Test iiyama XUB2792UHSU-B1 – Ausgezeichneter Allrounder
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Reaktionsverhalten

Der iiyama XUB2792UHSU besitzt ein planes Display, das mit einer Bildrate von bis zu 60 Hz angesteuert werden kann. Wir haben den Monitor in der nativen Auflösung bei 60 Hz am DisplayPort-Anschluss untersucht. Der Proband wurde für die Messung auf die Werkseinstellung zurückgesetzt.

Bildaufbauzeit und Beschleunigungsverhalten

Die Bildaufbauzeit ermitteln wir für den Schwarz-Weiß-Wechsel und den besten Grau-zu-Grau-Wechsel. Zusätzlich nennen wir den Durchschnittswert für unsere 15 Messpunkte.

Der Messwert Color to Color (CtC) geht über die herkömmlichen Messungen von reinen monochromatischen Helligkeitssprüngen hinaus, schließlich sieht man am Bildschirm in aller Regel ein farbiges Bild. Bei dieser Messung wird deshalb die längste Zeitspanne gemessen, die der Monitor benötigt, um von einer Mischfarbe auf die andere zu wechseln und seine Helligkeit zu stabilisieren.

Verwendet werden die Mischfarben Cyan, Magenta und Gelb – jeweils mit 50 % Signalhelligkeit. Beim CtC-Farbwechsel schalten also nicht alle drei Subpixel eines Bildpunktes gleich, sondern es werden unterschiedliche Anstiegs- und Ausschwingzeiten miteinander kombiniert.

Im Datenblatt des iiyama XUB2792UHSU nennt der Hersteller eine Reaktionszeit von 4 ms für einen Grau-zu-Grau-Wechsel (GtG). Der Monitor bietet eine vierstufige Overdrive-Einstellung mit den Einstellungsmöglichkeiten „Aus“, „1“, „2“ und „3“. In der Werkseinstellung ist Overdrive deaktiviert.

60 Hz, Overdrive „Aus“

Die in der Werkseinstellung deaktivierte Pixelbeschleunigung hat einen langsamen Bildaufbau zur Folge. Wir ermitteln den Schwarz-Weiß-Wechsel mit 14,4 ms, für den schnellsten Grauwechsel benötigt der Monitor genauso lange. Der Durchschnittswert für alle unsere 15 Messpunkte beträgt sehr langsame 21,3 ms. Der CtC-Wert liegt bei 18,4 ms. Der Helligkeitsverlauf (GtG 80–50 %) ist neutral, und die entsprechende Helligkeit wird schnell erreicht.

Daigramm: Langsame Schaltzeiten bei deaktivierter Pixelbeschleunigung
Langsame Schaltzeiten bei deaktivierter Pixelbeschleunigung
Diagramm: Neutrale Abstimmung beim Helligkeitsverlauf
Neutrale Abstimmung beim Helligkeitsverlauf

60 Hz, Overdrive „2“

Ein ganz anderes Resultat zeigt sich, wenn Overdrive auf „2“ eingestellt wird. Die Schaltzeiten des iiyama XUB2792UHSU verkürzen sich signifikant. Der Schwarz-Weiß-Wechsel ist mit 12 ms zwar nur geringfügig schneller, dafür erreicht der schnellste Grauwechsel nun 6 ms, was mehr als doppelt so schnell wie bei deaktiviertem Overdrive ist. Der Durchschnittswert für alle unsere 15 Messpunkte liegt jetzt bei 10,5 ms. Der CtC-Wert verbessert sich deutlich und beträgt nun flotte 5,2 ms. Die stark beschleunigten Schaltzeiten fordern aber ihren Tribut, und Überschwinger im Helligkeitsverlauf sind die Folge. Die negativen Auswirkungen auf die Bildqualität halten sich jedoch noch in Grenzen.

