Test ViewSonic VP2776: 165-Hz-Monitor mit ColorPro-Wheel
9/9

Hardware-kalibrierbarer Grafikmonitor, der mit dem ColorPro-Wheel ausgestattet ist, das die Bedienung des OSDs ermöglicht und als Kolorimeter dient

Sound

Der ViewSonic VP2776 hat auch Lautsprecher integriert. Auf der Rückseite unten sind sie gut zu sehen. Es sieht so aus, als wären es je drei Klanggeber auf beiden Seiten. Laut Hersteller handelt es sich aber um zwei Stereo-Exemplare mit je 3 Watt Ausgangsleistung. Das liegt immerhin schon über dem Durchschnitt.

Lautsprecher des ViewSonic VP2776
Lautsprecher

Der Klang lässt aber ziemlich zu wünschen übrig. Ab Werk steht der Lautstärkeregler auf 50 %, und da ist von den Lautsprechern noch nicht viel zu hören. Das Volumen lässt sich zwar noch erhöhen, doch dann wird der scheppernd-blecherne Klang schnell unangenehm. Zu viel mehr als zur Wiedergabe der Systemklänge sind sie nach unserer Einschätzung nicht geeignet.

Dass die Lautsprecher – zumindest bei unserem Testgerät – nur höchst selten überhaupt Klänge von sich geben, ist dann auch leicht zu verschmerzen. Sie wurden zwar immer problemlos als Wiedergabegeräte erkannt, Klänge gaben sie jedoch nur nach einem Neustart des PCs wieder, und auch nur manchmal. Spätestens nach dem nächsten Standby blieben sie wieder stumm.

Tonsignale kann der ViewSonic VP2776 grundsätzlich über alle Bildsignaleingänge entgegennehmen und dann wahlweise über die integrierten Lautsprecher oder den Kopfhörerausgang wiedergeben.

DVD und Video

HD-Zuspieler wie Blu-ray-Player, HDTV-Empfänger und Spielekonsolen können direkt an die HDMI-Buchse des ViewSonic VP2776 angeschlossen werden. Dank seines gängigen 16:9-Formates ist er auch für den Unterhaltungsbereich gut geeignet.

Für die QHD-Auflösung gilt das allerdings nur eingeschränkt, da sie keiner gängigen Videoauflösung entspricht. Dass der ViewSonic VP2776 ältere Videoauflösungen nicht eigenständig verzerrungsfrei skalieren kann, dürfte heute für die wenigsten Anwender eine Rolle spielen.

Der ViewSonic VP2776 wird aber speziell als Videobearbeitungsmonitor beworben. Da könnte für manch einen Interessenten schon allein die QHD-Auflösung zum K.-o.-Kriterium werden, da sie keiner gängigen Videoauflösung entspricht. Die beiden aktuell wichtigsten Videoauflösungen (1080p und 4K) müssen in jedem Fall mit einem nicht ganzzahligen Faktor skaliert werden.

Auf die Probleme bei der Bildqualität hinsichtlich Kontrast, Bildhomogenität, DCI-P3-Preset mit nur 87 % Abdeckung und vor allem der Hardware-Kalibrierung sind wir bereits zuvor sehr ausführlich eingegangen. In einer professionellen Videoproduktions-Umgebung können wir uns den ViewSonic VP2776 daher definitiv nicht vorstellen.

Auch wenn man auf die Gleichförmigkeitskorrektur verzichtet, liegt das Kontrastverhältnis mit bestenfalls 750:1 auf einem recht überschaubaren Niveau. In Unterhaltungsanwendungen ist uns das aber kaum negativ aufgefallen. Beim Anschauen von Videos und in Spielen kann der ViewSonic VP2776 im von uns dazu präferierten User-Modus zudem mit recht leuchtkräftigen Farben und einem sehr satten Rot aufwarten. Positiv kann man da noch die gute Ausleuchtung erwähnen, da auch bei Filmformaten mit schwarzen Balken die generelle Hintergrundbeleuchtung nicht sonderlich störend auffällt.

