Test LG 32EP950: OLED-Monitor überzeugt
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Reaktionsverhalten

Das Reaktionsverhalten haben wir in nativer Auflösung bei 60 Hz am DisplayPort untersucht. Der Monitor wurde für die Messung auf die Werkseinstellung zurückgesetzt.

Bildaufbauzeit und Beschleunigungsverhalten

Die Bildaufbauzeit ermitteln wir für den Schwarz-Weiß-Wechsel und den besten Grau-zu-Grau-Wechsel. Zusätzlich nennen wir den Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte.

Der Messwert CtC (Color to Color) geht über die herkömmlichen Messungen von reinen Helligkeitssprüngen hinaus – schließlich sieht man am Bildschirm in aller Regel ein farbiges Bild. Bei dieser Messung wird deshalb die längste Zeitspanne gemessen, die der Monitor benötigt, um von einer Mischfarbe auf die andere zu wechseln und seine Helligkeit zu stabilisieren. Verwendet werden die Mischfarben Cyan, Magenta und Gelb – jeweils mit 50 % Signalhelligkeit. Beim CtC-Farbwechsel schalten also nicht alle drei Subpixel eines Bildpunktes gleich, sondern es werden unterschiedliche Anstiegs- und Ausschwingzeiten miteinander kombiniert.

Diagramm: Extrem schnelle Schaltzeiten – auch ohne Overdrive
Extrem schnelle Schaltzeiten – auch ohne Overdrive
Diagramm: Dennoch völlig neutrale Abstimmung ohne Überschwinger
Dennoch völlig neutrale Abstimmung ohne Überschwinger

Im Datenblatt wird eine Reaktionszeit von 1 ms für GtG genannt. Eine umschaltbare Overdrive-Funktion bietet LG für sein reaktionsschnelles OLED-Display nicht an. Und die wird wahrlich auch nicht benötigt. Die Grafik spricht für sich.

Ab Werk treten bei praktisch allen GtG-Übergängen absolut vernachlässigbare Reaktionszeiten von rund 0,1 ms auf (rise time/fall time). Auch kritische Farbübergänge werden dem Auge mit rund 0,1 ms CtC-Schaltzeiten nahezu direkt angeliefert. Trotzdem entstehen keine nennenswerten Überschwinger im Signalverlauf.

Das Schaltzeitendiagramm zeigt unter anderem, wie sich verschiedene Helligkeitssprünge addieren, wie schnell der Monitor in der Werkseinstellung im besten Fall reagiert und von welcher mittleren Reaktionszeit ausgegangen werden kann.

Netzdiagramme

In den folgenden Netzdiagrammen sehen Sie alle Messwerte zu den unterschiedlichen Helligkeitssprüngen unserer Messungen im Überblick. Im Idealfall würden sich die grünen und die roten Linien eng am Zentrum befinden. Jede Achse repräsentiert einen im Pegel und in der Dynamik definierten Helligkeitssprung des Monitors, gemessen über Lichtsensor und Oszilloskop.

60 Hz (ohne Overdrive)
60 Hz (ohne Overdrive)

Latenzzeit

Es ergibt leider wenig Sinn, allzu lange über die fantastischen Reaktionszeiten des LG 32EP950 zu schwadronieren. Zumindest für Spieler ist die Latenzzeit entscheidend. Auch da zeigt die Grafik zu den Reaktionszeiten bereits, wo „der Hund begraben liegt“.

Denn hier kommt auch noch die Signalverzögerung ins Spiel. Die Latenzzeit berechnet sich als Summe der Signalverzögerungszeit und der halben mittleren Bildwechselzeit. Die halbe mittlere Bildwechselzeit ist mit 0,1 ms zwar exorbitant gut, die Signalverzögerung bringt den LG 32EP950 dann mit 18,8 ms wieder auf den Boden des gewöhnlichen Allrounders zurück. Insgesamt macht das 18,9 ms.

Das macht den LG 32EP950 zu einem passablen, aber am Ende doch keinen besonders reaktionsschnellen Gaming-Monitor. Immerhin treten dabei jedoch keinerlei Einbußen bei der Bildqualität aufgrund eines überzogenen Overdrives auf.

Backlight

Das Hintergrundlicht des Monitors wird abhängig von der eingestellten Helligkeit gepulst. Bei der PWM-Ansteuerung leuchten die Leuchtdioden normalerweise bei 100 % Helligkeit durchgängig. Erst bei niedrigeren Helligkeitsstufen werden die LEDs dann für kurze Zeit ausgeschaltet, was von empfindlichen Personen manchmal als Flackern wahrgenommen wird.

