Test ViewSonic VP2776: 165-Hz-Monitor mit ColorPro-Wheel

Hardware-kalibrierbarer Grafikmonitor, der mit dem ColorPro-Wheel ausgestattet ist, das die Bedienung des OSDs ermöglicht und als Kolorimeter dient

Einleitung

Mit dem VP2776 präsentiert ViewSonic nach eigenen Angaben den „weltweit ersten professionellen Monitor mit integriertem Farbkalibrator, Nano-IPS-Farbraum, 95 % DCI-P3-Fähigkeit und 165 Hz Bildwiederholfrequenz“. Das lässt natürlich aufhorchen, denn eine integrierte Sonde ist bislang nur bei den sehr hochpreisigen ColorEdge-Grafik-Displays von EIZO zu finden.

Auch der VP2776 ist Hardware-kalibrierbar und wurde als Vertreter der ColorPro-Serie von ViewSonic speziell für die visuellen Anforderungen von Weltklasse-Fotografen, Vloggern, Videoredakteuren, Animatoren und Spieledesignern entwickelt. Dazu verfügt der Pantone-validierte „Videobearbeitungsmonitor“ über ein 27 Zoll großes Nano-IPS-Panel mit WQHD-Auflösung (2560 x 1440 Pixel), das noch dazu nach VESA DisplayHDR 400 zertifiziert ist.

Das Gerät ist bereits ab Werk vorkalibriert und soll dadurch eine einwandfreie Farbwiedergabe mit einem Delta E < 2 ermöglichen. Bei der Bildhomogenität verspricht ViewSonic dank eingebauter Gleichmäßigkeitskorrektur eine Luminanzabweichung von unter 5 %.

Dank des ColorPro-Wheels soll der ViewSonic VP2776 dabei als weltweit erster professioneller Monitor eine Farbsteuerung per Fingertipp ermöglichen. Ferner soll man damit auch unmittelbar diverse Foto- und Videobearbeitungsanwendungen steuern können. Die „Backstage Light“ getaufte LED-Beleuchtung auf der Rückseite haben wir so ebenfalls noch bei keinem PC-Bildschirm gesehen.

Mit Blick auf die ebenfalls vorhandene moderne Konnektivität mit 90 Watt starkem USB-C-Eingang und KVM-Switch-Funktionalität wird der ViewSonic VP2776 zu einem wahren Tausendsassa. Der zum Zeitpunkt der Testerstellung im Onlinehandel aufgerufene Preis von 899 Euro erscheint da fast schon wie ein Schnäppchen, zumal im Lieferumfang auch noch eine magnetische Gegenlichtblende enthalten ist.

Daher haben wir uns auf diesen Test wirklich gefreut und sind gespannt, ob der ViewSonic VP2776 den EIZO-Modellen Paroli bieten kann. Eines können wir gleich vorweg verraten: Der Test ist ungewöhnlich ausführlich geworden und enthält eine Menge Hintergrunderklärungen zum Thema Hard- und Software-Kalibrierung. Somit ist der Artikel auch unabhängig vom ViewSonic VP2776 für alle interessant, die sich für Grafikmonitore interessieren.

Detaillierte Informationen zu den Ausstattungsmerkmalen und den Spezifikationen finden Sie im Datenblatt des ViewSonic VP2776.

Lieferumfang

Über den Lieferumfang des ViewSonic VP2776 kann man sich absolut nicht beklagen. Neben dem bereits in der Einleitung erwähnten ColorPro-Wheel und der magnetischen Gegenlichtblende gehören auch Kabel für Strom, USB-C, DisplayPort und den zweiten USB-Upstream vom Typ B dazu. Lediglich ein HDMI-Kabel könnte man vermissen.

Ein PDF-Handbuch, Monitor-Treiber mit Signatur und ein Standardfarbprofil kann man sich von der Produkt-Webseite des ViewSonic VP2776 herunterladen. Hier lauern aber direkt die ersten Tücken.

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Zur Installation von Monitor-Treiber und Standardfarbprofil erhält man eine EXE-Datei. Ausgewählt haben wir die Version mit Signatur. Bei der Installation beschwert sich dann aber der Virenscanner, dass ebendiese fehle. Ansonsten lief die Installation erfolgreich durch und bewirkte … nichts. Weder ein Treiber mit namentlicher Erkennung des Monitors im Gerätemanager noch ein Farbprofil wurden installiert. Dies wurde von uns auch schon bei vorherigen Tests bemängelt, leider hat sich daran bis heute nichts geändert.