Diagramm: Stark beschleunigte Schaltzeiten mit Overdrive „2“
Stark beschleunigte Schaltzeiten mit Overdrive „2“
Diagramm: Noch akzeptable Überschwinger im Helligkeitsverlauf
Noch akzeptable Überschwinger im Helligkeitsverlauf

60 Hz, Overdrive „3“

Wird die höchste Pixelbeschleunigungsstufe aktiviert, verkürzen sich die Schaltzeiten noch weiter, jedoch mit dem Nachteil, dass der Helligkeitsverlauf noch etwas mehr an Neutralität verliert. Allerdings hat iiyama zumindest bei der Beschleunigung nicht maßlos übertrieben, unsere Grafik wird immerhin nicht gesprengt. Der Schwarz-Weiß-Wechsel beträgt 12,4 ms und ist damit sogar 0,4 ms langsamer als mit Overdrive „2“. Den schnellsten Grauwechsel schafft der XUB2792UHSU in 5,4 ms. Der Durchschnittswert für alle 15 Messpunkte liegt bei 10,1 ms, und der CtC-Wert verringert sich auf 3,6 ms.

Diagramm: Minimal schnellere Schaltzeiten mit Overdrive „3“ im Vergleich zu Overdrive „2“
Minimal schnellere Schaltzeiten mit Overdrive „3“ im Vergleich zu Overdrive „2“
Diagramm: Starke Überschwinger im Helligkeitsverlauf als Folge der Pixelbeschleunigung
Starke Überschwinger im Helligkeitsverlauf als Folge der Pixelbeschleunigung

Netzdiagramme

In den folgenden Netzdiagrammen sehen Sie alle Messwerte zu den unterschiedlichen Helligkeitssprüngen unserer Messungen im Überblick. Im Idealfall befinden sich die grünen und roten Linien eng am Zentrum. Jede Achse repräsentiert einen in dem Pegel und der Dynamik definierten Helligkeitssprung des Monitors, gemessen über Lichtsensor und Oszilloskop.

Diagramm: Reaktionszeiten mit Overdrive „Aus“ bei 60 Hz
Reaktionszeiten mit Overdrive „Aus“ bei 60 Hz
Diagramm: Reaktionszeiten mit Overdrive „3“ bei 60 Hz
Reaktionszeiten mit Overdrive „3“ bei 60 Hz
Diagramm: Reaktionszeiten mit Overdrive „2“ bei 60 Hz
Reaktionszeiten mit Overdrive „2“ bei 60 Hz

Latenzzeit

Die Latenz ist ein wichtiger Wert für Spieler, wir ermitteln sie als Summe der Signalverzögerungszeit und der halben mittleren Bildwechselzeit.

Beim iiyama XUB2792UHSU messen wir bei 60 Hz unabhängig von der Overdrive-Einstellung eine Latenzzeit von 9,5 ms. Die halbe mittlere Bildwechselzeit beträgt bei deaktivierter Pixelbeschleunigung 10,7 ms, mit Overdrive „2“ verkürzt sich der Wert um die Hälfte auf 5,3 ms. Mit Overdrive „3“ sind es noch 5,1 ms.

Die Durchschnittswerte für die mittlere Gesamtlatenz betragen somit bei deaktivierter Pixelbeschleunigung 20,2 ms, mit Overdrive „2“ 14,8 ms und mit Overdrive „3“ 14,6 ms.

Obwohl es sich beim iiyama XUB2792UHSU nicht um einen Gaming-Monitor handelt, sind dieses Ergebnis wie auch das Reaktionsverhalten überzeugend. Das Display muss sich auf diesem Gebiet nicht vor der Konkurrenz verstecken. Es gibt zwar Überschwinger im Helligkeitsverlauf, aber in der Praxis fallen diese noch nicht störend auf.

Hintergrundbeleuchtung

Die Hintergrundbeleuchtung des iiyama XUB2792UHSU arbeitet mit „White LED“. Das Hintergrundlicht des Monitors wird nicht durch Pulsbreitenmodulation (PWM) reduziert, deshalb entstehen auch keine Unterbrechungen im Lichtstrom (Flackern). Somit ist das Gerät auch bei reduzierter Helligkeit für längere Sessions geeignet.

