Test ViewSonic VP2776: 165-Hz-Monitor mit ColorPro-Wheel
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Hardware-kalibrierbarer Grafikmonitor, der mit dem ColorPro-Wheel ausgestattet ist, das die Bedienung des OSDs ermöglicht und als Kolorimeter dient

Monitorstandbein

Beim seitlichen Verdrehen wird das Standbein nicht wie sonst üblich auf oder mit der Bodenplatte verdreht. Stattdessen hat das Standbein dazu oberhalb der Kabeldurchführung ein eigenes Gelenk. Abgesehen davon, dass das für unseren Geschmack nicht sonderlich schön aussieht, müssen beim Verdrehen auch alle Kabel durch den schmalen Spalt nachgezogen werden.

Standbein des ViewSonic VP2776: Drehung mit Gelenk im Standbein statt auf der Bodenplatte
Standbein: Drehung mit Gelenk im Standbein statt auf der Bodenplatte

Im Gegensatz zum Standbein und zur Bodenplatte ist die Display-Aufhängung oben aus Kunststoff. Dagegen gibt es grundsätzlich nichts einzuwenden. Sie hat aber seitlich viel zu viel Spiel, sodass jede kleine Berührung – insbesondere das Betätigen des rückseitig angebrachten OSD-Buttons – zu einem lästigen Nachwackeln des ganzen Geräts führt.

Standbein-Aufhängung: Zu viel Spiel zur Seite
Standbein-Aufhängung: Zu viel Spiel zur Seite

Die Anschlüsse können beim ViewSonic VP2776 mit einer mitgelieferten Abdeckung kaschiert werden. Das sieht natürlich viel besser aus. Die dünnwandige Abdeckung ist dabei aber leider nicht sehr passgenau.

Blende für die Anschlüsse
Blende für die Anschlüsse
Integrierte Kabelführung im Monitorarm
Integrierte Kabelführung im Monitorarm

Das Netzteil ist beim ViewSonic VP2776 fest in das Gehäuse integriert. Dennoch kommt das Gerät mit recht dezenten Lüftungsschlitzen oben und an den Seiten aus. Beim Betrieb in Werkeinstellungen (Helligkeitsregler auf 70 %, ca. 140 cd/m²) konnten wir auch praktisch nirgendwo eine Erwärmung an der Gehäuse-Rückseite feststellen.

Das kann sich mit anderen Einstellungen aber schnell ändern. Das gilt nicht nur zum Beispiel für den DCI-P3-Modus, in dem der Helligkeitsreger auf 100 % steht und tatsächlich eine sichtbar hohe Helligkeit erreicht wird (452 cd/m²), sondern ebenso bei scheinbar recht moderaten Helligkeiten, wenn man dabei die Gleichförmigkeitskorrektur verwendet (über den OSD-Schalter oder die Hardware-Kalibrierung).

Dann kommt es auf der Rückseite schon zu einer recht deutlichen Erwärmung. Bei den seitlichen Lüftungsschlitzen ist sie auch ohne direkte Berührung bereits spürbar, sobald man mit der Hand in die Nähe des Rahmens kommt.

Lüftungsschlitze auf der Displaygehäuserückseite
Lüftungsschlitze

Monitorbeleuchtung

In der Mulde unter dem ViewSonic-Schriftzug ist das sogenannte „Backstage Light“ untergebracht. Es soll in Dunkelkammerbedingungen für eine eingebaute Desktop-Beleuchtung sorgen. Die Helligkeit lässt sich über das OSD in drei Stufen regeln. Schnell zugänglich ist der dazu dienende Schalter in den Systemeinstellungen allerdings nicht.

Die folgenden sechs Abbildungen zeigen alle drei Stufen – jeweils von vorn und hinten. Bei den Aufnahmen auf der rechten Seite haben wir jeweils ein schwarzes Bild für den Desktop verwendet, um die tatsächlich durch das „Backstage Light“ erzeugten Helligkeitsunterschiede besser zu zeigen.

