Test BenQ SW321C – Grafik-Monitor mit 16-Bit-3D-LUT

32-Zoll-Monitor mit IPS-Panel-Technologie bietet einen erweiterten Farbraum und die Möglichkeit zur Hardware-Kalibrierung

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Einleitung

Der Monitormarkt wächst unaufhörlich. Die aktuelle Corona-Krise wird diesen Trend aller Voraussicht nach nur temporär abflachen. Folgerichtig erweitert auch BenQ sein Produktportfolio stetig. Mit dem SW321C erhielten wir nun die Gelegenheit, das bereits im Herbst letzten Jahres angekündigte Spitzenmodell der PhotoVue-Reihe zu testen. Diese richtet sich an Anwender mit hohen Ansprüchen an die Farbwiedergabe. Eine Zielgruppe, die bislang eher im Produktsortiment von EIZO und NEC stöberte.

Die technischen Daten lesen sich vielversprechend. BenQ vertraut auf ein blickwinkelstabiles und immerhin 32 Zoll großes IPS-Panel, das mit 3840 x 2160 Pixeln angenehm fein (knapp 140 ppi) auflöst. Das Herzstück der internen Verarbeitungskette bildet eine 16-Bit-3D-LUT. Sie kann über eine von BenQ zur Verfügung gestellte Software (Palette Master Element) im Rahmen der Hardware-Kalibration optimiert werden.

Für den Einsatz in farbkritischen Umgebungen ist ein hoher Farbumfang von entscheidender Bedeutung. Nur so lassen sich RGB-Arbeitsfarbräume jenseits von sRGB sinnvoll nutzen sowie alle gängigen Offset-Druckbedingungen sicher reproduzieren. Es verwundert daher nicht, dass BenQ für den SW321C eine fast vollständige Abdeckung von Adobe RGB in Aussicht stellt. Daneben verspricht die Ausgleichsfunktion zur Verbesserung der Flächenhomogenität eine gleichmäßige Darstellung über das gesamte Panel.

Einsatzmöglichkeiten im Videobereich eröffnen sich durch eine LUT-Schnittstelle zu Lösungen von Portrait Displays und Light Illusion sowie die Unterstützung von Bildwiederholfrequenzen im Bereich von 24 bis 76 Hz. Eine DisplayHDR-Spezifikation der VESA bleibt dem SW321C versagt, trotzdem werden HDR10 und HLG eingangsseitig unterstützt.

Detaillierte Informationen zu den Ausstattungsmerkmalen und den Spezifikationen finden Sie im Datenblatt des BenQ SW321C.

Testumgebung

Farbmessgeräte: X-Rite i1Pro, X-Rite i1Display Pro
Grafikkarte: EVGA GeForce GTX 1080 Ti
Software: UDACT 2.4, CCalc 2.4

Lieferumfang

BenQ liefert den SW321C mit je einem Mini-DisplayPort-auf-DisplayPort-, HDMI- und USB-Typ-C-Kabel aus. Letzteres kann sowohl für die Übertragung von Bildsignalen (DisplayPort-Alternate-Mode) als auch für die USB-Datenverbindung zum Rechner genutzt werden. Ein weiteres USB-Kabel (Typ A auf Typ B) sowie das obligatorische Netzkabel komplettieren den Kabelsatz. Darüber hinaus stattet der Hersteller das Gerät mit einer durchdachten Lichtschutzblende aus: Dank zusätzlicher Teile ist eine Montage auch in Hochkant-Ausrichtung möglich. Das sieht man selten und sollte Schule machen.

Eine weitere Besonderheit ist der sogenannte Hotkey-Puck. Der Drehregler wird über einen speziellen Anschluss mit dem Monitor verbunden und findet seinen Platz auf einer Aussparung des Standfußes. Sodann kann das OSD optional über diesen Regler gesteuert werden. Eine CD enthält das Benutzerhandbuch in elektronischer Form. Neben einer Kurzanleitung wurde dem Bildschirm ein umfangreicher Kalibrationsreport beigelegt.

