Test ViewSonic VP2776: 165-Hz-Monitor mit ColorPro-Wheel
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Hardware-kalibrierbarer Grafikmonitor, der mit dem ColorPro-Wheel ausgestattet ist, das die Bedienung des OSDs ermöglicht und als Kolorimeter dient

Coating

Die Oberflächenbeschichtung des Panels (Coating) hat auf die visuelle Beurteilung von Bildschärfe, Kontrast und Fremdlichtempfindlichkeit einen großen Einfluss. Wir untersuchen das Coating mit dem Mikroskop und zeigen die Oberfläche des Panels (vorderste Folie) in extremer Vergrößerung.

Coating des ViewSonic VP2776
Coating des ViewSonic VP2776
Coating-Referenzbild
Coating-Referenzbild

Mikroskopischer Blick auf die Subpixel, mit Fokus auf die Bildschirmoberfläche: Der ViewSonic VP2776 besitzt eine dezent matte Oberfläche mit mikroskopisch sichtbaren Vertiefungen zur Diffusion.

Blickwinkel

Das Foto zeigt den ViewSonic VP2776 bei horizontalen Blickwinkeln von ±60 Grad und vertikalen von +45 und -30 Grad. Die Werksangabe für den maximalen Blickwinkel liegt bei 178 Grad in der Horizontalen und Vertikalen. Das sind die für moderne IPS- und VA-Panels typischen Werte.

Horizontale und vertikale Blickwinkel des IPS-Panels vom ViewSonic VP2776
Horizontale und vertikale Blickwinkel

Wie von einem IPS-Panel zu erwarten, sind bei den Farben und den Farbsättigungen selbst bei extremeren Blickwinkeln keine Veränderungen feststellbar. Die Blickwinkelneutralität ist beim ViewSonic VP2776 vor allem in der Horizontalen ausgezeichnet.

Sogar bei extremeren Blickwinkeln ist kaum ein Helligkeitsverlust festzustellen, und die Farbtemperatur bleibt ebenfalls unverändert erhalten. In der Vertikalen wird dagegen schon recht schnell ein deutlicher Helligkeitsverlust sichtbar. Die Farbtemperatur bleibt aber auch hier in etwa gleich.

Interpolation

Der Bildschärferegler wirkt auch an den digitalen Eingängen und steht ab Werk auf Stufe 50. Wir haben für unseren Test die Einstellung so belassen.

Testgrafik nativ, Vollbild
Testgrafik nativ, Vollbild
Testgrafik 1920 x 1080, Vollbild
Testgrafik 1920 x 1080, Vollbild

Bei 1920 x 1080 sieht man, dass die notwendige Pixelvergrößerung hauptsächlich durch zusätzlich eingefügte graue Bildpunkte bewirkt wird. Dies führt zu etwas fetteren Konturen mit leichtem Unschärfe-Eindruck. Farbsäume treten nicht auf.

In allen interpolierten Auflösungen sind die Lesbarkeit von Texten und die Abbildung der Testgrafik – dem Skalierungsgrad entsprechend – gut bis sehr gut. Die unvermeidlichen Interpolationsartefakte fallen gering aus. Auch Texte mit fetten Buchstaben bleiben gut leserlich.

Textwiedergabe nativ, Vollbild
Textwiedergabe nativ, Vollbild
Textwiedergabe 1920 x 1080, Vollbild
Textwiedergabe 1920 x 1080, Vollbild

Für von der nativen Auflösung abweichende Eingangssignale bietet der VP2776 die Optionen „Fläche ausfüllen“ (ggfls. verzerrt), 4:3 und auch eine pixelgenaue 1:1-Darstellung an. Die Auswahl ist interessanterweise im Untermenü der Color-Modi enthalten. Auf Wunsch kann man also für jeden Farbmodus eine andere Auswahl treffen.

Eine Option zur verzerrungsfreien, maximal flächenfüllenden Wiedergabe gibt es allerdings nicht. Damit ist von vornherein klar, dass der ViewSonic VP2776 ältere SD-Videoauflösungen nicht selbstständig optimal skalieren kann.

 Signal Verzerrungsfreie, maximal
flächenfüllende Wiedergabe
Unskalierte Wiedergabe
SD (480p) Nein Ja
SD (576p) Nein Ja
HD (720p) Ja Ja
HD (1080p) Ja Ja
Ultra HD, 4K Nein Nein
PC (5:4) Nein Ja
PC (4:3) Ja Ja
PC (16:10) Nein Ja
PC (16:9) Ja Ja

Farbwiedergabe

Bei Monitoren für den Grafikbereich testen wir zunächst die Farbwiedergabe in der Werkseinstellung nach dem Reset sowie – falls vorhanden – in einem sRGB- und Adobe-RGB-Modus. Anschließend wird der Proband mit Quato iColor Display kalibriert. Sofern der Bildschirm eine vollwertige Hardware-Kalibration besitzt, wird stattdessen selbige in Verbindung mit der Hersteller-Software verwendet.

