es nicht.

Wir haben uns im Test bei den für den ViewSonic VP2776 notwendigen zahllosen Messungen wirklich lange mit dem ColorPro Wheel beschäftigt – und zu guter Letzt einfach das Micro-USB-Kabel wieder abgezogen. So hat dann das zweiteilige Anstecken doch noch einen tieferen Sinn. Dafür kann man das OSD über den OSD-Button wieder halbwegs performant bedienen und gleichzeitig das Kolorimeter nutzen.

ColorPro Wheel zur Bedienung von Anwendungen

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass das ColorPro Wheel auch „sofortigen Zugriff auf kompatible Adobe-Creative-Suite- oder Capture-One-Bearbeitungs-Software“ bieten soll. Dazu muss eine Zusatz-Software namens ColorPro Integrate installiert werden. Sie entpuppt sich gleich nach der Installation allerdings Betaversion.

Unterstützt werden aus der doch recht umfangreichen Adobe Creative Suite lediglich Photoshop und Premiere. Lightroom gehört nicht dazu, und von Capture One ist auch nicht mehr die Rede.

ColorPro Integrate zur Steuerung von Anwendungen als Beta
ColorPro Integrate zur Steuerung von Anwendungen als Beta

Zur Steuerung steht lediglich eine sehr begrenzte Auswahl an Werkzeugen zur Verfügung. Um dann zum Beispiel die Pinselgröße zu ändern, muss man zunächst mit der Maus das Fenster für die Pinseleinstellungen öffnen und dann noch in das Zahlenfeld für die Pinselgröße klicken. Mit einer vollen Umdrehung des ColorPro Wheel ist dann allerdings immer noch kaum eine Größenänderung wahrnehmbar. Man benötigt zahllose volle Umdrehungen, um die Größe signifikant zu ändern. Dort, wo man es wirklich braucht – nämlich für eine schnelle Größenänderung des ausgewählten Tools während des Zeichnens –, bewirkt das ColorPro Wheel nichts.

Ähnliches gilt für die Anpassung von Helligkeit, Kontrast etc. in Einstellungsebenen. Zuerst muss man mit der Maus in das Zahlenfeld des gewünschten Reglers klicken, damit das ColorPro Wheel überhaupt etwas bewirkt. Da kann man genauso gut direkt mit der Maus den betreffenden Schieberegler betätigen.

ColorPro Integrate: Sehr eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten
ColorPro Integrate: Sehr eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten
ColorPro Integrate zur Steuerung von Anwendungen als Beta
ColorPro Integrate zur Steuerung von Photoshop

Selbst wenn ViewSonic das vermutlich Hardware-seitig existierende Problem mit dem Drehrad in den Griff bekäme, ist ein echter Mehrwert für uns daher hier nicht ersichtbar. Allein mit Maus und Tastatur bewaffnet ist jeder halbwegs versierte Anwender schneller unterwegs.

Profis verwenden ohnehin in der Regel bereits ein Wacom-Tablett oder ein Loupedeck, um ihren Workflow zu beschleunigen, und können sich dabei auch auf einen langjährigen Support hinsichtlich der notwendigen Treiber und Software verlassen.

OSD

Das OSD des ViewSonic VP2776 ist im Vergleich zu anderen Geräten der VP-Serie neu. Es sieht optisch viel ansprechender aus und ist vor allem auch besser strukturiert. Beim ersten Druck auf die Joystick-Taste gelangt man in eine Schnellauswahl, um wichtige Einstellungen direkt aufzurufen.

OSD: Schnellauswahl (Screenshot: ViewSonic-Handbuch)
OSD: Schnellauswahl (Screenshot: ViewSonic-Handbuch)

Die Hauptmenü-Ebenen sind jetzt vertikal statt horizontal angeordnet und kommen mit nur noch fünf Hauptebenen aus. Gut gefällt uns zudem, dass man in der Statuszeile ganz unten gleich sehen kann, in welchem Farbmodus und auf welchem Signaleingang man sich befindet.

Das ist allerdings auch zwingend notwendig. Wenn man das Untermenü der Farbmodi betritt, ist immer der erste Eintrag hervorgehoben – egal in welchem Farbmodus man tatsächlich gerade ist. Wenn man nicht aufpasst, führt das regelmäßig zu Fehlbedienungen.

OSD: Wahl der Signalquelle (Screenshot: ViewSonic-Handbuch)
OSD: Wahl der Signalquelle (Screenshot: ViewSonic-Handbuch)
OSD: Wahl des Farbmodus (Screenshot: ViewSonic-Handbuch)
OSD: Wahl des Farbmodus (Screenshot: ViewSonic-Handbuch)

Andere Tücken, die wir bei unseren Tests von ViewSonic-Monitoren mittlerweile seit Jahren monieren, wurden ebenfalls unverändert in das doch primär optisch aufgehübschte OSD übernommen. Dazu gehören auch die „Ansichtsmodi“, deren Sinn und Zweck selbst das Handbuch nicht erklären kann. Anders als es den Anschein hat, wählt man einen Ansichtsmodus nicht zusätzlich zu einem Farbmodus, sondern alternativ. Wählt man einen Ansichtsmodus aus, dann ist der zuvor gewählte Farbmodus einfach weg – ohne dass man das zwangsläufig sofort merkt.

