Test ViewSonic VP2768a: Beeindruckende Bildhomogenität
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Zusammenfassung der Kalibrierung und Bildqualität

Die Aufgabe eines Produkt-Reviews ist es eigentlich nicht, die Weiten des Alls, Pardon, eines Testgerätes zu erforschen. Erst recht sollte das der Anwender nicht tun müssen, um sein Display zu verstehen und das Beste für seine Zwecke herauszuholen.

Aufgrund der vielen Optionen und der nicht optimalen Dokumentation bzw. Support-Aussagen waren wir gezwungen, eine Vielzahl an Messungen durchzuführen, um den Fähigkeiten des Gerätes auf die Schliche zu kommen.

Ferner wäre es unfair, einfach nur die jeweils besten Ergebnisse herauszupicken und dann in die Gesamtwertung zu übernehmen. Während beispielsweise die CG-Serie von EIZO eine exorbitant gute Bildhomogenität auch mit einem sehr guten Kontrast, Topwerten bei der Farbgenauigkeit und einer astreinen Graubalance verbinden kann, heißt es beim ViewSonic VP2768a entweder oder.

Daher möchten wir für unsere Leser die Ergebnisse hier noch einmal möglichst knapp zusammenfassen:

Die Bildhomogenität kann sowohl mit Option zur Gleichförmigkeitskorrektur bei der Hardware-Kalibrierung als auch mit dem Schalter im OSD auf ein ausgezeichnetes Niveau gebracht werden. Der Schalter im OSD kann aber nur in bestimmten Bildmodi verwendet werden und führt zu einer deutlichen Reduzierung der Kontrastwerte.

Die Hardware-Kalibrierung führt generell zu einer leichten Verringerung des Kontrastes – erst recht mit aktivierter Gleichförmigkeitskorrektur. Die Reduzierung bleibt aber selbst dann noch in einem akzeptablen Rahmen. Ferner können hier Farbraumabdeckung, Farbgenauigkeit und Graubalance erwartungsgemäß erheblich verbessert werden – auch für die Videobearbeitung.

Für die Farbgenauigkeit und die Graubalance scheint es bei der Hardware-Kalibrierung keinen Unterschied zu machen, ob man die Gleichförmigkeitskorrektur verwendet oder nicht. Die Ergebnisse sind in dieser Hinsicht im Rahmen der Messgenauigkeit identisch.

Unsere Messungen lassen dennoch vermuten, dass die Fähigkeiten zur Hardware-Kalibration beim ViewSonic VP2768a enge Grenzen haben. Mit dem nativen Farbraum, der Standard-Tonwertkurve und D65 fährt man vermutlich am besten.

sRGB-Modus mit GL sRGB-Modus ohne GL SKL HKL, ohne GL HKL, mit GL
Kontrast 400:1 1000:1 1000:1 850:1 700:1
Bildhomogenität (Helligkeitsverteilung) ++ +/- +/- +/- ++
Bildhomogenität (Farbreinheit) ++ + + + ++
Nach der Kalibration (sRGB) + + + ++ ++

GL = Gleichförmigkeitskorrektur, SKL = Software-Kalibrierung, HKL = Hardware-Kalibrierung

Update 18.03.2021: Im Vergleich zu der auf X-Rite basierenden Colorbration-Software hat Colorbration+ zwei Vorteile. Der normale Durchlauf ist mit 2,5 Minuten (statt 13 Minuten) erheblich schneller, und die Anwendung kann auch mit Kolorimetern von Datacolor verwendet werden.

Die Gleichförmigkeitskorrektur ist dagegen deutlich zeitaufwendiger, da alle Felder doppelt gemessen werden müssen. Dabei wird ferner nur die Helligkeitsverteilung berücksichtigt. Diese kann von einem zufriedenstellenden auf ein sehr gutes Niveau gebracht werden. Exzellent wie zuvor mit Colorbration (X-Rite) wird sie aber nicht. Die Farbhomogenität wird außerdem gar nicht verbessert.

Die Farbabweichungen sind auf einem ähnlichen Niveau, die Farbraumabdeckung fällt geringer aus – egal ob man auf den nativen Farbraum oder die sRGB-Norm kalibriert. Vor allem aber sinkt hier der Kontrast dramatisch von 1000:1 auf 400:1, wenn man die Gleichförmigkeitskorrektur verwendet. Das kann Colorbration (X-Rite) doch erheblich besser.

