Test ViewSonic VP2776: 165-Hz-Monitor mit ColorPro-Wheel
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Hardware-kalibrierbarer Grafikmonitor, der mit dem ColorPro-Wheel ausgestattet ist, das die Bedienung des OSDs ermöglicht und als Kolorimeter dient

Bildqualität

Der Panel-Rahmen und die Oberfläche des Panels sind matt und wirksam entspiegelt. Die Entspiegelung ist aber nicht vollkommen gelungen. Bei normaler Raumbeleuchtung und sehr dunklen Bildschirminhalten werden helle Gegenstände schon im normalen Nutzerabstand als Einspiegelung sichtbar.

Beim Reset (Werkseinstellungen) stellt der Monitor folgende Werte ein:

Bildmodus: „Nutzer“
Helligkeit: 70
Kontrast: 70
Gamma: 2,2
Farbtemperatur: D65
RGB: 100/100/100
Color-Gamut: k.A.
DUE Priority: Einheitlichkeit „Aus“
Schärfe: 50
Reaktionszeit: Standard

Diese Werte wurden für die nachfolgende Beurteilung bei Werkseinstellung verwendet.

Graustufen

Die Graubalance macht ab Werk auf den ersten Blick einen sehr guten und neutralen Eindruck. Auf der linken Bildschirmseite wirken insbesondere die helleren Bereiche aber etwas wärmer bzw. leicht rötlich. Die hellsten Graustufen sind vollständig zu erkennen, die dunkelsten zumindest bis einschließlich Stufe 6.70.

Graustufendarstellung des IPS-Panels vom ViewSonic VP2776
Graustufen

Auch feine Grauverläufe werden sehr gut und gleichmäßig dargestellt. Das gilt in der Vollbilddarstellung auch in der Vertikalen – etwas getrübt allerdings durch die Aufhellung in den Ecken. Farbschimmer und Banding-Effekte sind dabei nicht festzustellen.

Auch hinsichtlich der Blickwinkelabhängigkeit schneidet der ViewSonic VP2776 bereits bei unseren Graustufen-Tests gut ab. Bei horizontalen Blickwinkeln wirkt das Bild insgesamt etwas aufgehellt. Die Zeichnung bleibt dabei aber gut erhalten. In den dunkelsten Bereichen leidet zwar der Schwarzwert, die Differenzierung bis Stufe 6 ist allerdings weiterhin möglich. Die Veränderungen bei der Farbtemperatur fallen ebenfalls nur geringfügig aus.

Bei stärkeren vertikalen Blickwinkeln dunkelt das Bild dagegen sofort deutlich ab und wirkt eventuell etwas wärmer.

Ausleuchtung

Das linke Foto zeigt ein komplett schwarzes Bild ungefähr so, wie man es mit bloßem Auge bei komplett abgedunkeltem Raum sieht; hier werden die auffälligen Schwächen sichtbar. Das rechte Foto mit längerer Belichtungszeit hebt dagegen die Problemzonen hervor und dient nur der deutlicheren Darstellung.

Ausleuchtung des IPS-Panels bei normaler Belichtung
Ausleuchtung bei normaler Belichtung
Ausleuchtung des IPS-Panels bei verlängerter Belichtung
Ausleuchtung bei verlängerter Belichtung

Auch die Ausleuchtung ist beim ViewSonic VP2776 insgesamt gut gelungen. Bei mittiger Sitzposition sind zwar leichte Aufhellungen in allen Ecken sichtbar – am stärksten links unten –, aber rein durch den Blickwinkel bedingt. Bei lotrechter Betrachtung dieser Stellen verschwinden sie praktisch vollständig. Echte Randeinstrahlungen konnten wir nirgendwo ausmachen.

Weicht man stärker von der mittigen Sitzposition ab, wird die übliche Aufhellung durch das IPS-Glow sichtbar – am stärksten von schräg oben. Hinsichtlich der Einfärbung spielt die Blickrichtung eine Rolle. Von rechts wirkt die Aufhellung eher farbneutral, von links zeigt sich dagegen ein rötlicher Schimmer. Ansonsten fällt der Glow-Effekt beim ViewSonic VP2776 insgesamt eher unterdurchschnittlich aus.