In den Modi „Fotograf“ und „Videobearbeitung“ kann man dann wunderbar seine Bildbearbeitung durch Nachschärfen des Monitors verändern – ohne überhaupt zu wissen, in welchem Farbraum man sich eigentlich befindet. Gerade diese Zielgruppe ist aber auf klar definierte und reproduzierbare Arbeitsbedingungen angewiesen – optimalerweise in Form einer funktionierenden Hardware-Kalibrierung. Diese Modi sind aus unserer Sicht irreführend und haben insbesondere auf einem Grafikmonitor für Profis einfach nichts zu suchen. Den Rest hätte man genauso gut auch bei den Farbmodi eingliedern können.

Für eine Software-Kalibrierung bietet lediglich der User-Modus die dazu notwendigen Einstellungen. Nur die Wahl des Zielfarbraumes fehlt. Unglücklicherweise ist der Helligkeitsbereich in diesem Modus ab Werk stark eingeschränkt und bei Verwendung der empfehlenswerten Gleichförmigkeitskorrektur praktisch gar nicht mehr sinnvoll nutzbar. Darauf sind wir bereits beim Stromverbrauch sehr ausführlich eingegangen. Ob das Verhalten des Monitors ab Werk oder nach unserem „Freischaltungs-Feature“ der Bug ist, lässt sich schwer sagen.

OSD: Wahl des "Ansichtsmodus" (Screenshot: ViewSonic-Handbuch)
OSD: Wahl des „Ansichtsmodus“ (Screenshot: ViewSonic-Handbuch)
OSD: Systemeinstellungen (Screenshot: ViewSonic-Handbuch)
OSD: Systemeinstellungen (Screenshot: ViewSonic-Handbuch)

Wie gehabt, führt beim ViewSonic VP2776 die Auswahl von „Alles abrufen“ in den Systemeinstellungen zu einem Komplett-Reset des ganzen Gerätes – und zwar ohne weitere Vorwarnung. Das ist hier besonders unangenehm, da man so ganz leicht versehentlich auch alle zuvor mühsam erstellten Hardware-Kalibrierungen wieder gelöscht hat.

Da wir auch diesen Umstand mittlerweile seit Jahren monieren, stellt sich die Frage, warum hier bei einem neuen OSD nicht nachgebessert wurde. Insbesondere das Beheben von Übersetzungsfehlern wäre eigentlich ein Kinderspiel und etwa über ein Firmware-Update leicht nachzuliefern.

Ansonsten kann man sich über den Funktionsumfang des OSDs nicht beklagen.

Manuel Findeis

... beschäftigt sich beruflich wie privat seit über 20 Jahren intensiv mit den Themen und Entwicklungen in der IT-Branche. Als freiberuflicher Autor, Testredakteur und Fotograf, kennt er die Anforderungen an ein gutes Display. Für PRAD ist er seit 2013 tätig.

Interessante Themen

4 Gedanken zu „Test ViewSonic VP2776: 165-Hz-Monitor mit ColorPro-Wheel“

  1. Eine Frage ans Team: Ich hatte den VP2776 Mitte des Jahres hier. Mit der damaligen Firmware-Version war in den Color Modes stets ein extremer Überschärfe-Effekt aktiv der aus jeder harten Kontrastgrenze ein Relief machte. Dieser Überschärfe-Effekt ließ sich auch nicht deaktivieren. Die Color Modes waren deshalb für die Arbeit nicht geeignet weil sie das Bild enorm verfälschten.

    Haben sie wenigstens dieses Problem inzwischen in den Griff bekommen?

    Ansonsten teile ich euer Fazit – man bekommt hier (wenn man allein mal auf das verwendete Panel schaut) einen LG 27GP850 für das dreifache des Geldes mit zusätzlichen Problemen um die niemand gebeten hat.

    Antworten
    • Ein Überschärfe-Effekt mit Relief-Bildung ist uns mit freiem Auge nicht aufgefallen.
      In der Interpolations-Grafik (Gitter nativ) fällt in der 100%-Ansicht allerdings auf, dass hier neben den vertikalen Linien gestrichelte Linien daneben „gemalt“ werden, die eigentlich gar nicht vorhanden sind. Normalerweise ist hier nur das Pixelraster zu erkennen.

      Bitte dabei bedenken, dass es sich um eine Makroaufnahme handelt, die ein Pixelraster von 0,233 mm sichtbar macht. Die einzelnen Striche der gestrichelte Linie sind genauso lang, aber noch Schmäler wie ein Pixel. In der für den Test verwendeten Auflösung dieser Aufnahme ist das auch nicht mehr zu sehen – nur in der 100%-Ansicht der Originalaufnahme. Mit freiem Auge dürfte es also für niemanden ein Problem darstellen. Gut ist es andereseits aber sicher auch nicht. Im Vergleich zu den vielen anderen geschilderten Problemen aber noch das geringere Übel.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

* Sie müssen das Kästchen aktivieren, ansonsten können Sie keinen Kommentar erstellen. Sollten Sie dennoch versuchen Ihren Kommentar zu posten, ohne akzeptiert zu haben, wird eine neue Seite geöffnet und Sie erhalten einen Hinweis. Alle eingetragenen Daten, inklusive des Kommentars, gehen dabei verloren!