Nach einiger Zeit wurde beides im Hintergrund von Windows Update automatisch installiert. Manuell anstoßen konnten wir das Update aber nicht. Zum Treiber wird dabei auch automatisch ein Standardfarbprofil mitinstalliert. Bei einem vorkalibrierten Grafikmonitor ist das höchst fragwürdig, da es je nach ausgewähltem Preset (zum Beispiel sRGB oder DCI-P3) in Farbmanagement-fähigen Anwendungen zwangsläufig zu falschen Ergebnissen führt.

Im Handbuch ist zur Gegenlichtblende und auch zum ColorPro Wheel nebst zugehöriger Software nichts zu finden. Auch das Thema Farbkalibrierung – wohlgemerkt Farb- und nicht Hardware-Kalibrierung – wird äußerst stiefmütterlich behandelt. Laut Handbuch enthält die Standardmonitorverpackung keinen Farbsensor. Vielmehr wird auf einige externe Modelle von X-Rite und Datacolor verwiesen.

Lieferumfang des ViewSonic VP2776
Lieferumfang

Auch die Funktion des ColorPro Wheel wird nach dem Auspacken schnell erkannt. Es handelt sich schlicht um eine Kombination aus herstellerspezifischem Kolorimeter und einem Anzeigegerät zur Steuerung des OSDs bzw. bestimmter Anwendungen. Letzteres gibt es bereits seit geraumer Zeit von BenQ in Form des Hotkey-Pucks – allerdings mit deutlich mehr Tasten und einem tatsächlich sehr präzisen Drehrad.

Unter einem „integrierten Farbkalibrator“ dürften die meisten Leser bzw. Käufer etwas anderes verstehen als eine externe Sonde, die gleich doppelt an den Monitor gestöpselt werden muss. Der Typ-A-Stecker verbindet das Kolorimeter, und der Micro-USB-Stecker ermöglicht erst die Bedienfunktion über das ColorPro Wheel.

ColorPro Wheel: Kombination aus Kolorimeter und Bediengerät
ColorPro Wheel: Kombination aus Kolorimeter und Bediengerät

Hinter einer Schutzkappe auf der Unterseite verbirgt sich ein „objektivbasierter Farbsensor“. Alle uns bekannten Kolorimeter verfügen wie das ColorPro Wheel über eine einfache Linse, um das Licht auf den Sensor zu bündeln. Eine Besonderheit ist uns hier nicht ersichtlich.

Zwischen dem harten äußeren Kunststoffrand und der Linse ist ein etwas breiterer Gummi-Ring eingelegt. Der sollte eigentlich für eine weiche Auflage des ColorPro Wheelssorgen, um das Display vor Kratzern zu schützen und seitlichen Lichteinfall zu vermeiden. Dazu müsste das Polster aber weiter vorstehen. So ist es vor allem unter Verwendung des Gegengewichts praktisch unmöglich, das Kolorimeter aufzulegen, ohne mit dem harten Kunststoffrand den Bildschirm zu berühren.

ColorPro Wheel: Blick auf die Linse des Kolorimeters
ColorPro Wheel: Blick auf die Linse des Kolorimeters
Kein optimaler Display-Schutz: Gummi-Auflage steht nicht weit genug vor
Kein optimaler Display-Schutz: Gummi-Auflage steht nicht weit genug vor

Optik und Mechanik

Die Montage des ViewSonic VP2776 ist einfach und schnell erledigt. Das Standbein wird zunächst mit dem bewährten Einrast- und Klicksystem auf der Display-Rückseite befestigt. Anschließend wird die Bodenplatte aufgesetzt und mit einer Flügelschraube werkzeugfrei fixiert.

Montage des Standbeins am Display
Montage des Standbeins
Monitorarm des ViewSonic VP2776
Monitorarm

An der Unterseite hat die Bodenplatte sechs kleine, kreisrunde Gummiauflagen, um ein Verrutschen bei der Bedienung der Ergonomie-Funktionen zu verhindern. Sie haben nach dem Test am Schreibtisch einen sichtbaren und schwer zu entfernenden Abrieb hinterlassen.

Oberseite des Monitorfußes
Oberseite des Monitorfußes
Fixierung von Fuß und Arm mit Flügelschraube
Fixierung von Fuß und Arm mit Flügelschraube

Die bei vielen Herstellern vorn angebrachten Aufkleber sind zwar lästig, aber üblicherweise leicht und rückstandsfrei zu entfernen. Beim ViewSonic VP2776 wurde dagegen ein „richtiger“ Kleber verwendet. Die Aufkleber ließen sich nur schwer entfernen und hinterließen einen sehr deutlichen Rückstand. Die folgende Abbildung zeigt, was noch übrig bleibt, nachdem wir ihn so gut wie möglich entfernt haben.