Backstage Light: Höchste Stufe
Backstage Light: Höchste Stufe
Backstage Light: Höchste Stufe
Backstage Light: Höchste Stufe
Backstage Light: Mittlere Stufe
Backstage Light: Mittlere Stufe
Backstage Light: Mittlere Stufe
Backstage Light: Mittlere Stufe
Backstage Light: Niedrigste Stufe
Backstage Light: Niedrigste Stufe
Backstage Light: Niedrigste Stufe
Backstage Light: Niedrigste Stufe

Abgesehen davon, dass die erzeugte „Desktop-Beleuchtung“ selbst in der höchsten Stufe sehr überschaubar ausfällt, ändert sich dabei auch die Farbtemperatur ganz erheblich. Für die professionelle Bild- und Videobearbeitung ist eine deutlich von der Farbtemperatur des Monitors abweichende Farbtemperatur der Umgebungsbeleuchtung aber ziemlich kontraproduktiv.

Das ist offensichtlich auch ViewSonic klar, und so wird das Thema auf der Produkt-Website frei nach dem Motto „It’s not a bug, it’s a feature“ beworben. Man kann halt einfach die Farbtemperatur frei wählen. Die niedrigste Stufe dürfte dabei noch am ehesten zu D65 am Monitor passen.

Die letzten beiden Abbildungen mit einem Testbild mit überwiegend mittelgrauem Inhalt zeigt dabei am deutlichsten, wie wenig Licht das „Backstage Light“ selbst in der höchsten Stufe erzeugt.

Ob es sich beim „Backstage Light“ nur um ein Gimmick oder ein nützliches Feature handelt, mag jeder für sich persönlich anders beurteilen.

Mittelgraues Testbild mit Backstage Light auf „Aus“
Mittelgraues Testbild mit Backstage Light auf „Aus“
Mittelgraues Testbild mit Backstage Light auf höchster Stufe
Mittelgraues Testbild mit Backstage Light auf höchster Stufe

Wertigkeit und Verarbeitung des ViewSonic VP2776 beim Auspacken machen einen soliden Eindruck. Das Standbein und die Bodenplatte sind aus massivem Aluminium, was durchaus positiv zu werten ist.

Leider trifft das nicht für das komplette Gerät zu. Egal ob man auf die Mechanik der Ergonomie-Funktionen, das blecherne Bediengeräusch beim OSD-Button, die nur leidlich passende Kabelabdeckung, die Lichtschutzblende oder das ColorPro Wheel schaut: Man findet auf den ersten Blick diverse Mängel und Designfehler, die nicht hätten sein müssen.

Lässt man die beschriebenen Probleme außer Acht, machen Materialverwendung und Verarbeitung des ViewSonic VP2776 insgesamt zwar einen ordentlichen und soliden Eindruck. Angesichts der Preisklasse bleibt das Gerät aber hinter den Erwartungen zurück.

Technik

Betriebsgeräusch

Wir haben beim ViewSonic VP2776 keine Betriebsgeräusche wahrnehmen können. Sowohl im Standby wie auch in Betrieb arbeitet der Monitor völlig geräuschlos – unabhängig davon, welche Helligkeit eingestellt ist. Allerdings kann gerade die Geräuschentwicklung einer gewissen Serienstreuung unterliegen, weshalb diese Beurteilung nicht für alle Geräte einer Serie gleichermaßen zutreffen muss.

Stromverbrauch

Das Verhalten des ViewSonic VP2776 beim Stromverbrauch – wie auch an vielen anderen Stellen – ist komplex, sodass sich das Gerät eigentlich nur mit einer komplizierten Wenn-dann-Matrix beschreiben lässt. Dokumentiert ist im Handbuch davon nichts.

Bei der Leistungsaufnahme liegt die Komplexität daran, dass die erreichbare Maximalhelligkeit je nach gewähltem Preset stark variiert. Auch die Gleichförmigkeitskorrektur spielt eine große Rolle. Sie kann zum einen über einen Schalter im OSD pauschal verbessert werden, zum anderen kann man sie auch im Anschluss an die Hardware-Kalibrierung über eine zeitintensive Messung an bis zu 25 Feldern korrigieren.

Unsere sonst übliche einfache Tabelle reicht daher zur Beschreibung nicht mehr aus. Zum im jeweiligen Modus gemessenen Minimal- und Maximalverbrauch haben wir daher auch die dabei erzielte Helligkeit angegeben. Die Hardware-Kalibrierung führten wir auf unsere üblichen Werte (140 cd/m², D65, Gamma 2,2) durch. Da der Helligkeitsregler im OSD auch nach der Hardware-Kalibrierung, wie es sein sollte, nicht gesperrt ist, konnten wir hier ebenfalls den Maximalbedarf (Helligkeitsregler auf 100 %) ermitteln.