Diagramm: LED-Backlight ohne PWM-Helligkeitsregelung
LED-Backlight ohne PWM-Helligkeitsregelung

Subjektive Beurteilung

Die 4K-Auflösung des iiyama XUB2792UHSU stellt hohe Anforderungen an die Hardware, wenn man aktuelle Spiele in dieser Auflösung spielen möchte, ohne Grafikeinstellungen heruntersetzen zu müssen. Davon abgesehen kann aber die sehr gute Bildqualität des Monitors natürlich auch beim Gaming voll und ganz überzeugen. Der schnelle Bildaufbau und die geringe Unschärfe in Bewegung sind spürbare Vorteile, der niedrige Input-Lag reduziert Verzögerungen auf ein Minimum. Bei dieser tadellosen Performance vermisst man als ambitionierter Gamer lediglich eine höhere Bildwiederholfrequenz.

Szene aus dem Shooter "Anthem"
Szene aus dem Shooter „Anthem“

Wir haben den iiyama XUB2792UHSU abschließend in PixPerAn auch noch einem Lesbarkeitstest unterzogen. Dabei haben wir uns die Overdrive-Einstellungen „2“ und „3“ genauer angeschaut. Interessant dabei war, dass mit Overdrive „2“ Stufe 10 immer erreicht werden konnte und manchmal sogar Stufe 11 lesbar war. Mit Overdrive „3“ gelang uns nur, Stufe 9 bis Stufe 10 zu erreichen. Auch dieses Ergebnis zeigt, dass der Testkandidat durchaus auch mit echten Gaming-Bildschirmen mithalten kann.

8 KOMMENTARE

  1. Guten Tag zsm,
    vielen Dank für den ausführlichen Test, der mich dazu bewogen hat Iiyama eine Chance zu geben.
    Eigentlich hatte ich mich schon für den Dell Ultrasharp U2718q entschieden (leider gibt es zu diesem bei Brad keinen Test). Mit Dell habe ich seit Jahren sehr gute Erfahrungen, nicht nur was das Display an sich angeht sondern auch die Zuverlässigkeit der integrierten USB 3-Hubs überzeugt.

    Beide Monitore haben auf den ersten Blick (sehr) ähnliche Werte und ich Frage mich ob das Ersparte ggü. dem Dell bzgl. Qualität (insb. Langlebigkeit, fehlerhafte Pixel und Umwelteigenschaften wie Blei) nicht zu kurzsichtig gedacht ist und später umso mehr Kosten auf mich zu kommen; im Netz ist immer wieder von hoher Serienstreuung bei diversen Modellen von Iiyama zu lesen und einen guten Monitor zu erhalten scheint mit etwas Glück verbunden zu sein.

    Wie sind Eure Erfahrungen bzgl. Iiyama (Kundenservice bei Pixelfehlern etc.) und wie würdet Ihr Euch entscheiden, Iiyama oder doch den Dell (vlt. hat der ein oder die andere eins von den Modellen und kann berichten).

    Herzlichen Dank und Grüße
    Nico

    • Danke Nico für deinen ausführlichen Erfahrungsbericht! Freut mich dass du mit dem iiyama XUB2792UHSU zufrieden bist. Das Verhalten des Schärfereglers ist in der Tat etwas sinnfrei.

  2. Der LG 27UK850-W hat Hardware-Kalibrierung. Das allein ist schon den Aufpreis im Vergleich zum iiyama XUB2792UHSU wert.

  3. Hallo,
    zunächst vielen Dank für den ausführlichen Test. Ich bin jetzt etwas ins Schleudern geraten, weil ich mir fast schon den LG 27UK850-W bestellt hätte, der hier ja auch sehr gut getestet wurde. Gelegentlich etwas zocken, gelegentlich Bildbearbeitung meiner Digitalkamera, Webdesign und Office.
    Wenn ich mir den Preis für den iiyama ansehe, frage ich mich ob es irgend einen Grund gibt, doch den LG zu nehmen? Kostet 100 € weniger, und schneidet ja scheinbar in allen Belangen mindestens gleich gut ab.