Klebstoffreste am Monitorgehäuse nach dem Entfernen der Aufkleber
Klebstoffreste nach dem Entfernen der Aufkleber

Am Schreibtisch aufgestellt, trägt der ViewSonic VP2776 kaum auf und wirkt eher zierlich und filigran. Neben dem schmalen Standbein mit einem recht langen Schlitz für die Kabeldurchführung trägt dazu auch das fast rahmenlose Gehäuse bei. Seitlich und oben misst der Rahmen nur ca. 2 mm. Im Betrieb kommen dann noch einmal ca. 6 mm durch ungenutzte Display-Fläche hinzu – insgesamt also ca. 8 mm. Unten ist der Rahmen knapp 2 cm breit.

Hinten ist das Gehäuse leicht angeraut und zu den Rändern hin gewölbt. Dank der beiliegenden Abdeckung für die Anschlüsse wirkt die Rückseite wie aus einem Guss – abgesehen von dem Schlitz oben. Der hat aber einen guten Grund, denn darin verbirgt sich das „Backstage Light“.

Ansicht Monitor von vorne in der höchsten Stellung
Ansicht vorn in der höchsten Stellung
Ansicht Monitor von hinten in der höchsten Stellung
Ansicht hinten in der höchsten Stellung
Ansicht Monitor von vorne in der niedrigsten Stellung
Ansicht vorn in der niedrigsten Stellung
Ansicht Monitor von hinten in der niedrigsten Stellung
Ansicht hinten in der niedrigsten Stellung

Das Design des ViewSonic VP2776 hat laut der Produkt-Webseite bereits 2021 diverse Auszeichnungen eingeheimst. Über Geschmäcker lässt sich bekanntlich trefflich streiten. Rein optisch betrachtet, kann sich das Gerät aber kaum von vergleichbaren Monitoren abheben. Ferner vertreten wir die Ansicht, dass ein gutes Design auch immer die Funktion unterstützt.

Ansicht Display mit Drehung nach links
Ansicht Drehung nach links
Ansicht Display mit Drehung nach rechts
Ansicht Drehung nach rechts

Der ViewSonic VP2776 besitzt alle üblichen Ergonomie-Einstellungen. In der Höhe lässt sich das Display um 13 cm verändern, das seitliche Verdrehen ist dagegen nur um je 30° möglich. Die Display-Neigung ist mit -3° bis +21° nicht gerade üppig. Das liegt vor allem daran, dass sich der Bildschirm bei Nutzung der Neigung auch noch in der Höhe verändert. In aufrechter Position befindet sich die Gehäuse-Unterkante bereits 9 cm über dem Schreibtisch. Bei maximaler Neigung sind es dann schon 16 cm. Gemessen an der Unterkante des am Display angezeigten Bereichs sind es sogar 18 cm.

Da man für eine ergonomische Sitzposition die maximal mögliche Neigung hier praktisch immer voll ausschöpfen dürfte, ist die Display-Höhe selbst in der niedrigsten Position für kleine Personen grenzwertig.

ViewSonic VP2776 Ansicht seitlich
Ansicht seitlich
ViewSonic VP2776 Ansicht seitlich mit maximalem Neigungswinkel nach hinten
Ansicht seitlich mit maximalem Neigungswinkel nach hinten

Der 90°-Schwenk ins Hochformat ist beim ViewSonic VP2776 ebenfalls möglich. Die Lichtschutzblende kann man so aber nicht mehr nutzen. BenQ ist bislang der einzige Hersteller, bei dem bei bestimmten Modellen im Lieferumfang auch Teile enthalten sind, um die Blende auf das Hochformat umzubauen. Bei EIZO kann man zumindest eine entsprechende Hochformat-Blende optional erwerben. Bei ViewSonic haben wir dagegen über die Produkt-Webseite keine Möglichkeit gefunden, die mitgelieferte Blende oder das ColorPro Wheel ggfls. nachzubestellen.