*Messwerte ohne zusätzliche Verbraucher (Lautsprecher und USB)
*Messwerte ohne zusätzliche Verbraucher (Lautsprecher und USB)

ViewSonic nennt im Datenblatt eine Maximalhelligkeit von 400 cd/m² und einen Maximalverbrauch von 43,5 Watt.

Ab Werk ist der User-Modus voreingestellt. Das ist auch der einzige Modus, in dem sämtliche Einstellmöglichkeiten für eine Software-Kalibrierung verfügbar sind. Umso überraschender fällt unsere Messung zur Maximalhelligkeit aus: Wir messen lediglich 180 cd/m², was Ganze 55 % unter der Herstellerangabe liegt.

Schaltet man zusätzlich die Gleichförmigkeitskorrektur im OSD ein, konnten wir sogar nur noch 102 cd/m² mit einem gleichzeitig um 36 % gestiegenen Strombedarf erzielen. Ein uneingeschränkt sinnvolles Arbeiten ist mit dieser Helligkeit nicht mehr möglich.

Die höchste Leuchtdichte haben wir mit 457 cd/m² im DCI-P3-Modus erreicht, was dann sogar 14 % mehr als die Herstellerangabe ist. Die maximale Leistungsaufnahme liegt mit 48,19 Watt 11 % darüber.

Der höhere Verbrauch bzw. die geringeren Helligkeitsmessungen im sRGB-Modus liegen daran, dass hier ab Werk die Gleichförmigkeitskorrektur im OSD aktiviert ist. In allen anderen Modi ist das nicht der Fall. Eine Logik dazu ist für uns nicht ersichtlich. Immerhin wird hier mit 239 cd/m² auch mit aktiver Gleichförmigkeitskorrektur noch ein brauchbarer Helligkeitsbereich abgedeckt.

Bei der von uns empfohlenen Arbeitshelligkeit von 140 cd/m² messen wir – unabhängig vom Preset – ca. 24 Watt ohne und ca. 32 Watt mit Gleichförmigkeitskorrektur via OSD-Schalter. Nach einer Hardware-Kalibrierung ohne Gleichförmigkeitskorrektur liegt der Bedarf ebenfalls bei ca. 24 Watt. Verwendet man dabei aber in der Software zur Hardware-Kalibrierung die Möglichkeit, durch Vermessung des Displays an bis zu 25 Feldern die Gleichförmigkeit zu verbessern, steigt der Verbrauch ganz erheblich. Nach der Kalibrierung auf den Zielwert 140 cd/m² steht der Helligkeitsregler im OSD bereits auf 100 %. Mehr ist also nicht drin. Die Leistungsaufnahme liegt dabei mit 47,54 Watt auf dem gleichen Niveau wie im DCI-P3-Modus mit einer dreimal so hohen Helligkeit (457 cd/m²).

Der Zielwert wird dabei in der Bildschirmmitte auch nicht sonderlich gut erreicht. Nach Angaben der ViewSonic-Software sind es 145 cd/m². Nach unseren zeitnah durchgeführten Messungen schwankt der Wert tatsächlich zwischen 150 und 154 cd/m². Sonderlich stabil und zuverlässig ist das Ganze also so oder so nicht.

Im Laufe des Tests sind wir dabei auch noch auf ein verstecktes „Freischaltungs-Feature“ gestoßen. Wenn man nach der Durchführung einer Hardware-Kalibrierung wieder in den User-Modus wechselt, ist dort plötzlich eine Maximalhelligkeit von 415 cd/m² erreichbar – bei einem Stromverbrauch von 48,16 Watt. Mit aktivierter Gleichförmigkeitskorrektur sind es 229 cd/m² und 47,75 Watt. Durch das Zurücksetzen des User-Modus allein kommt man auch nicht mehr zum „alten“ User-Modus zurück. Erst wenn man das ganze Gerät komplett auf Werkseinstellungen zurücksetzt (und damit wohl auch die Hardware-Kalibrierung auf dem Speicherplatz „Cal1“), ist wieder alles beim Alten.