Glow-Effekt des IPS-Panels horizontal
Glow-Effekt horizontal
Glow-Effekt des IPS-Panels von schräg oben
Glow-Effekt von schräg oben

Helligkeit, Schwarzwert, Kontrast und Bildhomogenität

In diesem Bereich ist der ViewSonic VP2776 ebenfalls speziell. Optionen zur Verbesserung der Bildhomogenität haben üblicherweise immer auch Auswirkungen auf den Kontrast, die Maximalhelligkeit und den Stromverbrauch. Daher fassen wir diese vier Bereiche hier in einem Kapitel zusammen. Das Kontrastverhältnis gibt der Hersteller mit 1000:1 an. Die Luminanzabweichung soll unter 5 % betragen.

Zur Verbesserung der Bildhomogenität besitzt der ViewSonic VP2776 gleich mehrere Optionen: zum einen den Schalter „Uniformity“ im OSD, zum anderen kann man die Bildhomogenität in der Software zur Hardware-Kalibrierung verbessern lassen.

Dazu muss man im Anschluss an die eigentliche Hardware-Kalibrierung Messungen an bis zu 25 (5×5) über den Bildschirm verteilten Feldern durchführen. Das dauert allerdings seine Zeit. Zugleich steht in den Speicherplätzen für die Hardware-Kalibrierung der OSD-Schalter (Uniformity) noch zur Verfügung.

Diese Auswahl muss immer vor der Hardware-Kalibrierung getroffen werden und sollte danach auch nicht mehr veränderbar sein. Das Gleiche gilt für den Helligkeitsregler, der beim VP2776 ebenfalls nach der Hardware-Kalibrierung veränderbar ist. Zumindest beim ersten Punkt gilt: In den Modi „Cal1“ bis „Cal3“ ist der Schalter „Uniformity“ zwar veränderbar, im Gegensatz zu den Werks-Presets jedoch völlig wirkungslos.

Die Messungen für Helligkeit, Schwarzwert und Kontrast werden nach einer Kalibration auf D65 als Weißpunkt durchgeführt. Sofern möglich, werden alle dynamischen Regelungen deaktiviert. Aufgrund der notwendigen Anpassungen fallen die Ergebnisse geringer aus als bei Durchführung der Testreihe mit nativem Weißpunkt.

Das Messfenster wird nicht von einem schwarzen Rand umgeben. Die Werte können daher eher mit dem ANSI-Kontrast verglichen werden und geben Realweltsituationen deutlich besser wieder als Messungen von flächigem Weiß- und Schwarzbild.

Helligkeits- und Kontrastverlauf des ViewSonic VP2776 – User-Modus ab Werk
Helligkeits- und Kontrastverlauf des ViewSonic VP2776 – User-Modus ab Werk
Helligkeits- und Kontrastverlauf des ViewSonic VP2776 – User-Modus „freigeschaltet“
Helligkeits- und Kontrastverlauf des ViewSonic VP2776 – User-Modus „freigeschaltet“

Im User-Modus ab Werk erreichen wir nur eine Maximalhelligkeit von 180 cd/m². Die Minimalhelligkeit ist mit 75 cd/m² dagegen erstaunlich hoch. Hier wird zumindest durchgängig noch ein zufriedenstellendes Kontrastverhältnis von 739:1 erreicht.

Nach dem „Freischaltungs-Feature“ verhält sich der Helligkeitsanstieg bis zur Reglerstufe 70 % praktisch identisch. Danach entsteht ein Knick, und die Helligkeit spurtet nach oben. Somit ändert sich dadurch lediglich die maximal erreichbare Leuchtdichte auf 416 cd/m². Da die relativen Schwarzwerte sich aber ebenfalls entsprechend erhöhen, bleibt das Kontrastverhältnis gleich.