Diagramm: LED-Backlight mit PWM
LED-Backlight mit PWM
Diagramm: LED-Backlight mit PWM im HDR-Betrieb
LED-Backlight mit PWM im HDR-Betrieb

Bei der OLED-Ansteuerung des LG 32EP950 kommt es selbst bei maximaler Helligkeitsstufe zu winzigen Signalunterbrechungen, die bei Minimalhelligkeit eher geringer ausfallen. Diese Signalunterbrechungen liegen aber weit unter 0,5 ms (typisch: 0,1 ms) und sollten somit für das Auge absolut unsichtbar bleiben. Die Unterbrechungen erzeugen bei Frequenzen oberhalb von 130 Hz auch keinerlei Flackern. Somit ist der Monitor selbst bei reduzierter Helligkeit für ein längeres Arbeiten geeignet.

Sound

Der LG 32EP950 wird unter Windows 10 als Audio-Wiedergabegerät erkannt und kann daher Tonsignale über alle Signaleingänge entgegennehmen. Selbstständig wiedergeben kann er sie aber nicht, da das flache Gehäuse keine Lautsprecher integriert hat. Die Wiedergabe ist somit nur am Kopfhörerausgang möglich.

DVD und Video

HD-Zuspieler wie Blu-ray-Player, HDTV-Empfänger und Spielekonsolen können direkt an die HDMI-Buchse des LG 32EP950 angeschlossen werden, der Ton wird an den Kopfhörerausgang weitergeleitet. Beim Anschluss eines PCs klappt die Tonausgabe auch via DisplayPort einwandfrei.

Im Unterhaltungsbereich bzw. bei der Filmwiedergabe kann der LG 32EP950 so richtig auftrumpfen. Die Erwartungen an ein OLED-Display waren hoch und wurden nicht enttäuscht. Bereits im SDR-Betrieb bekommt man eine Bildqualität geliefert, die bereits irgendwie HDR-artig wirkt. Das liegt daran, dass das Modell auch im HDR-Betrieb weniger mit hohen Spitzenhelligkeiten glänzen kann, sondern seinen Dynamikumfang vor allem durch ein echtes Schwarz erzeugt. Dieser hohe native Kontrast wird natürlich auch im SDR-Betrieb sichtbar.

Das satte Schwarz fällt dabei nicht in größeren schwarzen Flächen positiv auf, sondern generell in ganz normalen, gemischten Szenen. Dank der selbstleuchtenden Pixel werden die Detailkontraste erst richtig perfekt herausgearbeitet. Dadurch wirken die Szenen in einer Klarheit, die man sonst so nicht zu sehen bekommt. Schwierige Szenen wie z. B. das Weltall mit kleinen, leuchtenden Sternen sind die besondere Stärke des OLED-Displays und wirken fast dreidimensional.

Dabei ist es nicht nur der Schwarzwert, sondern sicher auch die Leuchtkraft der einzelnen Pixel, die in Verbindung mit dem riesigen Farbraum für brillante Bilder sorgt. Selbstverständlich muss man bei Cinemascope-Filmen in den schwarzen Balken keine ablenkenden Aufhellungen befürchten. Sie sind extrem dunkel und vor allem bis in die Ecken völlig gleichmäßig. Im Vergleich zu einem komplett schwarzen Bild scheint hier aber noch eine minimale Aufhellung vorhanden zu sein.

Am HDMI-Eingang kann natürlich auch eine Farbtiefe von 12 bbc entgegengenommen werden – allerdings nur bei Bildwiederholfrequenzen von 30 Hz und darunter. Die 24p-Wiedergabe beherrscht der LG 32EP950 ebenfalls. Lange Kamerafahrten und -schwenks wirken damit sehr flüssig.

12 KOMMENTARE

  1. Der Tester hat den Monitor mit einem Windows PC getestet – wie funktioniert der denn mit einem Apple M1 Max und MacOS ???

  2. Nutze aktuell ein EV2736 und EV2750.
    Mir ist eine möglichst gute Entspiegelung wichtig.

    Im Test steht „mattiert und entspiegelt“
    Auf den Unboxing Videos die ich mir angeschaut habe, waren zwar eine matte Oberflächse zu sehen, die aber trotzdem deutliche Spiegelbilder gezeigt hat …
    Auch das Microskopbild zeigt eigentlich nix was nach mattiert aussieht.

