Test ViewSonic VP2776: 165-Hz-Monitor mit ColorPro-Wheel
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Hardware-kalibrierbarer Grafikmonitor, der mit dem ColorPro-Wheel ausgestattet ist, das die Bedienung des OSDs ermöglicht und als Kolorimeter dient

Farbraum-Emulationen

Farbraum-Emulationen dienen dazu, den Farbraum des Monitors auf einen gewünschten Zielfarbraum zu begrenzen. Das ist immer dann notwendig, wenn eine genaue Farbwiedergabe gefordert ist, aber die verwendeten Anwendungen bzw. Signalquellen kein Farbmanagement unterstützen. Das wären zum Beispiel Office-Anwendungen, die meisten Internetbrowser oder externe Signalquellen wie BD-Player.

Mit einer Software-Kalibrierung ist das nicht möglich. Das geht nur mit einer Hardware-Kalibrierung. Für diesen Vergleich benötigt man auch weder das von Coloribration+ erstellte Profil noch einen Workaround. Dabei werden die Messungen des Monitors mit der jeweiligen Definition des Zielfarbraumes verglichen.

Für das Arbeiten in Farbmanagement-fähigen Anwendungen kann man dann aber anstelle eines vermessenen Monitorprofils eben auch das entsprechende Definitionsprofil im Farbmanagement eintragen. Dies wird in der Regel mit entsprechenden Bildbearbeitungsprogrammen automatisch installiert.

Mit den Werks-Presets für sRGB und Adobe RGB bringt der ViewSonic VP2776 praktisch bereits zwei Farbraum-Emulationen ab Werk mit. Wir haben im Folgenden getestet, ob sie sich mithilfe von Coloribration+ noch einmal verbessern lassen.

Vergleich der sRGB-Emulation mit sRGB

Diagramm: Vergleich der sRGB-Emulation mit sRGB
Vergleich der sRGB-Emulation mit sRGB

Die Abweichungen bei den Buntfarben erreichen nur knapp ein „Sehr gut“. Die Graubalance kann aber nur noch zufriedenstellen. Im Vergleich zum Werks-Preset ergibt die Farbraum-Emulation schlicht keinen Sinn, da sie wesentlich besser ist.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Vergleich der DCI-P3-Emulation mit DCI-P3

Diagramm: Vergleich der DCI-P3-Emulation mit DCI-P3
Vergleich der DCI-P3-Emulation mit DCI-P3

Deutlich besser sieht es bei der DCI-P3-Emulation aus. Die Farbraumabdeckung erreicht jetzt 94 %, und dementsprechend sind auch die Abweichungen bei den Buntfarben im Schnitt zumindest gut. Dafür ist die Graubalance mit der Farbraum-Emulation nur noch zufriedenstellend (statt gut bis sehr gut im Werks-Preset).

Für einen Hardware-kalibrierbaren Profimonitor sind die hier gezeigten Ergebnisse offen gestanden nicht überzeugend. Dabei sind wir mit den beiden verwendeten Farbraum-Emulationen noch im Bereich der Stärken des ViewSonic VP2776 geblieben. Ferner sind die hier gezeigten Ergebnisse für die meisten Anwender nur theoretischer Natur. Denn wir haben dabei das i1Display Pro von X-Rite sowohl für die Hardware-Kalibrierung als auch für die anschließende Qualitätsmessung verwendet.

Wenn wir dagegen zur Hardware-Kalibrierung das ColorPro Wheel verwendet haben, war das anschließende Ergebnis bei der Graubalance selbst nach mehreren Versuchen durchweg aufgrund einer sehr hohen Range nur noch schlecht.

Auch alle zuvor gezeigten Messungen zur Hardware-Kalibrierung haben wir mehrfach gemacht. Wir kalibrierten also einmal mit dem ColorPro Wheel und einmal mit dem i1Display Pro von X-Rite. Die anschließende Qualitätsmessung in unserer Software erfolgt immer mit dem i1Display Pro von X-Rite.