Die Bildhomogenität untersuchen wir anhand von vier Testbildern (Weiß, Neutraltöne mit 75 %, 50 %, 25 % Helligkeit), die wir an 15 Punkten vermessen. Daraus resultieren die gemittelte Helligkeitsabweichung in % und das ebenfalls gemittelte Delta C (d. h. die Buntheitsdifferenz) in Bezug auf den jeweils zentral gemessenen Wert. Die Wahrnehmungsschwelle für Helligkeitsunterschiede liegt bei etwa 10 %.

Helligkeitsverteilung beim weißen Testbild
Helligkeitsverteilung beim weißen Testbild
Farbhomogenität beim weißen Testbild
Farbhomogenität beim weißen Testbild

Die Bildhomogenität fällt dabei subjektiv wie messtechnisch nur zufriedenstellend aus. Das gilt sowohl für die Helligkeitsverteilung als auch für die Farbreinheit.

Der OSD-Schalter „Uniformity“ leistet auf Wunsch aber ganze Arbeit und kann die Bildhomogenität insgesamt auf ein sehr gutes Niveau heben. Das sieht man auch subjektiv beim Umschalten sofort, da die Vignettierung der Helligkeit zu den Rändern hin verschwindet.

Die Helligkeitsverteilung liegt im Durschnitt nur noch bei 2,9 %. Auch die Maximalabweichung ist mit 8,28 % sehr gut. Das Gleiche gilt für die Farbhomogenität (Delta-C-Average: 1,02, Delta-C-Maximum: 1,57).

Helligkeitsverteilung beim weißen Testbild mit Gleichförmigkeitskorrektur via OSD
Helligkeitsverteilung beim weißen Testbild mit Gleichförmigkeitskorrektur via OSD
Farbhomogenität beim weißen Testbild mit Gleichförmigkeitskorrektur via OSD
Farbhomogenität beim weißen Testbild mit Gleichförmigkeitskorrektur via OSD

Unglücklicherweise brechen jedoch im Gegenzug die Maximalhelligkeit und der Kontrast ziemlich stark ein. Mit der höchsten erreichbaren Helligkeit von 102 cd/m² kann man nur noch eingeschränkt arbeiten. Das Kontrastverhältnis ermitteln wir mit 419:1 – ein schlechtes Ergebnis. Durch die „Freischaltung“ verbessert sich nur die Maximalhelligkeit auf 230 cd/m². Alles andere bleibt gleich. Der seltsame Helligkeitsspurt ab Reglerstellung 70 % ist auch hier wieder auffällig.

Helligkeits- und Kontrastverlauf des ViewSonic VP2776 – User-Modus mit GL via OSD
Helligkeits- und Kontrastverlauf des ViewSonic VP2776 – User-Modus mit GL via OSD
Helligkeits- und Kontrastverlauf des ViewSonic VP2776 – User-Modus mit GL via OSD nach „Freischaltung“
Helligkeits- und Kontrastverlauf des ViewSonic VP2776 – User-Modus mit GL via OSD nach „Freischaltung“

Am wichtigsten ist das Verhalten des ViewSonic VP2776 aber im Zusammenhang mit der Hardware-Kalibrierung, denn dafür ist das Gerät schließlich gedacht. Nach der Hardware-Kalibrierung auf 140 cd/m², D65 und den nativen Farbraum ermitteln wir das Kontrastverhältnis mit 747:1 – also im Prinzip das gleiche Ergebnis.

Da sich der Helligkeitsregler im OSD beim ViewSonic VP2776 auch nach einer Hardware-Kalibrierung wie bereits erwähnt noch verändern lässt, konnten wir hier ebenfalls eine Kontrastmessung über alle Helligkeitsstufen zur Erstellung unserer Grafik durchführen.

Den „Helligkeitsspurt“ ab Reglerposition 70 % finden wir auch hier wieder. Tendenziell ist das ein Hinweis, dass man bei der Hardware-Kalibrierung höhere Zielwerte als 140 cd/m² vermeiden sollte.

Helligkeits- und Kontrastverlauf des ViewSonic VP2776 – HKL
Helligkeits- und Kontrastverlauf des ViewSonic VP2776 – HKL
Helligkeits- und Kontrastverlauf des ViewSonic VP2776 – HKL mit GL 5x5
Helligkeits- und Kontrastverlauf des ViewSonic VP2776 – HKL mit GL 5×5

Die Bildhomogenität ist nach der Hardware-Kalibrierung im Rahmen der Messgenauigkeit identisch zum User-Modus ab Werk. Der OSD-Schalter „Uniformity“ ist auch in den Speicherplätzen für die Kalibrierung aktiv, bewirkt aber schlicht nichts.