Optik und Mechanik

Bei Monitoren im Prosumer-Bereich zählen vornehmlich die inneren Werte. Dies bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass die Verpackung langweilig sein soll und muss. Mit der Entscheidung für ein zurückhaltendes, unauffälliges Design macht BenQ indes alles richtig. Der SW321C fügt sich wunderbar in jede Arbeitsumgebung ein, auch wenn er deutlich wuchtiger als der unlängst von uns getestete PD3220U mit seiner fast rahmenlosen Optik daherkommt. Einen Akzent setzt die blau eingefasste Kabeldurchführung des Standfußes, ansonsten dominiert dunkler Kunststoff.

Der BenQ SW321C mit Lichtschutzblende
Der BenQ SW321C mit Lichtschutzblende

Die Rahmenbreite beträgt zu den Seiten hin etwa 8 mm. Auf dem Schreibtisch beansprucht der BenQ SW321C gut 21 cm. Ohne Standfuß verbleiben rund 5 cm.

Höhenverstellung des BenQ SW321C Monitors im Detail
Höhenverstellung im Detail

Materialanmutung und Verarbeitungsqualität sind gut. Die Spaltmaße bleiben ringsherum gering. Dank massiver Basisplatte und entsprechender Standbeinkonstruktion wird der Monitor sicher auf dem Schreibtisch fixiert.

Display in der niedrigsten Stellung von vorn
Niedrigste Stellung von vorn
Display in der niedrigsten Stellung von hinten
Niedrigste Stellung von hinten
Display in der höchsten Stellung von vorn
Höchste Stellung von vorn
Display in der höchsten Stellung von hinten
Höchste Stellung von hinten

Der Regelungsbereich der Höhenverstellung umfasst gute 15 cm. In der niedrigsten Einstellung beträgt der Abstand von der Rahmenunterkante zur Tischoberfläche 5 cm. In der höchsten Position ermitteln wir 20 cm. Die maximale Neigung nach hinten wird bei 20 Grad erreicht. Eine Neigung in Gegenrichtung ist bis etwa 5 Grad möglich. Alternative Befestigungssysteme werden über die VESA-100-Verschraubung mit dem Monitor verbunden.

Maximaler Neigungswinkel des Displays nach hinten
Maximaler Neigungswinkel nach hinten
Maximaler Neigungswinke des Displays nach vorne
Maximaler Neigungswinkel nach vorne

Der Standfuß erlaubt eine Drehung um 45 Grad beide Richtungen.

Seitliche Drehung des Displays nach links
Seitliche Drehung nach links
Seitliche Drehung des Displays nach rechts
Seitliche Drehung nach rechts

Über ein Drehgelenk kann der BenQ SW321C auch in Hochkant-Ausrichtung (Pivot) betrieben werden.

Hochkant-Ausrichtung (Pivot) von vorn
Hochkant-Ausrichtung (Pivot) von vorn
Hochkant-Ausrichtung (Pivot) mit Lichtschutzblende
Hochkant-Ausrichtung (Pivot) mit Lichtschutzblende

Die im Betrieb entstehende Abwärme wird passiv über das Gehäuse mit seinen im oberen Bereich eingelassenen Lüftungsschlitzen abgeführt. Helligkeits- oder Kontrast-abhängige Störgeräusche bleiben völlig aus.

Rückseite des BenQ SW321C mit den Lüftungsschlitzen
Rückseite des BenQ SW321C mit den Lüftungsschlitzen

Stromverbrauch

Bei einer Leuchtdichte von 140 cd/m² ermitteln wir eine Effizienz von knapp 0,9 Candela pro Watt. Das ist ein durchaus ordentlicher Wert, sofern man den hohen Farbumfang der Panel-Backlight-Kombination sowie die feine Pixelmatrix berücksichtigt.

Im Energiesparmodus sinkt die Leistungsaufnahme dann auf ein erfreulich niedriges Niveau, an dem auch eine bestehende USB-Verbindung zum Rechner nichts ändert.

Hersteller Gemessen
Betrieb maximal 170 W 55,4 W
140 cd/m² k. A. 43,5 W
Betrieb minimal k. A. 26,5 W
Energiespar­modus (Standby) 0,5 W 0,4 W
Ausgeschaltet k. A. 0 W

Anschlüsse

Der BenQ SW321C nimmt Videosignale über vier Schnittstellen entgegen. Dem Benutzer stehen dabei ein DisplayPort-Eingang nach Version 1.4, zwei HDMI-Eingänge nach Version 2.0a sowie ein USB-C-Anschluss mit DisplayPort-Implementierung zur Verfügung.