Hier sind die Unterschiede zwar nicht so deutlich, tendenziell fällt das Ergebnis für die Graubalance bei der Verwendung des ColorPro Wheel aber teils wertungsrelevant schlechter aus. Die Qualität des im ColorPro Wheel verbauten Kolorimeters schätzen wir daher als durchaus brauchbar ein. Dieselbe Genauigkeit wie mit dem i1Display Pro von X-Rite erreicht man damit allerdings nicht.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Reaktionsverhalten

Das Reaktionsverhalten haben wir in nativer Auflösung bei 60 Hz und 165 Hz am DisplayPort untersucht. Der Monitor wurde für die Messung auf die Werkseinstellung zurückgesetzt.

Bildaufbauzeit und Beschleunigungsverhalten

Die Bildaufbauzeit ermitteln wir für den Schwarz-Weiß-Wechsel und den besten Grau-zu-Grau-Wechsel. Zusätzlich nennen wir den Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte.

Der Messwert CtC (Color to Color) geht über die herkömmlichen Messungen von reinen Helligkeitssprüngen hinaus – schließlich sieht man am Bildschirm in aller Regel ein farbiges Bild. Bei dieser Messung wird deshalb die längste Zeitspanne gemessen, die der Monitor benötigt, um von einer Mischfarbe auf die andere zu wechseln und seine Helligkeit zu stabilisieren. Verwendet werden die Mischfarben Cyan, Magenta und Gelb – jeweils mit 50 % Signalhelligkeit. Beim CtC-Farbwechsel schalten also nicht alle drei Subpixel eines Bildpunktes gleich, sondern es werden unterschiedliche Anstiegs- und Ausschwingzeiten miteinander kombiniert.

Im Datenblatt wird eine Reaktionszeit von 3 ms für GtG (1 ms MPRT) genannt. Eine Beschleunigungsoption (Overdrive) ist vorhanden. Hier gibt es die Stellungen „Standard“, „Erweitert“ und „Ultraschnell“. Als Standardwert ist „Standard“ voreingestellt.

Wer sich nicht für alle Werte im Detail interessiert, findet am Ende nach den Netzdiagrammen eine Zusammenfassung der Ergebnisse.

Overdrive 60 Hz

60 Hz, Overdrive „Standard“

In der Werkseinstellung „Standard“ bei 60 Hz messen wir den Schwarz-Weiß-Wechsel mit 6,4 ms und den schnellsten Grauwechsel mit 5,5 ms. Der Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte beträgt 7,6 ms, und der CtC-Wert wird mit 7,6 ms ermittelt.

Überschwinger sind keine zu beobachten, die Abstimmung ist sehr neutral.

Das Schaltzeiten-Diagramm zeigt unter anderem, wie sich verschiedene Helligkeitssprünge addieren, wie schnell der Monitor in der Werkseinstellung im besten Fall reagiert und von welcher mittleren Reaktionszeit ausgegangen werden kann.

Digramm 60 Hz (Overdrive „Standard“): Schnelle Schaltzeiten
60 Hz (Overdrive „Standard“): Schnelle Schaltzeiten
Diagramm 60 Hz (Overdrive „Standard“): Keine Überschwinger
60 Hz (Overdrive „Standard“): Keine Überschwinger

60 Hz, Overdrive „Erweitert“

Die Reaktionszeiten verbessern sich nur geringfügig. Dafür bleibt die Abstimmung auch weiterhin frei von Überschwingern.

Wir messen den Schwarz-Weiß-Wechsel mit 5,6 ms und den schnellsten Grauwechsel mit 4,7 ms. Der Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte beträgt 6,4 ms, und der CtC-Wert liegt ebenfalls bei 6,4 ms.

Diagramm 60 Hz (Overdrive „Erweitert“): Sehr schnelle Schaltzeiten
60 Hz (Overdrive „Erweitert“): Sehr schnelle Schaltzeiten
Diagramm 60 Hz (Overdrive „Erweitert“): Keine Überschwinger
60 Hz (Overdrive „Erweitert“): Keine Überschwinger

60 Hz, Overdrive „Ultraschnell“

In der höchsten Stellung „Ultraschnell“ können sich die Werte nur noch bei CtC geringfügig verbessern. Dafür bleibt die Abstimmung auch hier frei von Überschwingern.