    • Hi Eric! Ich habe mir nach dem Test den Monitor bestellt, heute erhalten und testweise an meinem ThinkPad P50 via HDMI angeschlossen. Out of the Box bekomme ich ein verdammt gut kalibriertes Bild, das im Hinblick auf ambitionierte Grafik- und Fotobearbeitung mehr als geeignet ist.

      4K unter Windows 10 will ich bereits jetzt nicht mehr missen – gestochen scharfer Text und viel Platz zum Beispiel in Photoshop für die Werkzeugleisten.

      Den DP hab ich noch nicht testen können, da mir das passende Kabel noch fehlt (von DP auf TB3), aber das sollte morgen kommen.

      Leider schaffe ich es noch nicht, RGB und 60Hz in 4K einzustellen. Das sollte mit dem DP-Kabel aber gehen.

      Mir fehlt der Vergleich zum LG, aber für meine (mMn gehobenen) Office- und EBV-Anforderungen ist der Iiyama der passende Monitor. Dicke Kaufempfehlung von mir!

    • Ich habe in den letzten Wochen mehrere Monitore bis 1000 Euro miteinander verglichen. Mein Ziel war es, einen guten Monitor für den sRGB-Workflow zu finden. Darunter auch der LG 27UK850-W und der iiyama XUB2792UHSU. Vom LG 27UK850-W habe ich sogar zwei Exemplare getestet, weil die Homogenität des ersten nicht gut war. Er hatte im unteren Viertel einen deutlich sichtbaren Gelbstich und einen größeren Helligkeitsabfall rechts und links außen.
      Bezüglich Homogenität war der zweite LG 27UK850-W deutlich besser als der erste und vergleichbar mit dem iiyama XUB2792UHSU. Ich habe den LG 27UK850-W mit einem Spyder 5 mehrfach sowohl Hardware- als auch Software-kalibriert und profiliert (per displayCAL für einen sRGB-Workflow), konnte mit dem LG aber nie die sehr guten Messergebnisse des iiyama XUB2792UHSU erreichen. Der iiyama war immer top und zeigte im sRGB-Farbraum ähnlich gute Ergebnisse wie mein Eizo CS2730.

      Das einzige, was mich am iiyama XUB2792UHSU stört, ist die Schärfeeinstellung. Unter Windows finde ich Stufe 3 bei nativer Auflösung im Vergleich zum LG 27UK850-W ziemlich unscharf. Stufe 4 ist aber bereits so überschärft, dass schon helle Halos und Artefakte zu sehen sind, also völlig unbrauchbar. Stufe 5 und 6 zeigen auch bei mir keine Veränderung mehr zu Stufe 4. Vielleicht ist das ein Bug, der sich per Firmwareupdate beheben lässt. Meiner Meinung nach sollte zwischen Stufe 3 und 4 eine deutlich feinere Abstufung erfolgen und die maximale Stufe 6 sollte weniger scharf sein, als die jetzige Stufe 4. Unter MacOS finde ich die Schärfe besser, weiß aber nicht wieso (gleicher Rechner) – vielleicht täusche ich mich auch.

      Beim LG fand ich gut, dass die Anschlüsse rückseitig sind. Da kommt man leichter ran, als unter den Monitor und ist auch praktischer, wenn man die Kabel an einem ergonomischen Monitorarm befestigen möchte. Die Kabel laufen dann gleich in die richtige Richtung. So oft steckt man die Monitorkabel aber auch nicht um. Was die Verarbeitung angeht, fand ich das Gehäuse des iiyama XUB2792UHSU ein bisschen stabiler, als das des LG 27UK850-W.

      Letztendlich habe ich mich trotz der geringeren Schärfe für den iiyama XUB2792UHSU entschieden, weil er im Vergleich zum LG 27UK850-W bezüglich Farbtreue stets die besseren Messergebnisse geliefert hat.

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