Die Signaleingänge des BenQ SW321C
Die Signaleingänge des BenQ SW321C

Der seitlich integrierte USB-Hub stellt zwei Downstream-Anschlüsse nach Version 3.0 bereit. Zusätzlich wurde ein SD-Kartenleser über diese Schnittstelle angebunden. Audiosignale können via DisplayPort und HDMI eingespielt werden. Die Ausgabe erfolgt über einen Kopfhöreranschluss.

Bedienung

Die sechs Bedienelemente wurden im unteren Rahmen eingelassen. Es handelt sich erfreulicherweise um echte Tasten, die ihre Auslösung dementsprechend haptisch vermelden. Ihre Belegung wird als Teil des OSDs nach Betätigung eingeblendet.

Die Tasten zur Menüsteuerung (OSD)
Die Tasten zur Menüsteuerung

Alternativ kann der Benutzer den Hotkey-Puck verwenden. Er ermöglicht eine noch intuitivere Bedienung durch das integrierte Wählrad und drei konfigurierbare Tasten für den Schnellzugriff auf OSD-Funktionen.

Die Monitor-Hotkey-Puck-Steuerung des BenQ SW321C
Die Hotkey-Puck-Steuerung

OSD

Das OSD gliedert sich in fünf Hauptmenüpunkte. Sie ermöglichen eine umfangreiche Abstimmung der Darstellung auch abseits einer Hardware-Kalibration über Palette Master.

Über einen Helligkeitsregler wird die Intensität der Hintergrundbeleuchtung verändert. Der gewünschte Weißpunkt kann über Voreinstellungen in Kelvin oder drei RGB-Gain-Regler verändert werden. Eine Anpassung der Tonwertkurve ist über den Gamma-Regler möglich, der – und das ist leider weiterhin recht selten – sogar die zu sRGB passende Einstellung umfasst.

Gleich zehn Bildmodi beherbergen diverse Voreinstellungen. Darüber hinaus stehen drei Speicherplätze für die Hardware-Kalibration und ein Speicherplatz für benutzerdefinierte Anpassungen zur Verfügung. Hier können die verschiedenen Parameter nahezu beliebig kombiniert werden. Dazu zählen auch Farbton- und Sättigungseinstellungen. Die entsprechenden Regler befinden sich nach Rücksetzung in die Werkseinstellung nun in der Neutralstellung. Das war beim Test des SW270C und des PD3220U noch nicht der Fall und entsprechend von uns bemängelt worden.

Die Farbraum-Emulation offeriert vier fixe Ziele, darunter sRGB und Adobe RGB. Via OSD kann der native Farbumfang des BenQ SW321C leider nicht genutzt werden. Das ist erst im Rahmen der Hardware-Kalibration möglich. Eine unnötige Einschränkung für Benutzer, die den Monitor in einer Farbmanagement-fähigen Umgebung nach einer Software-Kalibration verwenden wollen.

Drei Skalierungseinstellungen erlauben die seitengerechte, flächenfüllende und unskalierte Anzeige eingehender Signale. Ein mehrstufiger Schärfefilter hebt auf Wunsch Objektkanten hervor. Zudem kann der Dynamikbereich in Bezug auf das Eingangssignal angepasst werden.

Weitere Optionen umfassen die Auswahl der Menüsprache und die Zuschaltung der Pixelbeschleunigung „AMA“ (Overdrive). Die Ausgleichsfunktion zur Verbesserung der Flächenhomogenität ist leider weiterhin zwangsaktiv. So kann der Benutzer nicht selbst zwischen maximalem Kontrastumfang und bestmöglicher Flächenhomogenität abwägen.

Die folgenden Bilder zeigen einen Ausschnitt aus der Menüstruktur des BenQ SW321C:

Menü (OSD): Signaleingang
Menü: Signaleingang
Menü (OSD): Farbeinstellungen/Farbmodus
Menü: Farbeinstellungen/Farbmodus
Menü (OSD): Farbeinstellungen/Farbtemperatur
Menü: Farbeinstellungen/Farbtemperatur
Menü (OSD): PiP-/PbP-Modus
Menü: PiP-/PbP-Modus
Menü (OSD): System/DisplayPort-Version
Menü: System/DisplayPort-Version
Menü (OSD): Controller-Key
Menü: Controller-Key

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