Wir messen den Schwarz-Weiß-Wechsel mit 5,8 ms und den schnellsten Grauwechsel mit 4,9 ms. Der Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte beträgt 6,1 ms und der CtC-Wert 5,6 ms.

Diagramm 60 Hz (Overdrive „Ultraschnell“): Sehr schnelle Schaltzeiten
60 Hz (Overdrive „Ultraschnell“): Sehr schnelle Schaltzeiten
Diagramm 60 Hz (Overdrive „Ultraschnell“): Keine Überschwinger
60 Hz (Overdrive „Ultraschnell“): Keine Überschwinger

Overdrive 165 Hz

165 Hz, Overdrive „Standard“

In der Werkseinstellung „Standard“ messen wir den Schwarz-Weiß-Wechsel bei 165 Hz mit 7,4 ms und den schnellsten Grauwechsel mit 5,8 ms. Der Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte beträgt 8,3 ms, und der CtC-Wert wird mit 6,8 ms ermittelt.

Überschwinger sind keine zu beobachten, die Abstimmung ist sehr neutral.

Diagramm 165 Hz (Overdrive „Standard“): Schnelle Schaltzeiten
165 Hz (Overdrive „Standard“): Schnelle Schaltzeiten
Diagramm 165 Hz (Overdrive „Standard“): Keine Überschwinger
165 Hz (Overdrive „Standard“): Keine Überschwinger

165 Hz, Overdrive „Erweitert“

In der mittleren Overdrive-Stufe lassen sich die ohnehin bereits sehr schnellen Schaltzeiten noch einmal etwas verbessern – auch hier, ohne irgendwelche unerwünschten Überschwinger zu produzieren. Wir messen den Schwarz-Weiß-Wechsel mit 6 ms und den schnellsten Grauwechsel mit 4,7 ms. Der Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte beträgt 6,2 ms. Lediglich der CtC-Wert ist mit 6,8 ms unverändert.

Diagramm 165 Hz (Overdrive „Erweitert“): Sehr schnelle Schaltzeiten
165 Hz (Overdrive „Erweitert“): Sehr schnelle Schaltzeiten
Diagramm 165 Hz (Overdrive „Erweitert“): Keine Überschwinger
165 Hz (Overdrive „Erweitert“): Keine Überschwinger

165 Hz, Overdrive „Ultraschnell“

In der höchsten Stellung „Ultraschnell“ zeigen sich auch bei 165 Hz kaum noch Verbesserungen. Dafür bleibt die Abstimmung weiterhin neutral.

Hier messen wir den Schwarz-Weiß-Wechsel mit 5,6 ms und den schnellsten Grauwechsel mit 5 ms. Der Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte beträgt 6,1 ms. Der CtC-Wert bleibt auch hier unverändert bei 6,8 ms.

Diagramm 165 Hz (Overdrive „Ultraschnell“): Sehr schnelle Schaltzeiten
165 Hz (Overdrive „Ultraschnell“): Sehr schnelle Schaltzeiten
Diagramm 165 Hz (Overdrive „Ultraschnell“): Keine Überschwinger
165 Hz (Overdrive „Ultraschnell“): Keine Überschwinger

Netzdiagramme

In den folgenden Netzdiagrammen sehen Sie alle Messwerte zu den unterschiedlichen Helligkeitssprüngen unserer Messungen im Überblick. Im Idealfall würden sich die grünen und die roten Linien eng am Zentrum befinden. Jede Achse repräsentiert einen im Pegel und in der Dynamik definierten Helligkeitssprung des Monitors, gemessen über Lichtsensor und Oszilloskop.