Der ViewSonic VP2776 ist ferner nach VESA DisplayHDR 400 zertifiziert. Die Erkennung als HDR-Wiedergabegerät hat im Test problemlos funktioniert. Dass man mit DisplayHDR 400 allerdings noch keine echten HDR-Wow-Effekte im Vergleich zur reinen SDR-Wiedergabe erwarten darf, haben wir allerdings schon sehr häufig thematisiert.

Bewertung

ab 879,00 €
3.8

BEFRIEDIGEND
ViewSonic VP2776 27IN 2560X1440 QHD 16:9
(1249 Kundenrezensionen)
Preis: 879,00 €
(Stand von: 02.02.2023 10:50 - Details
×
Produktpreise und -verfügbarkeit sind zum angegebenen Datum / Uhrzeit korrekt und können sich ändern. Alle Preis- und Verfügbarkeitsinformationen auf https://www.amazon.de/ zum Zeitpunkt des Kaufs gelten für den Kauf dieses Produkts.
)

Preis inkl. MwSt., ggfs. zzgl. Versandkosten
Bei Amazon ansehen *
(* = Affiliate-Link) Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Fazit

Die Messlatte für den Test des VP2776 hat ViewSonic selbst gesetzt. Das Modell wird als Hardware-kalibrierbares Profigerät beworben, das alle Erwartungshaltungen übertreffen soll. Von „inspired by nature“ und „form meets function“ ist beim Design die Rede. Eine „tragbare Dunkelkammer“, die man nicht mehr verkauft, sondern nur noch wie ein iPhone in der Anfangszeit per „Verkaufsanfrage“-Button verteilt.

So sehr wir uns auf den Test dieses Monitors gefreut haben: Nichts davon können wir bestätigen. Die Diskrepanz zwischen Werbeversprechen und Wirklichkeit im Praxiseinsatz, ist groß.

Dabei sind unsere kritischen Anmerkungen beim „preisgekrönten“ Design teils auf den ersten Blick offensichtlich: von der zu schmalen Lichtschutzblende über die wackelige Monitoraufhängung bis hin zum ColorPro Wheel mit seiner unglücklich positionierten Auflage.

Das ColorPro Wheel ist aus unserer Sicht im Praxiseinsatz nicht sinnvoll nutzbar. Auch als Kolorimeter kann die Genauigkeit nicht restlos überzeugen. Dass dann die Software zur Hardware-Kalibrierung noch dazu einen gravierenden Bug enthält, ist insgesamt betrachtet ärgerlich. Es wird ein ICC-Profil erzeugt, das Anpassungen über die LUT der Grafikkarte erzeugt. Bei einer Hardware-Kalibrierung haben Kalibrierungsdaten für die LUT der Grafikkarte aber überhaupt nichts zu suchen.

Abhängig von den Systemeinstellungen, wird dieser Fehler für manche Anwender sofort offensichtlich, für manche bleibt er aber versteckt. Das ist im Grunde noch ärgerlicher, denn auch wenn die LUT-Anpassungen über die Grafikkarte nicht berücksichtigt werden, ist das Profil fehlerhaft. Dazu haben wir im Test auch einige Workarounds angesprochen.

Was bleibt, ist ein ab Werk vorkalibrierter Monitor mit zumindest für den sRGB-Farbraum sehr guten Werks-Presets, sodass er aktuell zumindest hier auch gut zur EBV verwendet werden kann. Die vermeintlich guten Messergebnisse basieren allerdings primär auf einer Software-Kalibrierung, die der Anwender out of the box (noch) gar nicht realisieren kann.

Die „Weltneuheit“ sehen wir beim ViewSonic VP2776 weniger im ColorPro Wheel als in der Kombination eines Monitors mit EBV-Anspruch samt einer Gaming-tauglichen Bildwiederholfrequenz von 165 Hz, wobei er keine Sync-Technologie bietet.