Dieses seltsame Verhalten konnten wir mehrfach reproduzieren. Das wirft natürlich die Frage auf, was sich nach der Hardware-Kalibrierung möglicherweise sonst noch alles verändert. Werden die anderen Presets eventuell ebenso verändert? Diesen Fragen nachzugehen, hätte den Rahmen unseres bereits sehr ausführlichen Tests vollends gesprengt.

Zumindest der Verbrauch im Standby und im Soft-off ist relativ zuverlässig zu ermitteln und geht mit unter 0,4 bzw. 0,3 Watt völlig in Ordnung. Einen Netzschalter, um den Monitor komplett vom Stromnetz zu trennen, hat der ViewSonic VP2776 allerdings nicht.

Für die Effizienzberechnung bei unserer typischen Arbeitshelligkeit von 140 cd/m² verwenden wir die Werte der Hardware-Kalibrierung mit Gleichförmigkeitskorrektur, denn dafür ist der ViewSonic VP2776 als Grafikmonitor schließlich gemacht worden.

Die Effizienz bei dieser Helligkeit berechnet sich zu 0,6 cd/W. Das ist selbst im Vergleich zu anderen Grafikmonitoren ein schlechter Wert. Der EIZO CS2731 erzielt beispielsweise mit aktiver Gleichförmigkeitskorrektur eine in jeder Hinsicht exzellente Bildhomogenität – ohne eine zeitraubende Messung an 25 verschiedenen Feldern. Die Effizienz erreicht dennoch 1,1 cd/W.

Vergleicht man den ViewSonic VP2776 dagegen mit üblichen Allroundern, und verzichtet man auf die Gleichförmigkeitskorrektur, ist die Bildhomogenität wie üblich nur befriedigend. Die Effizienz erzielt dann mit 1,2 cd/W ein gutes Ergebnis.

Verwendet man die Gleichförmigkeitskorrektur über den OSD-Schalter, ist die Effizienz mit 0,9 cd/W etwas besser als bei der Hardware-Kalibrierung.

Manuel Findeis

... beschäftigt sich beruflich wie privat seit über 20 Jahren intensiv mit den Themen und Entwicklungen in der IT-Branche. Als freiberuflicher Autor, Testredakteur und Fotograf, kennt er die Anforderungen an ein gutes Display. Für PRAD ist er seit 2013 tätig.

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4 Gedanken zu „Test ViewSonic VP2776: 165-Hz-Monitor mit ColorPro-Wheel“

  1. Eine Frage ans Team: Ich hatte den VP2776 Mitte des Jahres hier. Mit der damaligen Firmware-Version war in den Color Modes stets ein extremer Überschärfe-Effekt aktiv der aus jeder harten Kontrastgrenze ein Relief machte. Dieser Überschärfe-Effekt ließ sich auch nicht deaktivieren. Die Color Modes waren deshalb für die Arbeit nicht geeignet weil sie das Bild enorm verfälschten.

    Haben sie wenigstens dieses Problem inzwischen in den Griff bekommen?

    Ansonsten teile ich euer Fazit – man bekommt hier (wenn man allein mal auf das verwendete Panel schaut) einen LG 27GP850 für das dreifache des Geldes mit zusätzlichen Problemen um die niemand gebeten hat.

    Antworten
    • Ein Überschärfe-Effekt mit Relief-Bildung ist uns mit freiem Auge nicht aufgefallen.
      In der Interpolations-Grafik (Gitter nativ) fällt in der 100%-Ansicht allerdings auf, dass hier neben den vertikalen Linien gestrichelte Linien daneben „gemalt“ werden, die eigentlich gar nicht vorhanden sind. Normalerweise ist hier nur das Pixelraster zu erkennen.

      Bitte dabei bedenken, dass es sich um eine Makroaufnahme handelt, die ein Pixelraster von 0,233 mm sichtbar macht. Die einzelnen Striche der gestrichelte Linie sind genauso lang, aber noch Schmäler wie ein Pixel. In der für den Test verwendeten Auflösung dieser Aufnahme ist das auch nicht mehr zu sehen – nur in der 100%-Ansicht der Originalaufnahme. Mit freiem Auge dürfte es also für niemanden ein Problem darstellen. Gut ist es andereseits aber sicher auch nicht. Im Vergleich zu den vielen anderen geschilderten Problemen aber noch das geringere Übel.

      Antworten

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