Diagramm: 60 Hz, Overdrive "Standard"
60 Hz, Overdrive „Standard“
Diagramm: 165 Hz, Overdrive "Standard"
165 Hz, Overdrive „Standard“
Diagramm: 60 Hz, Overdrive "Erweitert"
60 Hz, Overdrive „Erweitert“
Diagramm: 165 Hz, Overdrive "Erweitert"
165 Hz, Overdrive „Erweitert“
Diagramm: 60 Hz, Overdrive "Ultraschnell"
60 Hz, Overdrive „Ultraschnell“
Diagramm: 165 Hz, Overdrive "Ultraschnell"
165 Hz, Overdrive „Ultraschnell“

Zusammenfassung und Latenzzeit

Der ViewSonic VP2776 besitzt drei Overdrive-Stufen (Ansprechzeit: „Standard“, „Erweitert“, „Ultraschnell“), die sich bei 60 Hz vergleichsweise dezent und bei 165 Hz fast gar nicht voneinander unterscheiden. In der Werkseinstellung „Standard“ fallen die Reaktionszeiten bereits ordentlich aus und gehen in den Stufen „Erweitert“ sowie „Ultraschnell“ jeweils weiter zurück. Erfreulicherweise werden selbst in der höchsten Overdrive-Stufe praktisch keine Überschwinger sichtbar.

Der Input-Lag fällt zwar auch bei 60 Hz mit 14 ms akzeptabel aus. Dank der 165-Hz-Technik lässt er sich jedoch noch auf 4,4 ms reduzieren. Nennenswerte Nachteile bei den Reaktionszeiten hat man im 165-Hz-Betrieb nicht.

Die Latenz ist ein wichtiger Wert für Spieler, wir ermitteln sie als Summe der Signalverzögerungszeit und der halben mittleren Bildwechselzeit. Zur bereits sehr kurzen Signalverzögerung addiert sich somit eine halbe mittlere Bildwechselzeit von 3,1 ms. Auch das ist ein sehr guter Wert. Insgesamt macht das tolle 7,6 ms für die Latenzzeit.

Der primär für Grafikarbeiten gedachte ViewSonic VP2776 eignet sich damit auch zum Gaming.

Manuel Findeis

... beschäftigt sich beruflich wie privat seit über 20 Jahren intensiv mit den Themen und Entwicklungen in der IT-Branche. Als freiberuflicher Autor, Testredakteur und Fotograf, kennt er die Anforderungen an ein gutes Display. Für PRAD ist er seit 2013 tätig.

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4 Gedanken zu „Test ViewSonic VP2776: 165-Hz-Monitor mit ColorPro-Wheel“

  1. Eine Frage ans Team: Ich hatte den VP2776 Mitte des Jahres hier. Mit der damaligen Firmware-Version war in den Color Modes stets ein extremer Überschärfe-Effekt aktiv der aus jeder harten Kontrastgrenze ein Relief machte. Dieser Überschärfe-Effekt ließ sich auch nicht deaktivieren. Die Color Modes waren deshalb für die Arbeit nicht geeignet weil sie das Bild enorm verfälschten.

    Haben sie wenigstens dieses Problem inzwischen in den Griff bekommen?

    Ansonsten teile ich euer Fazit – man bekommt hier (wenn man allein mal auf das verwendete Panel schaut) einen LG 27GP850 für das dreifache des Geldes mit zusätzlichen Problemen um die niemand gebeten hat.

    Antworten
    • Ein Überschärfe-Effekt mit Relief-Bildung ist uns mit freiem Auge nicht aufgefallen.
      In der Interpolations-Grafik (Gitter nativ) fällt in der 100%-Ansicht allerdings auf, dass hier neben den vertikalen Linien gestrichelte Linien daneben „gemalt“ werden, die eigentlich gar nicht vorhanden sind. Normalerweise ist hier nur das Pixelraster zu erkennen.

      Bitte dabei bedenken, dass es sich um eine Makroaufnahme handelt, die ein Pixelraster von 0,233 mm sichtbar macht. Die einzelnen Striche der gestrichelte Linie sind genauso lang, aber noch Schmäler wie ein Pixel. In der für den Test verwendeten Auflösung dieser Aufnahme ist das auch nicht mehr zu sehen – nur in der 100%-Ansicht der Originalaufnahme. Mit freiem Auge dürfte es also für niemanden ein Problem darstellen. Gut ist es andereseits aber sicher auch nicht. Im Vergleich zu den vielen anderen geschilderten Problemen aber noch das geringere Übel.

      Antworten

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