Daher empfehlen wir allen Nutzern mit X-Rite-Kolorimetern, auch die Software Colorbration zu verwenden, um das in der Gesamtwertung gezeigte Niveau tatsächlich zu erreichen. Nutzern mit Datacolor-Kolorimetern bleibt keine andere Wahl als auf Colorbration+ zu setzen. (Ende Update)

Reaktionsverhalten

Das Reaktionsverhalten haben wir in nativer Auflösung bei 60 Hz am DisplayPort untersucht. Der Monitor wurde für die Messung auf die Werkseinstellung zurückgesetzt.

Bildaufbauzeit und Beschleunigungsverhalten

Die Bildaufbauzeit ermitteln wir für den Schwarz-Weiß-Wechsel und den besten Grau-zu-Grau-Wechsel. Zusätzlich nennen wir den Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte.

Der Messwert CtC (Color to Color) geht über die herkömmlichen Messungen von reinen Helligkeitssprüngen hinaus – schließlich sieht man am Bildschirm in aller Regel ein farbiges Bild. Bei dieser Messung wird deshalb die längste Zeitspanne gemessen, die der Monitor benötigt, um von einer Mischfarbe auf die andere zu wechseln und seine Helligkeit zu stabilisieren. Verwendet werden die Mischfarben Cyan, Magenta und Gelb – jeweils mit 50 % Signalhelligkeit. Beim CtC-Farbwechsel schalten also nicht alle drei Subpixel eines Bildpunktes gleich, sondern es werden unterschiedliche Anstiegs- und Ausschwingzeiten miteinander kombiniert.

Im Datenblatt wird eine Reaktionszeit von 5 ms für GtG genannt. Eine dreistufige Beschleunigungsoption (Overdrive) ist vorhanden. Hier gibt es die Stellungen „Standard“, „Erweitert“ und „Ultraschnell“. Als Standardwert ist „Standard“ voreingestellt.

60 Hz, Overdrive „Standard“

In der Werkseinstellung „Standard“ erreichen die Reaktionszeiten nur befriedigende Werte. Wir messen den Schwarz-Weiß-Wechsel mit 15,6 ms und den schnellsten Grauwechsel mit 14,6 ms. Der Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte beträgt 22,7 ms. Der CtC-Wert ist mit 22 ms für Spiele noch stark verbesserungsbedürftig.

Überschwinger sind keine zu beobachten, die Abstimmung ist sehr neutral.

Das Schaltzeitendiagramm zeigt unter anderem, wie sich verschiedene Helligkeitssprünge addieren, wie schnell der Monitor in der Werkseinstellung im besten Fall reagiert und von welcher mittleren Reaktionszeit ausgegangen werden kann.

Diagramm: 60 Hz (Overdrive „Standard“): langsame Schaltzeiten
60 Hz (Overdrive „Standard“): langsame Schaltzeiten
Diagramm: 60 Hz (Overdrive „Standard“): keine Überschwinger
60 Hz (Overdrive „Standard“): keine Überschwinger

60 Hz, Overdrive „Erweitert“

In der mittleren Overdrive-Stufe tut sich beim Schwarz-Weiß-Wechsel (15,6 ms) und beim Grauwechsel (14,2 ms) noch nicht viel. Eine spürbare Verkürzung sehen wir erst beim Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte (15,6 ms). Auch der CtC-Wert liegt mit 12,4 ms jetzt in einem ordentlichen Bereich.

Nennenswerte Überschwinger treten auch hier nicht auf.

Diagramm: 60 Hz (Overdrive „Erweitert“): ordentliche Schaltzeiten
60 Hz (Overdrive „Erweitert“): ordentliche Schaltzeiten
Diagramm: 60 Hz (Overdrive „Erweitert“): keine nennenswerten Überschwinger
60 Hz (Overdrive „Erweitert“): keine nennenswerten Überschwinger

60 Hz, Overdrive „Ultraschnell“

Der Sprung von „Erweitert“ auf das vielversprechende „Ultraschnell“ bringt überraschenderweise in fast allen Messungen sogar eine leichte Verschlechterung.

Den Schwarz-Weiß-Wechsel messen wir mit 19,2 ms und den schnellsten Grauwechsel mit 14,8 ms. Der Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte beträgt 17,1 ms. Lediglich der CtC-Wert bleibt mit 12,4 ms unverändert.