ViewSonic VP2776 Ansicht Pivot seitlich
Ansicht Pivot seitlich
ViewSonic VP2776 Ansicht Pivot von vorn
Ansicht Pivot von vorn

Lichtschutzblende

Die im Lieferumfang enthaltene Gegenlichtblende soll „das Umgebungslicht ausschalten, wenn in dunklen Räumen fokussiert werden muss“. Tatsächlich braucht man eine Lichtschutzhaube eben gerade in dunklen Räumen gar nicht, da es mangels Licht auch nicht zu Reflexionen und Blendungen kommen kann. Sinn hat sie vor allem in hellen Umgebungen, um Lichteinfall auf das Display von oben oder den Seiten abzuschirmen.

Im Lieferumfang des ViewSonic VP2776 enthaltene Blendschutzhaube
Im Lieferumfang enthaltene Blendschutzhaube

Dazu fällt die Blende von ViewSonic aber von Haus aus mit einer Breite von maximal 12,5 cm reichlich schmal aus. Zum Vergleich: Bei 27-Zöllern von EIZO ist die Haube oben 16,5 cm breit – und das aus gutem Grund. Die Fähigkeiten der ViewSonic-Blende, tatsächlich wirksam unerwünschten Lichteinfall vollständig abzuschirmen, sind da eher recht eingeschränkt. Wünschenswert wäre innen auch die Verwendung eines bestmöglich lichtschluckenden Materials, außen dagegen eine möglichst glatte Oberfläche, um die Blende leicht vom Staub befreien zu können.

Immerhin lässt sich die Blende von ViewSonic dank Magneten recht einfach befestigen. Richtig passgenau und stabil ist das Ganze leider dennoch nicht. Ein kleiner Rempler im Fotostudio, und schon hat man die Blende ungewollt wieder entfernt.

Montierte Blendschutzhaube von vorn
Montierte Blendschutzhaube von vorn
Montierte Blendschutzhaube von hinten
Montierte Blendschutzhaube von hinten
Montierte Blendschutzhaube von vorn mit Drehung
Montierte Blendschutzhaube von vorn mit Drehung
Montierte Blendschutzhaube von vorn mit Drehung
Montierte Blendschutzhaube von vorn mit Drehung
Montierte Blendschutzhaube von hinten mit Drehung
Montierte Blendschutzhaube von hinten mit Drehung
Montierte Blendschutzhaube von hinten mit Drehung
Montierte Blendschutzhaube von hinten mit Drehung
Manuel Findeis

... beschäftigt sich beruflich wie privat seit über 20 Jahren intensiv mit den Themen und Entwicklungen in der IT-Branche. Als freiberuflicher Autor, Testredakteur und Fotograf, kennt er die Anforderungen an ein gutes Display. Für PRAD ist er seit 2013 tätig.

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4 Gedanken zu „Test ViewSonic VP2776: 165-Hz-Monitor mit ColorPro-Wheel“

  1. Eine Frage ans Team: Ich hatte den VP2776 Mitte des Jahres hier. Mit der damaligen Firmware-Version war in den Color Modes stets ein extremer Überschärfe-Effekt aktiv der aus jeder harten Kontrastgrenze ein Relief machte. Dieser Überschärfe-Effekt ließ sich auch nicht deaktivieren. Die Color Modes waren deshalb für die Arbeit nicht geeignet weil sie das Bild enorm verfälschten.

    Haben sie wenigstens dieses Problem inzwischen in den Griff bekommen?

    Ansonsten teile ich euer Fazit – man bekommt hier (wenn man allein mal auf das verwendete Panel schaut) einen LG 27GP850 für das dreifache des Geldes mit zusätzlichen Problemen um die niemand gebeten hat.

    Antworten
    • Ein Überschärfe-Effekt mit Relief-Bildung ist uns mit freiem Auge nicht aufgefallen.
      In der Interpolations-Grafik (Gitter nativ) fällt in der 100%-Ansicht allerdings auf, dass hier neben den vertikalen Linien gestrichelte Linien daneben „gemalt“ werden, die eigentlich gar nicht vorhanden sind. Normalerweise ist hier nur das Pixelraster zu erkennen.

      Bitte dabei bedenken, dass es sich um eine Makroaufnahme handelt, die ein Pixelraster von 0,233 mm sichtbar macht. Die einzelnen Striche der gestrichelte Linie sind genauso lang, aber noch Schmäler wie ein Pixel. In der für den Test verwendeten Auflösung dieser Aufnahme ist das auch nicht mehr zu sehen – nur in der 100%-Ansicht der Originalaufnahme. Mit freiem Auge dürfte es also für niemanden ein Problem darstellen. Gut ist es andereseits aber sicher auch nicht. Im Vergleich zu den vielen anderen geschilderten Problemen aber noch das geringere Übel.

      Antworten

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