Farbraumvergleich in CIELAB (D50)

Die folgenden Darstellungen basieren auf den farbmetrischen Daten nach einer Kalibration auf D65 als Weißpunkt. Das Bezugsweiß für die Aufbereitung in CIELAB ist D50 (adaptiert mit Bradford).

Weißes Volumen: Bildschirmfarbraum
Schwarzes Volumen: Referenzfarbraum
Buntes Volumen: Schnittmenge
Vergleichsziele: sRGB, Adobe RGB und DCI-P3

Der Vergleich nach der Hardware-Kalibrierung auf den nativen Farbraum mit dem User-Modus ab Werk zeigt, dass wir es auch hier mit dem nativen Farbraum zu tun haben. Die Unterschiede bei den Farbraumgrafiken fallen nur sehr gering aus.

Die nachfolgenden Grafiken zeigen die Farbraumabdeckung nach der Hardware-Kalibration:

Abdeckung des sRGB-Farbraums, 3D-Schnitt 1
Abdeckung des sRGB-Farbraums, 3D-Schnitt 1
Abdeckung des sRGB-Farbraums, 3D-Schnitt 2
Abdeckung des sRGB-Farbraums, 3D-Schnitt 2
Abdeckung des Adobe-RGB-Farbraums, 3D-Schnitt 1
Abdeckung des Adobe-RGB-Farbraums, 3D-Schnitt 1
Abdeckung des Adobe-RGB-Farbraums, 3D-Schnitt 2
Abdeckung des Adobe-RGB-Farbraums, 3D-Schnitt 2
Abdeckung des DCI-P3-Farbraums, 3D-Schnitt 1
Abdeckung des DCI-P3-Farbraums, 3D-Schnitt 1
Abdeckung des DCI-P3-Farbraums, 3D-Schnitt 2
Abdeckung des DCI-P3-Farbraums, 3D-Schnitt 2

Wie man anhand der Grafiken unschwer erkennen kann, kann der native Farbraum des ViewSonic VP2776 den sRGB-Farbraum fast vollständig abdecken und geht über diesen noch sehr deutlich hinaus. In seiner Erweiterung ist er aber auf die Abdeckung von DCI-P3 optimiert. Im Vergleich zu Adobe RGB fehlt es noch sehr deutlich.

Interessant ist aber ebenso der Blick auf die Werks-Presets, die laut ViewSonic alle ab Werk vorkalibriert sein sollen. Wenn hier der native Farbraum tatsächlich passend beschnitten ist, dann ist damit auch ein farbverbindliches Arbeiten in Anwendungen möglich, die selbst kein Farbmanagement beherrschen.

Abdeckung des sRGB-Farbraums im sRGB-Preset, 3D-Schnitt 1
Abdeckung des sRGB-Farbraums im sRGB-Preset, 3D-Schnitt 1
Abdeckung des sRGB-Farbraums im sRGB-Preset, 3D-Schnitt 2
Abdeckung des sRGB-Farbraums im sRGB-Preset, 3D-Schnitt 2

Im sRGB-Modus gelingt das auch tatsächlich sehr gut. Es ist praktisch keine Überdeckung des Zielfarbraums mehr zu erkennen. Die Unterdeckung auf der anderen Seite fällt nur sehr gering aus.

Abdeckung des sRGB-Farbraums im DCI-P3-Preset, 3D-Schnitt 1
Abdeckung des sRGB-Farbraums im DCI-P3-Preset, 3D-Schnitt 1
Abdeckung des sRGB-Farbraums im DCI-P3-Preset, 3D-Schnitt 2
Abdeckung des sRGB-Farbraums im DCI-P3-Preset, 3D-Schnitt 2

Auch im DCI-P3-Modus werden zwar Überdeckungen fast vollständig vermieden. Im Vergleich zum nativen Farbraum überrascht aber die geringe Abdeckung des DCI-P3-Zielfarbraums von nur 87 %.

Die folgende Tabelle fasst die Ergebnisse jeweils für das Werks-Preset und nach der Hardware-Kalibration noch einmal zusammen:

Farbraum Hersteller-Angabe Abdeckung im Werks-Preset Abdeckung nach Kalibrierung
sRGB 100 % 97 % 99 %
Adobe RGB 87 % 87 % 85 %
ECI-RGB v2 k. A. 78 %
DCI-P3 RGB 95 % 87 % 93 %
ISO Coated v2 (FOGRA39L) k. A. 96 %

Messungen vor Kalibration und Profilierung

Farbmodus: Custom (Werkseinstellung)

Die Erläuterungen zu den folgenden Charts haben wir für Sie zusammengefasst: Delta-E-Abweichung für Farbwerte und Weißpunkt, Delta-C-Abweichung für Grauwerte, und Gradation.