An der Neutralität der Abstimmung ändert sich dagegen nichts. Die höchste Overdrive-Stufe hat aufgrund der Verschlechterung aber keinen Sinn. Die mittlere Overdrive-Stellung „Erweitert“ ist im Grunde für alle Einsatzarten die optimale Wahl.

Diagramm: 60 Hz (Overdrive „Ultraschnell“): leicht verschlechterte Schaltzeiten
60 Hz (Overdrive „Ultraschnell“): leicht verschlechterte Schaltzeiten
60 Hz (Overdrive „Ultraschnell“): keine nennenswerten Überschwinger
60 Hz (Overdrive „Ultraschnell“): keine nennenswerten Überschwinger

Netzdiagramme

In den folgenden Netzdiagrammen sehen Sie alle Messwerte zu den unterschiedlichen Helligkeitssprüngen unserer Messungen im Überblick. Im Idealfall würden sich die grünen und die roten Linien eng am Zentrum befinden. Jede Achse repräsentiert einen im Pegel und in der Dynamik definierten Helligkeitssprung des Monitors, gemessen über Lichtsensor und Oszilloskop.

Diagramm: 60 Hz, Overdrive "Standard"
60 Hz, Overdrive „Standard“
Diagramm: 60 Hz, Overdrive "Erweitert"
60 Hz, Overdrive „Erweitert“
Diagramm: 60 Hz, Overdrive "Ultraschnell"
60 Hz, Overdrive „Ultraschnell“

Latenzzeit und subjektive Beurteilung

Die Latenz ist ein wichtiger Wert für Spieler, wir ermitteln sie als Summe der Signalverzögerungszeit und der halben mittleren Bildwechselzeit. Beim ViewSonic VP2768a messen wir mit 5,2 ms eine sehr kurze Signalverzögerung. Die halbe mittlere Bildwechselzeit ist mit 8,3 ms ebenfalls recht ordentlich. Insgesamt macht das 13,5 ms.

Backlight

Die Hintergrundbeleuchtung des ViewSonic VP2768a arbeitet mit W-LED und leuchtet kontinuierlich. Der Vergleich im Diagramm zeigt: Sowohl bei voller als auch bei reduzierter Einstellung der Helligkeit wird der Lichtstrom nicht unterbrochen, wie das bei PWM-Backlights der Fall wäre. Somit ist der Bildschirm selbst bei reduzierter Helligkeit für längeres Arbeiten geeignet.

Diagramm: LED-Backlight mit kontinuierlicher Helligkeitsregelung
LED-Backlight mit kontinuierlicher Helligkeitsregelung

7 KOMMENTARE

  1. Hallo, kann ich damit rechnen, dass die 4K-Version (VP2758a-4K) ähnliche Werte aufweist?
    Das z.B. Die Werte der Bildhomogenität, Ausleuchtung etc. nahe beieinander liegen oder ist das nicht möglich, da ein anderes Panels verbaut ist?

  2. Schade das kein DVI Eingang vorhanden ist.
    Meine Grafikkarte bietet nur 2x DVI und mini HDMI.
    Gibt es einen gleichwertigen Monitor mit DVI bzw. würde ein mini HDMI auf HDMI Adapter ohne Qualitätseinbusse funktionieren.

    • Neue Modelle setzen auf USB-C, DisplayPort oder HDMI. DVI ist ein aussterbender Anschluss. Ich würde mir überlegen eine neue Grafikkarte zu erwerben.

  3. Wenn der Bildschirm senkrecht steht, sind es ziemlich genau 6 cm. Der VP2768a lässt sich also vergleichsweise sehr weit absenken. Es gibt wenig Monitore, die sich noch niedriger einstellen lassen. Beispiele wären die CS- und CG-Serie von EIZO, die sich bis auf den Drehteller absenken lassen. In welchen Anwendungsfällen ist das von Belang?

  4. Wie hoch ist der Abstand zwischen Tisch und der Unterkante vom Bildschirm in der niedrigsten Einstellung?
    In einigen Reviews wurde dies kritisiert, da man ihn nicht weit genug nach unten positionieren kann.
    Vielen Dank.

    • Wenn der Bildschirm senkrecht steht, sind es ziemlich genau 6 cm. Der VP2768a lässt sich also vergleichsweise sehr weit absenken. Es gibt wenig Monitore, die sich noch niedriger einstellen lassen. Beispiele wären die CS- und CG-Serie von EIZO, die sich bis auf den Drehteller absenken lassen. In welchen Anwendungsfällen ist das von Belang?

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