    Wie muss ich das einordnen ?

    • Wenn Du Dir auf der ersten Seite des Tests die beiden Bilder in schräger Position ansiehst, dann siehst Du die Entspiegelung ziemlich gut.

      Ich selber habe leider noch keine eigene Erfahrung mit einem solchen Display sammeln können. Es ist kein glossy Panel, das Du als Schminkspiegel nutzen kannst. Aber es ist eben auch nicht so entspiegelt, dass man faktisch keine Spiegelungen auf dem Bildschirm wahrnimmt. Irgendwo dazwischen.

  3. Teils sehr ausführlicher Test, danke.

    Wer Bildqualität auf Niveau eines Oled-TV erwartet wird hier enttäuscht. Das bietet der Monitor nicht.
    Schuld daran ist das billige matte coating.
    Ein aktueller kalibrierter Oled-TV von LG, Panasonic und co. bietet dank hochwertigerem und teurerem bonding glas + etched AR-Coating die bessere Bildqualität. Und das für teils die Hälfte der 3250 €.
    Hätten LG und JOLED dem Kunden für satte 3250 € was bieten wollen, hätten sich hochwertiges etched AR-coating verbaut. Anstatt störender großer, zerstreuter Glanzlichter am Display wären es deutlich klarere dafür aber auch deutlich kleinere! Das kann man auch 8 Std. am Arbeitsplatz verkraften.
    Das starke Plus an Bildqualität oben drauf.
    Die Hersteller bei TVs, Smartphones und co. machen es vor.

    • „hochwertiges etched AR-coating verbaut. Anstatt störender großer, zerstreuter Glanzlichter am Display wären es deutlich klarere dafür aber auch deutlich kleinere! Das kann man auch 8 Std. am Arbeitsplatz verkraften.“

      Eine Hochwertige Entspiegelung ist eine möglichst starkes diffuses zersteuen bei möglichs wenig Kontrastverlußt …

      „AR-coating“ reduziert nur die Helligkeit der Refelktion, Ist aber keine Enspiegelung im eigentlichen Sinn.
      Das macht man nur weil es speziell ausgeschaltet besser aussieht und keinen so großen Konstrastverlusst hat. Das Bild sieht etwas knackiger aus.

      Für das Ermüdungfreie arbeiten ist eine diffuses zersteuen aber viel besser, das das Auge so nicht abgelenkt wird weil es auf keine erkennbaren Konturen fokusieren kann. Die zerstreuter Glanzlichter sind dann zwar ein größerer Bereich aber insgesammt reduzieren sie weniger den Gesammtkontrast.

      Deswegen werden bessere Büro/PC Monitore matt und möglichst diffus entspiegelt.

  4. Mich hat der mangelnde Kontrast von IPS- und VA-Displays schon immer gestört und habe daher nie verstanden warum denen häufig 5/5 Punkten in dieser Disziplin attestiert wurden und habe dies hier auch kund getan. Jetzt hat Prad keine Luft mehr nach oben und kann ein Display, dessen Kontrast 1.000 Mal besser und ist und „andere Panel-Technologien bei Kontrast weit hinter sich lasst“ nicht besser bewerten.

    Gut gemacht Prad.

    • Nun vorsichtshalber Luft nach oben zu lassen, weil dann irgendwann eine neue Technologie kommt, das finde ich auch nicht so sinnvoll. Aber sollten sich die OLED-Monitore etablieren, passen wir unser Bewertungssystem entsprechend an.

      • Ja, Sie Redaktion bei Prad und euer Bewertungssystem.
        Glaubwürdigkeit ist für mich ist teils lange dahin, siehe kritische Kommentare https://www.prad.de/testberichte/test-asus-pg32uqx-hdr-in-perfektion-dank-displayhdr-1400/
        https://www.prad.de/testberichte/test-asus-pg279qm-g-sync-gaming-monitor-mit-reflex-latency-analyzer/

        Die Tests die sie hier seit Jahren veröffentlichen sind größtenteils/teils Test ohne echte Kritik and Bildqualität, Materialwahl, Aktualität bei Eigenschaften der Geräte etc. (da man Hersteller und Beziehungen nicht aufs Spiel setzen möchte), somit biased (voreingenommen, parteiisch), somit schlussfolgernd teils gekauft (das ergibt sich daraus. Im Endeffekt sind alle Tests mit geliehen Testexemplaren so, aber hier wird dies bei der Bewertung deutlich), seit Jahren das Bewertungssystem auf niedrigem nicht forderndem Niveau (miese Qualität) gelassen, blos weil man so weiterhin altbackene und überteuerte LCD-Produkte weiterhin gut bewerten kann, damit es nicht auffällt das TV, Smartphone Industrie die LCD-Monitor Industrie in Sachen Bildqualität längst überrundet hat.