Diagramm: Graubalance in der Werkseinstellung, Bildmodus "Nutzer"
Graubalance in der Werkseinstellung, Bildmodus „Nutzer“

Die Graubalance des ViewSonic VP2776 ist in der Werkseinstellung auch messtechnisch ausgezeichnet. Da hier nur in der Mitte gemessen wird, werden die zuvor entdeckten Unterschiede zwischen linker und rechter Bildschirmhälfte nur bei den Messungen zur Bildhomogenität berücksichtigt. Der Weißpunkt ist mit 6614 K geringfügig kälter als die gewünschten 6500 K. Der Gammawert liegt im Durchschnitt perfekt bei 2,2 und verläuft annähernd linear.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Vergleich sRGB-Modus mit dem sRGB-Arbeitsfarbraum

Diagramm: Farbwiedergabe in der Werkseinstellung, Bildmodus „sRGB“
Farbwiedergabe in der Werkseinstellung, Bildmodus „sRGB“

Wie bereits bei den Farbraumgrafiken vermutet, ist auch das Werks-Preset für sRGB sehr gut gelungen. Die Farbtemperatur ist unverändert und die Graubalance nach wie vor ausgezeichnet (Delta-C-Average: 0,38, Delta-C-Range: 0,99). Das Gamma liegt im Durchschnitt bei 2,21 und wurde im Verlauf sehr akkurat an die Vorgabe angepasst. Bei den Buntfarben gibt es ebenfalls keine nennenswerten Abweichungen.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Vergleich DCI-P3-Modus mit dem DCI-P3-Arbeitsfarbraum

Diagramm: Farbwiedergabe in der Werkseinstellung, Bildmodus "DCI-P3"
Farbwiedergabe in der Werkseinstellung, Bildmodus „DCI-P3“

Honorieren muss man hier erst mal, dass das Werks-Preset die hohe Gammavorgabe von 2,6 problemlos schafft und auch im Verlauf sehr gut halten kann. Ansonsten kann dieses Preset im Vergleich zum ausgezeichneten sRGB-Preset nicht ganz mithalten. Es ist dennoch gut.

Die Graubalance ist auch hier immer noch gut bis sehr gut. Die Farbtemperatur messen wir sogar perfekt auf der Vorgabe von D65. Trotz der nur befriedigenden Farbraumabdeckung von 87 % kommt es bei den Buntfarben jedoch zwangsläufig zu höheren Abweichungen, die im Durchschnitt allerdings immer noch gut sind (Delta-E94-Average: 1,64, Delta-E94-Maximum: 3,04).

Entsprechende Inhalte können mit den Werks-Presets also bereits ohne weitere Maßnahmen sehr ansprechend auch in nicht Farbmanagement-fähigen Anwendungen wiedergegeben werden.

Die ausführlichen Testergebnisse können als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Manuel Findeis

... beschäftigt sich beruflich wie privat seit über 20 Jahren intensiv mit den Themen und Entwicklungen in der IT-Branche. Als freiberuflicher Autor, Testredakteur und Fotograf, kennt er die Anforderungen an ein gutes Display. Für PRAD ist er seit 2013 tätig.

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4 Gedanken zu „Test ViewSonic VP2776: 165-Hz-Monitor mit ColorPro-Wheel“

  1. Eine Frage ans Team: Ich hatte den VP2776 Mitte des Jahres hier. Mit der damaligen Firmware-Version war in den Color Modes stets ein extremer Überschärfe-Effekt aktiv der aus jeder harten Kontrastgrenze ein Relief machte. Dieser Überschärfe-Effekt ließ sich auch nicht deaktivieren. Die Color Modes waren deshalb für die Arbeit nicht geeignet weil sie das Bild enorm verfälschten.

    Haben sie wenigstens dieses Problem inzwischen in den Griff bekommen?

    Ansonsten teile ich euer Fazit – man bekommt hier (wenn man allein mal auf das verwendete Panel schaut) einen LG 27GP850 für das dreifache des Geldes mit zusätzlichen Problemen um die niemand gebeten hat.

    Antworten
    • Ein Überschärfe-Effekt mit Relief-Bildung ist uns mit freiem Auge nicht aufgefallen.
      In der Interpolations-Grafik (Gitter nativ) fällt in der 100%-Ansicht allerdings auf, dass hier neben den vertikalen Linien gestrichelte Linien daneben „gemalt“ werden, die eigentlich gar nicht vorhanden sind. Normalerweise ist hier nur das Pixelraster zu erkennen.

      Bitte dabei bedenken, dass es sich um eine Makroaufnahme handelt, die ein Pixelraster von 0,233 mm sichtbar macht. Die einzelnen Striche der gestrichelte Linie sind genauso lang, aber noch Schmäler wie ein Pixel. In der für den Test verwendeten Auflösung dieser Aufnahme ist das auch nicht mehr zu sehen – nur in der 100%-Ansicht der Originalaufnahme. Mit freiem Auge dürfte es also für niemanden ein Problem darstellen. Gut ist es andereseits aber sicher auch nicht. Im Vergleich zu den vielen anderen geschilderten Problemen aber noch das geringere Übel.

      Antworten

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