Nutzt man stattdessen die Zusatzoption in der Software zur Hardware-Kalibrierung, also an 5 x 5 Feldern, lässt sich die Bildhomogenität auch in Verbindung mit der Hardware-Kalibrierung tatsächlich verbessern.

Helligkeitsverteilung beim weißen Testbild mit Gleichförmigkeitskorrektur via OSD
Helligkeitsverteilung beim weißen Testbild mit Gleichförmigkeitskorrektur via OSD
Farbhomogenität beim weißen Testbild mit Gleichförmigkeitskorrektur via OSD
Farbhomogenität beim weißen Testbild mit Gleichförmigkeitskorrektur via OSD

Verbessert wird dabei aber lediglich die Helligkeitsverteilung, die jetzt im Durchschnitt gut (3,66 %) und im Maximum sogar sehr gut ausfällt (6,21 %). Die Verbesserung durch den OSD-Schalter im User-Modus war allerdings insgesamt wirkungsvoller.

Überzeugen kann die Option am Ende so oder so nicht, da der Kontrast ganz dramatisch auf nur noch 275:1 einbricht. Die vorgegebene Zielhelligkeit wird dabei auch bereits nach Angaben der ViewSonic-Software nicht mehr sonderlich genau erreicht.

Für unsere Gesamtwertung haben wir daher das Kontrastverhältnis und die Bildhomogenität ohne Gleichförmigkeitskorrektur verwendet.

Manuel Findeis

... beschäftigt sich beruflich wie privat seit über 20 Jahren intensiv mit den Themen und Entwicklungen in der IT-Branche. Als freiberuflicher Autor, Testredakteur und Fotograf, kennt er die Anforderungen an ein gutes Display. Für PRAD ist er seit 2013 tätig.

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4 Gedanken zu „Test ViewSonic VP2776: 165-Hz-Monitor mit ColorPro-Wheel“

  1. Eine Frage ans Team: Ich hatte den VP2776 Mitte des Jahres hier. Mit der damaligen Firmware-Version war in den Color Modes stets ein extremer Überschärfe-Effekt aktiv der aus jeder harten Kontrastgrenze ein Relief machte. Dieser Überschärfe-Effekt ließ sich auch nicht deaktivieren. Die Color Modes waren deshalb für die Arbeit nicht geeignet weil sie das Bild enorm verfälschten.

    Haben sie wenigstens dieses Problem inzwischen in den Griff bekommen?

    Ansonsten teile ich euer Fazit – man bekommt hier (wenn man allein mal auf das verwendete Panel schaut) einen LG 27GP850 für das dreifache des Geldes mit zusätzlichen Problemen um die niemand gebeten hat.

    Antworten
    • Ein Überschärfe-Effekt mit Relief-Bildung ist uns mit freiem Auge nicht aufgefallen.
      In der Interpolations-Grafik (Gitter nativ) fällt in der 100%-Ansicht allerdings auf, dass hier neben den vertikalen Linien gestrichelte Linien daneben „gemalt“ werden, die eigentlich gar nicht vorhanden sind. Normalerweise ist hier nur das Pixelraster zu erkennen.

      Bitte dabei bedenken, dass es sich um eine Makroaufnahme handelt, die ein Pixelraster von 0,233 mm sichtbar macht. Die einzelnen Striche der gestrichelte Linie sind genauso lang, aber noch Schmäler wie ein Pixel. In der für den Test verwendeten Auflösung dieser Aufnahme ist das auch nicht mehr zu sehen – nur in der 100%-Ansicht der Originalaufnahme. Mit freiem Auge dürfte es also für niemanden ein Problem darstellen. Gut ist es andereseits aber sicher auch nicht. Im Vergleich zu den vielen anderen geschilderten Problemen aber noch das geringere Übel.

      Antworten

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