        Sie hätten all die Jahre einfach ehrlicher sein können. Oder kritisiert man heute aus Befangenheit keine Kleinwagen welche Jahre hinterherhinken und 15 L/100 km schlucken?
        Natürlich tut man dies, weil sich das Auto aktuellen Vergleichen stellen muss.
        Tja, nur bei ihnen muss sich seit Jahren kein LCD-Monitor solchen Vergleichen stellen, sondern bleibt brav im alten Ökosystem. Weil es halt passt ….

  5. Vielen Dank für den ausführlichen Test.

    Das Thema: 32″-Ersatz für meinen bisherigen DTP-Monitor treibt mich ja immer noch um und nach unserem letzten Austausch war ich ja auch auf der EIZO-Schiene angekommen bzw. der Überzeugung der Marke doch besser treu zu bleiben.
    … bis ja nun doch endlich die OLED Fraktion am Horizont auftauchte und einen Generationswechsel einläutet.
    Da mag man nicht mehr so hochpreisig auf ein „altes Pferd“ setzen.

    Schade dass der LG im Bereich der Farbstabilität nicht das hält, was er verspricht, aber Asus steht ja auch schon mit integriertem Kolorimeter mit dem PA32DC in den Startlöchern.
    Zur Not harre ich dann noch eine Modellgeneration aus. 😉

  6. Über 3000 Schleifen wollen die dafür sehen, soso. Tausend Euro könnte ich noch verstehen, OLED-Panels sind nun mal teurer als LCD-Panels. Aber 3000 Euro ist nur noch komplett abgehoben. Für das Geld kann ich mir zwei 55″ 4K-OLED-Fernseher nebeneinander hinstellen…

    • In dem Bereich den der Monitor mit seinem Farbraum bedient und dann noch gleichzeitig als erster eine komplett neue Grundtechnik einführt hatte ich weit mehr als 3.000 € nach der Ankündigung befürchtet.
      LG ist in dem Segment eher der Billigheimer …

      • „In dem Bereich den der Monitor mit seinem Farbraum bedient und dann noch gleichzeitig als erster eine komplett neue Grundtechnik einführt“ das widerspricht in keiner Weise dem was CiTay geschrieben hat und macht es nicht unwahr. Es sind blos zwei Ansichten: Was der Konsument möchte und was die Hersteller möchten.

        LG Displays Panelpreise purzeln 2021 weiterhin. Und deren Panels sind viel größer = kosten mehr.
        Selbst wenn man Joled andere Oled-Technik mit einkalkuliert, die geringere Absatzmenge etc. rechtfertigt dies keine 3200 €.
        Und die Kosten für das Material eines Oled-TV mit hochwertigeren Materialen und z.B. teurerem Glaspanel + hochwertigerem AR-Coating sind weitaus teurer als der Plastikbomber mit billigem mattem coating hier.

        Einsatzzweck rechtfertigt den Preis auch nicht. Soll LG bei den TV-Oleds nun auch „Für Professionelle“ schreiben und 5000 € verlangen? Genauer genommen können sie das, denn nach der Kalibration kann man auch einen Oled-TV für professionelle Bildbearbeitung benutzen. Oled ist diesbezüglich nahezu perfekt, solange die Homogenität mitspielt.
        2021 Panasonic Oled-TVs zeigen es.
        Da ist kein Platz mehr für LCD, Eizo und co. und die Aufteilung zwischen Konsumentengeräte und Profis.
        Der LG Monitor hier ist überteuert. Aus Konsumentensicht, mit den Alternativen am Markt, muss sich dieser Monitor einem Preis-Vergleich stellen, und hier versagt er total. Das Gerät hat höchstens 1 – 1,5k zu kosten.
        Die Hersteller wollen hingegen Marge einholen und Forschung und Entwicklung bezahlen.

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