Wer mit dem ViewSonic VP2776 liebäugelt, sollte in jedem Fall auf ein Software-Update warten und zum anderen genau auf den Preis achten. Denn nach unserer Einschätzung ist ein Preis von derzeit 850 Euro im direkten Vergleich zum EIZO CS2731, der auch den Adobe-RGB-Farbraum vollständig abdeckt und in jeder Hinsicht in einer ganz anderen Liga spielt, zu teuer. Der EIZO CS2731 kostet derzeit etwa 1.030 Euro.

Unser Gesamturteil bezieht sich auf die in unserem Test erzielten Resultate. Wir sehen den Einsatz im professionellen Umfeld für Bild- und Grafikbearbeitung derzeit nicht. Für eine Nutzung in diesem Umfeld müssen in Firmware und Software Fehler korrigiert werden.

Testlogo ViewSonic VP2776

Hinweis in eigener Sache: PRAD erhielt den VP2776 leihweise von ViewSonic zu Testzwecken. Herstellerseitig gab es weder eine Einflussnahme auf den Testbericht noch eine Verpflichtung zur Veröffentlichung oder eine Verschwiegenheitsvereinbarung.

Gefällt Ihnen dieser Beitrag ?

100%
gefällt es
Manuel Findeis

... beschäftigt sich beruflich wie privat seit über 20 Jahren intensiv mit den Themen und Entwicklungen in der IT-Branche. Als freiberuflicher Autor, Testredakteur und Fotograf, kennt er die Anforderungen an ein gutes Display. Für PRAD ist er seit 2013 tätig.

Interessante Themen

4 Gedanken zu „Test ViewSonic VP2776: 165-Hz-Monitor mit ColorPro-Wheel“

  1. Eine Frage ans Team: Ich hatte den VP2776 Mitte des Jahres hier. Mit der damaligen Firmware-Version war in den Color Modes stets ein extremer Überschärfe-Effekt aktiv der aus jeder harten Kontrastgrenze ein Relief machte. Dieser Überschärfe-Effekt ließ sich auch nicht deaktivieren. Die Color Modes waren deshalb für die Arbeit nicht geeignet weil sie das Bild enorm verfälschten.

    Haben sie wenigstens dieses Problem inzwischen in den Griff bekommen?

    Ansonsten teile ich euer Fazit – man bekommt hier (wenn man allein mal auf das verwendete Panel schaut) einen LG 27GP850 für das dreifache des Geldes mit zusätzlichen Problemen um die niemand gebeten hat.

    Antworten
    • Ein Überschärfe-Effekt mit Relief-Bildung ist uns mit freiem Auge nicht aufgefallen.
      In der Interpolations-Grafik (Gitter nativ) fällt in der 100%-Ansicht allerdings auf, dass hier neben den vertikalen Linien gestrichelte Linien daneben „gemalt“ werden, die eigentlich gar nicht vorhanden sind. Normalerweise ist hier nur das Pixelraster zu erkennen.

      Bitte dabei bedenken, dass es sich um eine Makroaufnahme handelt, die ein Pixelraster von 0,233 mm sichtbar macht. Die einzelnen Striche der gestrichelte Linie sind genauso lang, aber noch Schmäler wie ein Pixel. In der für den Test verwendeten Auflösung dieser Aufnahme ist das auch nicht mehr zu sehen – nur in der 100%-Ansicht der Originalaufnahme. Mit freiem Auge dürfte es also für niemanden ein Problem darstellen. Gut ist es andereseits aber sicher auch nicht. Im Vergleich zu den vielen anderen geschilderten Problemen aber noch das geringere Übel.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

* Sie müssen das Kästchen aktivieren, ansonsten können Sie keinen Kommentar erstellen. Sollten Sie dennoch versuchen Ihren Kommentar zu posten, ohne akzeptiert zu haben, wird eine neue Seite geöffnet und Sie erhalten einen Hinweis. Alle eingetragenen Daten, inklusive des Kommentars, gehen dabei verloren!